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1000 Reichsmark waren Reisekapital für die Expedition

Erinnerungen an Grönland-Expedition 1000 Reichsmark waren Reisekapital für die Expedition

Für Dr. Walter Böhme war die Expedition durch Grönland im Jahr 1929 ein einzigartiges Erlebnis.

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Tagebücher, Zeitungsausschnitte und weitere Archivstücke dokumentieren die beiden Grönland-Expeditionen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Im Jahr 1929 war Walter Böhme ein 25-jähriger Doktorand an der Universität Frankfurt. Eines seiner Studienfächer war die Geographie, was auch zu seiner Teilnahme an der Grönland-Expedition führte.

Von 1949 bis zu seinem Tod im Jahr 1969 war Böhme Lehrer am Gymnasium Philippinum in Marburg, wo er zuletzt auch stellvertretender Schulleiter war.

Durch die Überlassung mehrerer umfangreicher Ordner mit Dokumenten durch Barbara Scholl-Böhme, die Schwiegertochter Böhmes, stieß Professor Alfred Pletsch auf die Erlebnisse der Expedition durch Westgrönland.

Diese Reise dauerte vom 27. Juli bis zum 2. November 1929. Zwei der drei Tagebücher Böhmes von dieser Fahrt sind noch erhalten. Zu den Dokumenten zählen aber auch Fotos und schriftliche Unterlagen, die beispielsweise die Reisevorbereitungen belegen.

So listete Böhme genau auf, wie viel seines „Reisekapitals“ von 1000 Reichsmark er wofür ausgab. 500 Reichsmark steuerte übrigens die Universität Frankfurt bei, hinzu kamen noch Sponsoren aus Südhessen. Am Ende stand allerdings ein Minus von 61 Reichsmark, so dass er sich für die Rückfahrt von Kopenhagen nach Deutschland Geld leihen musste. Minutiös listet Böhme seine „Kleider-Ausrüstung“ auf, zu der beispielsweise ein blauer Anzug und mehrere Stehkrägen zählten.

Die „Krabbe“ war das Expeditionsschiff von Alfred Wegener, auf dem auch Walter Böhme 1929 zeitweise mitfuhr. Privatfoto

Quelle:

Expeditionsleiterin war die Ethnologin und Geographin Aenne Schmücker, die in Grönland vorwiegend volkskundliche Erforschungen der grönländischen Thule-Kultur als Ziel hatte. Sie wurde einige Jahre später auch eine enge Mitarbeiterin des bekannten dänischen Polarforschers Knud Rasmussen.

Am Ende der Reise kreuzten sich Böhmes Wege mit denen der Wegener-Expedition: Diese war eine Vorexpedition des Geographen und Polarforschers Alfred Wegener für seine für die Jahre 1930 und 1931 geplanten Expedition, bei der in systematischen Messreihen meteorologische und klimatologische Fragen des Gebietes geklärt werden sollten.

Hauptziel war es, die besten Wege zu erkunden, um in dem unwegsamen Eis-Gelände von der Hauptstation am westlichen Rand des Inlandseises bis zur 400 Kilometer entfernten Station Eismitte zu gelangen.

Nach seiner produktiven Zeit als Forscher an der Universität Marburg von 1909 bis 1919 forschte Wegener zu diesem Zeitpunkt an der Uni Graz. Viel dramatischer als die Expedition des Jahres 1929 verlief dann Wegeners Grönland-Reise im Jahr 1930, bei der der Forscher bei widrigstem Wetter unter tragischen Umständen im Alter von 50 Jahren starb.

von Manfred Hitzeroth

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Bisher der Forschung unbekannte Tagebücher der Grönland-Expedition des Marburgers Walter Böhme aus 1929 werfen neue Schlaglichter auf die vorletzte Grönland-Expedi­tion des Polarforschers Alfred Wegener.

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