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Die Forscher kommen auch als Fallensteller

Forschung Marburg: „BioHolz“ Die Forscher kommen auch als Fallensteller

Der Lebensraum Totholz soll im Forschungsprojekt „BioHolz“ genau untersucht werden.

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Mit diesen Fensterfallen über liegendem Totholz sollen für das Forschungsvorhaben fliegende ­Insekten gefangen werden.

Quelle: Stefan Hotes

Marburg. „Wir kommen als die Jäger und Fallensteller“, erklärt der Marburger Biologe Dr. Stefan Hotes im Gespräch mit der OP. Denn bei den Freiland-Experimenten auf den Waldflächen wie beispielsweise im Nationalpark Bayerischer Wald werden von den Wissenschaftlern am Boden und in der Luft verschiedene Fallen aufgestellt, mit denen sie unter anderem Insekten und Spinnen fangen können, deren Lebensumfeld das auf dem Areal befindliche Totholz ist.

Mit Fensterfallen werden fliegende Insekten gefangen, für am Boden lebende Käfer, Spinnen oder Springschwänze gibt es spezielle Bodenfallen. Für die wissenschaftliche Dokumentation ist es unerlässlich, dass die Anzahl der Lebewesen und die Artenvielfalt genau erfasst wird.

Die standardisierte Erfassung erfolgt jeweils von Mai bis September. In dem Langzeitprojekt, das zunächst für sechs Jahre gefördert wird, soll einerseits die zahlenmäßige Entwicklung der Tiere und Pflanzen erforscht werden. Aber auch die Gesamtheit und Zusammensetzung der Arten und deren Funktion soll untersucht werden, erklärt Hotes.

Je nach Holzart und dem Zerfallsprozess des Totholzes beteiligen sich bis zu 1359 Käferarten an der Zersetzung dieses Holzes (Mineralisation). Rund 25 Prozent aller in Deutschland vorkommenden Käferarten bevölkern Totholz in unterschiedlichen Zerfallsstufen.

Zudem sind an dem Abbau des Holzes etwa 600 Pilz-Arten beteiligt. Diese Pilze, die oft nicht mehr mit dem bloßen Auge sichtbar sind, werden von den Wissenschaftlern anhand der Fruchtkörper oder mithilfe von molekularbiologischen Methoden nachgewiesen.

Totholz: störend, gefährlich oder nötig?

Hotes koordiniert das Forschungsprojekt zwischen Marburg und den Verbundpartnern – den Universitäten in Würzburg, Greifswald und der Technischen Universität München. Hinzu kommen die Umsetzungspartner beim bischöflichen Ordinariat Passau und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Weitere Kooperationspartner sind der Nationalpark Bayerischer Wald sowie Forstbetriebe. Die experimentellen Untersuchungsflächen liegen vorwiegend in Bayern. Weitere Standorte im Saarland sind in Vorbereitung.

Die größeren Versuchsflächen umfassen Areale von 50 mal 50 Metern. Dabei werden verschiedene Versuchsanordnungen erprobt. So liegen an einer Stelle abgestorbene Baumstämme auf einer sonnenbeschienenen Lichtung. Anderes Totholz liegt inmitten des Waldes umstanden von Bäumen. Und auch noch stehende Bäume, deren Kronen entfernt wurden, wie es natürlicherweise bei Stürmen vorkommen kann (stehendes Totholz), werden in das Forschungsprojekt mit einbezogen.

Über die „Wald-Experimente“ hinaus enthält das Forschungsvorhaben noch einen Bestandteil, in dem Geographen Befragungen unternehmen. Dabei sollen Fachleute wie Förster, Jäger, Waldbesitzer oder Verwaltungsmitarbeiter, aber auch Wald-Spaziergänger vor Ort nach ihrer Meinung zum Thema „Totholz“ befragt werden.

Gefragt wird, inwieweit von ihnen das tote Holz im Lebensraum Wald als ästhetisch unpassend und optisch störend oder sogar als potenzielles Gefahrenpotenzial angesehen wird, oder ob von den Befragten eher die positive Rolle des Totholzes für den Natur- und Artenschutz als wichtiger angesehen wird.­

von Manfred Hitzeroth

     
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Professor Roland Brandl (Foto: Universität) ist seit 2001 Professor für Tierökologie an der Uni Marburg. Der Diplom-Biologe wurde 1982 an der Universität Bayreuth promoviert, wo er von 1985 bis 1992 Assistenz-Professor war, bis er an die Uni Leipzig-Halle wechselte. Er koordiniert zusammen mit Dr. Stefan Hotes das Projekt „BioHolz“ und erforscht unter anderem in tropischen Ländern den Zusammenhang zwischen Landverbrauch und Biodiversität.
 
Dr. Stefan Hotes (45, Foto: Hitzeroth) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Biologie der Uni Marburg und ­koordiniert das Forschungsvorhaben „BioHolz“. Von 1991 bis 1998 studierte der gebürtige Göttinger Biologie in Marburg. Nach Forschungsaufenthalten in England und Japan sowie ab 2007 einer Zwischenstation an der Uni Gießen kehrte er 2011 wieder an die Uni Marburg zurück.
     
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