Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Sogar die Schule wurde wieder eröffnet

Serie Eisenbahn im Hinterland, Teil 22 Sogar die Schule wurde wieder eröffnet

Die  Eisenbahn spielte eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Dorfes Gönnern im Gansbachtal.

Voriger Artikel
Ein "Filmstar" fährt durch Hinterland
Nächster Artikel
Biedenkopfer müssen lange warten

Abfahrt eines Personenzuges nach Dillenburg. Im Hintergrund sieht man das Stationsgebäude und das Dampflokdenkmal in Gönnern. Über dem Stationsschild links im Vordergrund sind die Gärten zu erkennen, die einst von den Eisenbahnern bewirtschaftet wurden.

Quelle: Manfred Ritter

Gladenbach. Im Mai 1911 erhielt auch Gönnern mit der Fertigstellung der Scheldetalbahn einen Anschluss an die Eisenbahn. Damit brach für das Dorf im Gansbachtal eine neue Zeit an. Die betrieblichen Notwendigkeiten erforderten irgendwo zwischen dem oberen Ende des Zahnstangenabschnitts (Serie: Teil 21) vor Hirzenhain und Wallau einen Lokbahnhof mit Lokschuppen sowie Wasserversorgung und Bekohlungsmöglichkeit. Ebenso mussten genügend Gleise vorhanden sein, um die Züge über Nacht abstellen zu können.

Da es unwirtschaftlich war, die komplizierten und in der Anschaffung teuren Zahnraddampfloks im regelmäßigen Verkehr alle Züge zwischen Hirzenhain und Wallau befördern zu lassen, musste dieser Lokbahnhof möglichst nah am oberen Ende des Zahnstangenabschnitts liegen.

In Hirzenhain war zwar der Platz vorhanden, allerdings dürfte die Wasserversorgung in der Nähe der Wasserscheide von Dill und Lahn als zu aufwendig bewertet worden sein. In Lixfeld und Frechenhausen ist das Gansbachtal sehr eng. Deshalb musste die Bahnstrecke über größere Teile in Einschnitten verlaufen und die jeweiligen Stationen mussten am Hang über den Dörfern angelegt werden. Das nächste Dorf im Streckenverlauf war Gönnern, dort stimmten alle Voraussetzungen. Dies sollte sich als Segen für das Dorf erweisen. Es gab auf einen Schlag Dutzende neue Arbeitsplätze.

100 Bürger aus Gönnern arbeiten bei der Bahn

Im Laufe der 76 Jahre, die die Eisenbahnzeit in Gönnern gedauert hat, fanden mehr 100 Männer und Frauen aus dem Dorf dort einen Arbeitsplatz, manche nur für wenige Jahre, viele aber auch für Jahrzehnte. Selbst die Kinder in Gönnern profitierten unmittelbar von der Bahneröffnung, weil nämlich zur Streckeneröffnung Eisenbahner mit ihren kinderreichen Familien nach Gönnern zogen, was zur Folge hatte, dass die kurz zuvor geschlossene Schule im Ort nun wieder geöffnet wurde.

Für die Wasserversorgung wurde eigens ein Hochbehälter errichtet. Auch sonst mussten viele Bauten errichtet werden: Ein Lokschuppen für zwei Dampfloks, ein Bahnhofsgebäude, diverse Nebengebäude, ja sogar ein bahneigenes Schützenhaus für den bahneigenen Schießstand. Ebenso wurden Gärten angelegt, die der Selbstversorgung der in den Dienstwohnungen auf dem Bahnhofsgelände wohnenden Eisenbahner dienten. So wie Gladenbach der Betriebsmittelpunkt der Aar-Salzböde-Bahn war, so war Gönnern der Betriebsmittelpunkt der Scheldetalbahn und damit einer der wichtigsten Bahnhöfe im Hinterland. Die Anlagen wurden immer wieder den neuen Gegebenheiten angepasst. Als eine der ersten Anpassungen wurde der Lokschuppen verlängert, da die Dampfloks der Baureihe 94 (Teil 10) länger waren, als die zuvor eingesetzten Zahnraddampfloks.

Buch erinnert an die
 Bahngeschichte des Dorfes

Ende der 1960er-Jahre begann die letzte Phase dieser Anpassungen, als eine große ortsansässige Baufirma ihr neues Werk in unmittelbarer Nähe zum Bahnhofsgelände errichtete.

Da dieses Werk auch einen Gleisanschluss erhielt, musste der Anbau des Lokschuppens in dem sich die Sozialräume für das Lokpersonal befanden, abgetragen werden. In den 70-er Jahren verschwanden dann auch die Anlagen für den Dampflokunterhalt. Zuletzt wurde der Lokschuppen abgerissen. Da die Baufirma auch eine Gleisbauabteilung besaß, wurden auf dem Bahnhofsgelände immer wieder auch Gleisbaufahrzeuge abgestellt. Am 30. Mai 1987 verließen die letzten Züge Gönnern. Die Gleise wurden wenige Jahre später entfernt. Das Bahnhofsgebäude steht noch, das restliche Gelände ist heute teilweise überbaut.

Dennoch ist die Eisenbahn in Gönnern in Erinnerung geblieben. Vor zwei Jahren wurde das Jubiläum groß gefeiert.

Der Ortsbeirat und ein eigens ins Leben gerufenes Jubiläumsteam „100 Jahre Eisenbahn Gönnern“ organisierten nicht nur eine große Ausstellungen mit Vortragsabend, sie brachten auch zwei Publikationen heraus. Aus dem Buch „100 Jahre Bahngeschichte in Gönnern“ stammen auch viele Informationen für diesen Serienteil.

von Stefan Runzheimer

Voriger Artikel
Nächster Artikel