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Deutsche noch immer Zahnputzmuffel

Forschung Marburg: Zahnerhalt Deutsche noch immer Zahnputzmuffel

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung Roland Frankenberger hat herausgefunden, dass die Deutschen nur 48 Sekunden Zähneputzen. Er wirbt deshalb für die professionelle Zahnreinigung.

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Marburg. Viele Zahnärzte preisen sie ihren Patienten an und spielen mit dem schlechten Gewissen ihrer Kunden: Die „professionelle Zahnreinigung (PZR)“. Empfohlen wird sie von den Ärzten jedes halbe Jahr, entfernt werden soll dabei alles, was nichts auf den Zähnen zu suchen hat. Viele verwechseln die PZR mit der Zahnsteinentfernung. Zahnsteinentfernung ist eine Kassenleistung und sollte routinemäßig beim Zahnarztbesuch durchgeführt werden. Dabei wird aber nur der verhärtete Belag beseitigt, den die Zahnbürste zuhause nicht mehr runter bekommt.

Die PZR ist eher die Waschstraße für die Zähne: Die Zahnfleischtaschen werden gespült, die Essensreste, die die Zahnbürste nicht erreicht hat, werden beseitigt und die Zähne werden versiegelt. Neuer Belag kann so schlechter anhaften. Im Unterschied zur Zahnsteinreinigung ist die PZR allerdings eine Individuelle Gesundheitsleistung (IGel), was bedeutet, dass sie die gesetzlichen Krankenkassen nicht übernehmen. „Die Kosten betragen bis zu 100 Euro für eine Sitzung, die je nach Gebisszustand bis zu einer Stunde dauern kann“, sagt der Marburger Wissenschaftler Roland Frankenberger.

Die Frage ist also durchaus legitim, ob sich das Geld für die Behandlung überhaupt lohnt. Für Aufsehen gesorgt hat zuletzt eine Stellungnahme der Gruppe „IGel-Monitor“.

Nutzen als „unklar“ bewertet

Sie ist eine von den Krankenkassen finanzierte Gruppe von Medizinern, die die Igel-Leistungen überprüft. Sie bewerten den Nutzen der Maßnahme für Erwachsene ohne Parodontitis als „unklar“. Die Experten berufen sich darauf, dass es bislang keine wissenschaftliche Studie gibt, durch die belegt wird, dass durch eine alleinige PZR die Zähne länger erhalten bleiben. Ebenso wenig sei belegt, dass die professionelle Zahnreinigung einen zusätzlichen Nutzen hat oder gar „unverzichtbar“ ist, wie von vielen Zahnärzten - vielleicht auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen - behauptet wird. Roland Frankenberger teilt die Skepsis des Teams von „IGel-Monitor“ in diesem Fall aber nicht: „Es wird von IGeL-Monitor moniert, dass es zu wenige Studien gibt. Solche Studien wären aber unethisch und sind daher abzulehnen. Und: man könne leicht behaupten, dass jemand, der gute Mundhygiene betreibt, keine professionelle Zahnreinigung braucht, sagt Frankenberger. Tatsache sei aber: „Die durchschnittliche Mundhygiene in Deutschland ist nicht besonders gut. Im Schnitt beträgt die Zahnputzzeit abends, wo es besonders wichtig wäre, die Zähne gründlich zu säubern, 48 Sekunden“.

„Plaque bleibt immer übrig“

Bei so einer geringen Dauer bleibe immer Plaque übrig und es sei in jedem Fall sinnvoll, sich diese Beläge zumindest jedes halbe Jahr entfernen zu lassen. Gerade bei unregelmäßig stehenden Zähnen könne der Patient ohne professionelle Hilfe gar nicht alle Stellen von Zahnbelag befreien. Wenn man sich vor Augen führt wie viele Milliarden in unserem Land für kariöse Zähne und Folgen der Parodontitis ausgegeben werden, muss man sagen: Es ist so leicht, Karies und Parodontitis zu verhindern. Und die PZR gehört dazu. Mann kann auch zugunsten der Vergleichbarkeit die Angebote mehrere Zahnärzte einholen.

Der Forscher
Wer wissen will, wie er mit seinen Zähnen auch Morgen noch kraftvoll zubeißen kann, der sollte nicht Blend-a-med fragen, sondern im besser den Marburger Wissenschaftler Professor Roland Frankenberger (Foto: Marc Müller). Frankenberger leitet die Abteilung für Zahnerhaltungskunde an der Universität Marburg. Seit 2012 ist er auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltungskunde.Der gebürtige Eichstätter hat an der Universität Erlangen-Nürnberg  Zahnheilkunde studiert. An dieser Uni hat er auch später als Professor mehrfach Lehrpreise eingeheimst. Seit 2009 ist Frankenberger Direktor der Abteilung für Zahnerhaltungskunde in Marburg. Seit dem letzten Jahr ist er Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Philipps-Universität Marburg.

von Tim Gabel

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