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Bedrohte Arzneipflanze braucht Schutz

Forschung Marburg: Arnika-Projekt Bedrohte Arzneipflanze braucht Schutz

Dem Rückgang der Arnika-Bestände in den ländlichen Gebieten unterhalb von 500 Metern soll ein Projekt entgegenwirken, das in Marburg koordiniert wird.

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Einen eindrucksvollen Anblick bietet diese mit blühenden Arnika-Pflanzen bestandene Wiese im Lahn-Dill-Kreis.

Quelle: Arnika-Projekt

Marburg. Arnika ist eine der klassischen Pflanzen, die früher auf Sommerwiesen häufig gewachsen sind. Die leuchtend gelben Arnika-Blüten sind das äußere Erkennungszeichen der Pflanze, die wohl schon Hildegard von Bingen im 11. Jahrhundert als Heilpflanzen bekannt war. Erst seit dem 18. Jahrhundert werden vorwiegend zur äußeren Anwendung bei Muskel- oder Gelenkschmerzen aus den Arnika-Blüten hergestellte Tinkturen verwendet.

Doch in den vergangenen Jahren ist die Verbreitung der Pflanze so weit zurückgegangen, dass diese in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht. Gab es im Jahr 2007 in ganz Hessen noch 63 Arnika-Vorkommen, so ging diese Zahl im Zeitraum zwischen 2009 und 2012 auf 42 zurück.

Arnika-Wiesen sind „in ihrer Vitalität geschwächt“

Arnika gedeiht besonders gut auf sogenanntem Borstgras-Rasen. Die in Mittelhessen immer noch existierenden größeren zusammenhängenden „Arnika-Wiesen“ werden von Forschern in dem von Marburg aus gesteuerten großangelegten Forschungsvorhaben bis 2020 unter anderem in einem „Flächen-Monitoring“ überwacht und beobachtet.

Schon vor Beginn dieser Überwachung ist klar, dass die meisten Arnika-Wiesen „sehr klein, isoliert, in ihrer Vitalität geschwächt“ sind, wie der für das Monitoring verantwortliche Gießener Wissenschaftler Dr. Jörg Weise erläutert. An diesem Punkt setzt ein Forschungsvorhaben ein, dass Dr. Andreas 
Titze und Claudia Hepting vom Neuen Botanischen Garten der Uni Marburg zusammen mit der Pflanzenforscherin Professorin Ilona Leyer (Universität Geisenheim) konzipiert haben. Sie wollen die Parameter genauer erforschen, die für den Rückgang des Arnika-Vorkommens verantwortlich sind und möglichst mit praktisch umsetzbaren Handlungsempfehlungen gegensteuern.

Prinzipiell sind die Ursachen für den Arnika-Rückgang bekannt: Eine Überdüngung der landwirtschaftlich genutzten Flächen, eine zu hohe Stickstoffbelastung und generell eine zu hohe Nährstoffversorgung der Standorte trage vor allem dazu bei, erläutert Hepting. Hinzu kommen veränderte Bewirtschaftungsweisen: Gerade schwierig zu bewirtschaftende Wiesen sind durch Nutzungsaufgabe gefährdet, und etliche Flächen werden auch längst nicht mehr so häufig von Schafen beweidet wie früher.

Öffentlichkeitsarbeit und die Umweltbildung

Besonders interessant sind die Arnika-Pflanzen für die Biologen, weil sie sogenannte Indikator-Pflanzen sind, deren Vorkommen ein Anzeichen dafür darstellt, wie gut oder schlecht es den „Kultur-Biotopen“ geht. Die Forschung mit Praxisbezug ist charakteristisch für das Projekt: So sollen in Zusammenarbeit mit Vertretern des öffentlichen Naturschutzes und Boden-Eigentümern oder Pächtern Nutzungsvorschläge für die Böden entwickelt werden, die teilweise auch finanziell gefördert werden.

Ein wichtiger Baustein des Konzepts sind auch Öffentlichkeitsarbeit und die Umweltbildung. „Anhand der populären Arzneipflanze und ihrer wertvollen bedrohten Lebensräume soll die Bedeutung von Biodiversität Erwachsenen und Kindern nahegebracht werden“, erläutert Hepting. So wurde im Botanischen Garten auf den Lahnbergen ein Pavillon aus Holz errichtet, in dem sich reich bebilderte Informationen rund um das Arnika-Projekt anschauen und lesen lassen.

Arnika-Comics und sogar ein Arnika-Kostüm tragen bei PR-Terminen mit dazu bei, die Bedeutung der Arzneipflanze auch spielerisch zu unterstreichen. Dass die Pflanzen-Experten mit viel Enthusiasmus an ihre Aufgabe herangehen, zeigt auch ein Blick auf das auf der Homepage unter der Web-Adresse ­www.arnikahessen.de abgedruckte umfangreiche Projekttagebuch.

von Manfred Hitzeroth

 
Zur Person

Claudia Hepting (49, Foto: Hitzeroth) aus Freudenberg (Siegerland) ist Mitinitiatorin und Mitarbeiterin des Projektes „Übertragbares Managementkonzept für Arnica montana“, das vom Neuen Botanischen Garten der Marburger Universität aus ­koordiniert wird. Von 1985 bis 1992 studierte sie Biologie an der Marburger Universität.

In ihrer Diplomarbeit war die „Waldgesellschaft des Schelder Waldes“ das Thema. Ihr wissenschaftliches Spezialgebiet ist die Pflanzensoziologie, bei der es unter anderem um die Gefährdung von Pflanzen-Gesellschaften geht. Seit mehr als 20 Jahren ist Hepting Inhaberin eines Planungsbüros und beschäftigt sich mit Fachplanungen des Naturschutzes.

 
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Mittelhessen ist die Modellre­gion für das Arnika-Forschungsprojekt: Eine große Versuchsfläche liegt im Lahn-Dill-Kreis hinter Gladenbach.

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