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„Bibliothek ist unser Labor und Experimentierfeld“

Forschung Marburg: Arzneipflanzen „Bibliothek ist unser Labor und Experimentierfeld“

Ein wichtiges Recherchemittel für die Pharmaziehistoriker sind die historischen Bücher mit detaillierten Pflanzenbeschreibungen, die sich zum Großteil in der Bibliothek des Marburger Instituts befinden.

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Titelblatt der vierten Auflage des „Neuen Kräuterbuchs“ von Jacobus Theodorus von 1731.

Quelle: Institut für Pharmaziegeschichte

Marburg. Die Bibliothek des Marburger Uni-Instituts für Geschichte der Pharmazie befindet sich im ehemaligen Tanz- und Fecht-Haus der Uni Marburg im Roten Graben 10 in der Marburger Oberstadt.

Die Bibliothek umfasst rund 19.000 Bände, darunter 7000 zum Teil sehr seltene Zeitschriftenbände aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Sie enthält pharmaziehistorische Quellen und Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Neuzeit. Es sind Originale sowie Nachdrucke von Büchern seit der Zeit der Antike. Die Bücher und Zeitschriften ermöglichen Studien zur Tradition der Arzneipflanzen und anderer Arzneistoffe, erläutert Institutsdirektor Professor Christoph Friedrich. Einen besonderen Schwerpunkt bilden unter anderem Werke zur „Materia medica“, Arzneibücher sowie Kräuterbücher.

Altertümliche Sprache erschwert Forschung

„Die Bibliothek ist gewissermaßen unser Labor und unser Experimentierfeld“ bilanziert Friedrich. Finanziert werden die Neuanschaffungen überwiegend vom Förderverein des Instituts. Für die Forscherin Dr. Nicole Schuster waren besonders die Kräuterbücher wichtige Hilfsmittel bei ihrer Doktorarbeit über traditionelle pflanzliche Fiebermittel. Die Bücher liefern die Grundlagen für die historische Untersuchung dieser „fiebervertreibenden Mittel“ (Febrifuga).

Die Verfasser der Kräuterbücher – meistens Ärzte – hätten einerseits auf dem aus der Antike tradierten Wissen aufgebaut und es aber zusätzlich auch mit eigenen Beobachtungen und Erfahrungen aus ihrer ärztlichen Praxis abgeglichen, erläutert Schuster. Zudem nahmen sie in ihre Kompendien exotische Pflanzen mit auf, die Forschungsreisende aus aller Welt mit nach Europa gebracht hatten.

Nicht nur die Pflanzen, sondern auch deren Wirkungen auf die Kranken werden in den Büchern sehr genau erläutert. „Ein Problem ist allerdings, dass dies in einer altertümlichen Sprache beschrieben wird“, erklärt Professor Friedrich. Notwendig zum Verständnis der Behandlungsgeschichten sind aber auch historische Grundkenntnisse der Lebensumstände sowie des Kenntnisstandes in Bezug auf Krankheiten in der jeweiligen Zeit. Auch Kenntnisse der lateinischen Sprache sind zudem für die Pharmaziehistoriker vonnöten, weil beispielsweise viele der arabischen Originalwerke ins Lateinische übersetzt vorliegen.

von Manfred Hitzeroth

Hintergrund

Am Institut für Geschichte der Pharmazie der Uni Marburg werden schon seit einigen Jahren wissenschaftliche Arbeiten über die Geschichte von Arzneipflanzen erstellt. Eine für Deutschland völlig neue Forschungsrichtung entwickelte Professorin Sabine Anagnostou. Zusammen mit Professor Christoph Friedrich warb sie dafür ein mit 420.000 Euro finanziertes Drittmittelprojekt ein.

Eine pharmazeutische Firma aus der Schweiz hatte sich speziell dafür interessiert, aus alten arabischen heilkundlichen Schriften Pflanzen herauszusuchen, die für eine heutige Nutzung als Heilmittel geeignet sein könnten. Der Drittmittelgeber war sogar bereit, dafür an der Uni Marburg für fünf Jahre eine Stiftungsprofessur mit einer Doktorandenstelle zu finanzieren. Die Verwirklichung dieses Plans scheiterte jedoch daran, dass es keine Einigung über die Forschungsrichtung gab, erläutert Professor Friedrich auf Anfrage der OP.

Mittlerweile arbeitet ­die Forscherin als Chefin des 
Schweizer Pharmaunternehmens und betreut als außerplanmäßige Professorin der Universität Marburg noch Doktoranden.

 
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