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Anteil von Totholz im Wald soll steigen

Forschung Marburg: „BioHolz“ Anteil von Totholz im Wald soll steigen

Im Mittelpunkt des Forschungsprojektes „BioHolz“ steht der Schutz der biologischen Vielfalt in deutschen Wäldern.

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Baumstämme liegen auf einer Lichtung im Nationalpark Bayerischer Wald. In verschiedenen Experimenten des Projektes „BioHolz“ soll beispielsweise erforscht werden, wie sich Sonnenlicht oder Beschattung auf Totholz auswirken.

Quelle: Stefan Hotes

Marburg. Alte Bäume und totes Holz spielen eine wichtige Rolle für den Erhalt der Artenvielfalt sowie die Nährstoffkreisläufe und die Waldregenera­tion.

Obwohl die Waldbewirtschaftung in Deutschland von Forschern und Förstern überwiegend als nachhaltig bezeichnet wird, bereitet es in Sachen Totholz Probleme, wenn es in 
einem Wald nur Bäume einer Altersklasse gibt, die dann mehr oder weniger komplett vor dem Erreichen der Alters- und Zerfallsphase gefällt werden.

„In den kommenden sechs Jahren erforschen wir, wie sich die Waldnutzung und der Schutz von Biodiversität in Einklang bringen lassen“, erklärt Projektkoordinator Dr. Stefan Hotes. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert das Projekt mit 3,2 Millionen Euro. Kernpunkt des von Hotes zusammen mit Professor Roland Brandl von der Marburger Universität aus koordinierten Forschungsvorhabens sei die Erhöhung des Anteils alter und abgestorbener Bäume – des sogenannten Totholzes, auf das viele Arten angewiesen seien (siehe HINTERGRUND).

Diese Baumpilze sind weithin sichtbar. Foto: Hotes

Quelle:

Der Ausgangspunkt des Projektes war die Bilanz der Nationalen Strategie zur Biodiversität, die im Jahr 2007 aufgestellt wurde. Ein Ergebnis war im Jahr 2010, dass der Verlust bei der Artenvielfalt trotz großer Anstrengungen im Naturschutz nicht entscheidend aufgehalten werden konnte.

Im Jahr 2011 erfolgte dann eine gemeinsame Ausschreibung des Bundesforschungsministeriums und des Bundesumweltministeriums für konkrete Forschungsprojekte zur besseren Umsetzung der Strategie zur biologischen Vielfalt.

Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich speziell mit der Artenvielfalt von Käfern und Pilzen in heimischen Wäldern, die größtenteils durch die Forstwirtschaft genutzt werden. „Wälder bedecken immerhin ein Drittel der Land-Fläche in Deutschland“, erklärt Hotes.

„Wir wollen neue Wege der nachhaltigen Waldnutzung erforschen, die verschiedene Funktionen von Wäldern berücksichtigt“. Die Wissenschaftler wollen Vorschläge für verschiedene Waldtypen vom kleinflächigen Privatwald bis zu großen, staatlichen Forstbetrieben entwickeln.

Es gehe einerseits auch darum, die Lebensbedingungen bedrohter Organismen zu verbessern, und andererseits um eine nachhaltige Bereitstellung verschiedener Ökosystemleistungen, erklärt Hotes. „Alles, was wir tun, hängt von intakten Ökosystemen ab“, verdeutlicht der Biologe im Gespräch mit der OP.

Dabei sei es für spezielle Tiere oder Pflanzen besonders wichtig, dass Bäume auch alt werden dürften, um dann zu sterben. Demgegenüber stehe aber das Interesse von Waldbesitzern oder der holzverarbeitenden Industrien, Waldbäume schon frühzeitig als Nutzholz weiterzuverarbeiten, bevor sie ihre natürliche Höchst-Lebensdauer von mehreren 100 Jahren erreicht haben.

Projekt-Mitarbeiter Willi Hoff zeigt eine Insektenfalle. Foto: Hotes

Quelle:

Es sollen Szenarien der zukünftigen Waldentwicklung erarbeitet werden, und zwar einmal für einen Zeitraum von 30 Jahren und für einen Zeitraum von 60 Jahren. Sie berücksichtigen verschiedene Leistungen von Wäldern von der Holzproduktion bis zur Erholungsnutzung.

In diese Szenarien fließen auch Berechnungen von möglichen Auswirkungen des Klimawandels ein. Das betrifft beispielsweise die grundsätzliche Erwartung, dass die Sommer immer trockener und heißer werden und die Winter immer milder und feuchter.

Wie die Waldbäume darauf reagieren könnten, das soll auch unter Berücksichtigung der „Totholz“-Thematik prognostiziert werden. 
Eine Hypothese der Forscher lautet, dass es auch in wirtschaftlich genutzten Wäldern möglich sein muss, Einzelbäume oder Baumgruppen aus der Nutzung auszuschließen und sogenannte „Biotop-Bäume“ zu etablieren, die dann auch altern und sterben können.

Die Ergebnisse des Forschungsvorhabens sollen in Broschüren, Flyern, Pressemitteilungen und im Internet ( www.bioholz-projekt.de) weitergegeben werden. Auch Workshops für Entscheidungsträger und Schulungen für Waldbesitzer gehören zum Gesamtkonzept der Öffentlichkeitsarbeit. Eine weitere Idee ist der Aufbau von „Totholz-Informationspfaden“ in Naturschutzgebieten und in Wirtschaftswäldern. Zudem sollen Lehrmittel und Videos erstellt werden.

von Manfred Hitzeroth

 
Hintergrund
Totholz ist im Artenschutz der Sammelbegriff für abgestorbene Bäume oder deren Teile. Unterschieden wird dabei zwischen stehendem Totholz, also noch nicht umgefallenen abgestorbenen Bäumen und bereits auf der Erde liegendem Totholz (Moderholz). In wirtschaftlich genutzten Wäldern (Wirtschaftswäldern) beträgt der Anteil von Totholz an der gesamten Holzbiomasse nur noch bei 1 bis 3 Prozent. Demgegenüber ist der Totholz in naturbelassenen „Urwäldern“ in Mitteleuropa zwischen 10 und 30 Prozent. Genutzt wird das Totholz durch eine Vielzahl von Organismen, die sich im Laufe der Evolution an den Lebensraum angepasst haben. Dabei bestehen zwischen Pilzen und Insekten Abhängigkeiten: So übertragen Insekten Pilzsporen auf das Holz, und Pilze können sowohl Nahrungsquelle als auch „Teil-Lebensraum“ für die Insekten sein.
 
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Der Lebensraum Totholz soll im Forschungsprojekt „BioHolz“ genau untersucht werden.

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