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Letzte Dienstfahrt führt nach Gönnern

Serie Eisenbahn im Hinterland, Teil 17 Letzte Dienstfahrt führt nach Gönnern

Am 30. April 1972 war im Hinterland die letzte Dampflok unterwegs. Die Fahrt führte von Dillenburg nach Gönnern und zurück. Hunderte Eisenbahnfreunde nahmen Abschied von der Ära.

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Der Zug ist in Gönnern angekommen. Die Lok wurde für diese Fahrt noch einmal farblich aufgefrischt und mit einem eigens angefertigtem Schild geschmückt. Hinter der Dampflok und den sechs Personenwagen erkennt man noch die Diesellok.

Quelle: Manfred Ritter

Gladenbach. Der Dampflokeinsatz im Hinterland beschränkte sich zum Schluss auf wenige Personen- und Güterzüge auf der Aar-Salzböde-Bahn sowie auf den Verkehr auf der Scheldetalbahn. Dort waren die Dampfloks wegen der besondern Anforderungen des Steilstreckenbetriebs noch lange unersetzlich. Erst Ende 1971 traf eine Diesellok der Baureihe 213 ein, welche in der Lage war die Dampfloks auch auf der Scheldetalbahn zu ersetzen.

Da in den darauf folgenden Wochen und Monaten mit noch mehr Zuteilungen von Loks der BR 213 zu rechnen war, war das Ende der Dampfloks im Hinterland nicht mehr aufzuhalten. In dieser Zeit nahm die Zahl der Eisenbahnfreunde zu, die auf der Suche nach den letzten Dampfloks durch ganz Deutschland reisten. Zu dieser Zeit wurden aber auch in vielen Ecken Deutschlands alte Dampfloks als Denkmäler aufgestellt. Auch im Eisenbahnerdorf Gönnern gab es solche Überlegungen, die schließlich in die Tat umgesetzt wurden. Als letzter Tag, an dem eine Dampflok von Dillenburg aus eingesetzt werden sollte, wurde der 30. April 1972 festgelegt. Dieser Tag bot sich auch für die offizielle Einweihung des Lokdenkmals in Gönnern an.

Eines der Plakate, besonders interessant ist die letzte Zeile, belegt sie doch, dass der Slogan „die Bahn“, wenn auch damals anderes geschrieben, keineswegs eine Schöpfung der DB AG ist.

Quelle:

Unsere Region wurde durch das Ende des in der damaligen BRD bereits einmaligen Einsatzes von Dampflokomotiven auf Steilstrecken um eine große Attraktion ärmer. Auch deshalb wurden eigens zu diesem Anlass Plakate gedruckt, auf denen der Name des neu lancierten Erholungsgebietes zu lesen war, er war der eigentliche Grund der Fahrt. Die zur Denkmallok auserwählte 94 1538 wurde bereits einige Tage zuvor auf einem extra errichteten Sockel aufgestellt. Dieser befand sich von der Straßenseite aus betrachtet rechts vom Empfangsgebäude. Links vom Empfangsgebäude wurde ein großes Festzelt aufgestellt. Als Rahmenveranstaltung dienten vom 29. April. bis 1. Mai die „Verkehrstage´72“ in Gönnern.

Der Zug verließ um 9.52 Uhr Dillenburg. Zuglok war die 094540, die frühere 94 1539. Sie war eine der letzten beiden Dillenburger 94er, dies waren die einzigen Dampfloks, die die Steilstrecke auch ohne fremde Hilfe befahren durften. Allerdings war der Zug wegen des großen Andrangs so lang und schwer, dass er von einer zweiten Lok nachgeschoben werden musste. Dafür nahm man eine Diesellok. Um 10.43 wurde - nach einem längeren Fotohalt - Gönnern erreicht.

Nach gut dreieinhalb Stunden trat der Zug die Rückfahrt an

Gemäß der extra für die Steilstrecke erlassenen Dienstvorschrift der Bundesbahndirektion Frankfurt, in deren Zuständigkeitsbereich die Steilstrecke lag, mussten nun beide Loks am Zuganfang angehängt werden. Die Dampflok wurde zwischen die Diesellok und die Personenwagen gehängt.

Eine knappe Stunde später erreichte der Zug Dillenburg. Die Dampflok-Ära in unserer Region war endgültig vorbei. In den folgenden Tagen wurden die restlichen in Dillenburg vorhandenen Dampfloks der Baureihen 50 und 94 entweder nach Limburg, Emden oder zum Schrotthändler abgefahren. Als letzte Dampflok der Bundesbahn überhaupt wurde am 26. Oktober 1977 um 16.04 Uhr die 043903 in Emden abgestellt, diese Lok war übrigens früher unter ihrer damaligen Nummer 44 903 auch in Dillenburg beheimatet und bespannte schwere Güterzüge zwischen Dillenburg und den Wirtschaftszentren an Main, Rhein und Ruhr.

Auf dem Dillenburger Rangier- und Güterbahnhof wurden damals auch sehr viele Güter aus oder für unsere Region umgeschlagen. Der durchgehende Verkehr auf der Scheldetalbahn konnte sich nach dem Ende der 94er noch bis 1987 halten und wiederum zehn Jahre später verließ die 94 1538 auf einem Straßentieflader Gönnern, um aufgearbeitet zu werden und künftig Museumszüge zu ziehen.

von Stefan Runzheimer

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