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Geblieben ist nur der Güterverkehr

Serie Eisenbahn im Hinterland, Teil 4 Geblieben ist nur der Güterverkehr

Im vierten Teil der Serie stellen wir zwei Strecken vor, die bis zur vorletzten Gebietsreform im Norden des damaligen Kreises Biedenkopf lagen.

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Noch gibt es mehrere Güterkunden, die den Bahnverkehr aufrechterhalten. Das Bild zeigt einen Holzzug aus Battenberg, hier bereits im Wetschaftstal bei Münchhausen.Foto: Otto Runzheimer

Quelle: Otto Runzheimer

Gladenbach. Da bis 1932 auch Orte nördlich des Lützelgebirges im Bereich der heutigen Gemeinden Allendorf (Eder), Battenberg (Eder), Bromskirchen, Hatzfeld (Eder) zum Kreis Biedenkopf gehörten und damals den nördlichen Teil des Kreises bildeten, soll auch die dortige Eisenbahngeschichte betrachtet werden.

Am 29. Mai 1993 machte in Gladenbach die letzte Dampflock Station.

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Dort gab es einst zwei Bahnstrecken, die den damaligen Kreis ein weiteres Mal durchschnitten. Zum einen die Bahnstrecke von Frankenberg nach Nuttlar an der Oberen Ruhr. Vom Unterwegsbahnhof Allendorf (Eder) zweigte die Bahnstrecke nach Bad Berleburg ab. Die erstgenannte Strecke wurde abschnittsweise eröffnet. Als letzter Abschnitt wurde am 1. Dezember 1908 der Abschnitt von Winterberg nach Frankenberg in Betrieb genommen, nachdem 1902 der erste Abschnitt im Westfälischen eröffnet worden war.

Die erste Station im Kreis Biedenkopf war Bromskirchen, es folgte Osterfeld, das wieder außerhalb des Kreises lag, bevor in Allendorf wieder der Kreis Biedenkopf erreicht war. Dann folgte im Kreis noch Rennertehausen, ehe die Bahn auf ihrem Weg nach Frankenberg den Kreis wieder verlässt.

1910 wurde dann die Bahn von Allendorf nach Hatzfeld eröffnet und im nächsten Jahr bis nach Bad Berleburg in Nordrhein-Westfalen verlängert. Dadurch erhielten zusätzlich Battenfeld, Battenberg, Dodenau, Reddighausen, Holzhausen (Eder), Eifa und eben Hatzfeld selbst einen Bahnanschluss.

Strecke von Allendorf nach Hallenberg seit 1968 abgebaut

In den Fokus der Weltpolitik geriet der Bahnhof Bromskirchen Ende März 1945, als es der US-Armee gelang, im Bahnhof einen Zug mit voll funktionsfähigen V2-Raketen zu erbeuten. Dabei handelte es sich um jenen Zug der einige Tage zuvor, nach mehreren Schäden durch Tieffliegerbeschuss, im Hartenroder Tunnel Schutz gefunden hatte.

Da die Alliierten nun erstmals in den Besitz von voll funktionsfähigen V2-Raketen samt Zubehör und Bedienungsanleitung gelangt waren, wurde der Zug umgehend nach Antwerpen gebracht und die äußerst wertvolle Fracht in die USA verschifft.

Die Strecke von Allendorf über Bromskirchen bis Hallenberg - dem ersten Bahnhof in NRW - ist bereits seit 1968 abgebaut, nachdem dort 1966 der Personenverkehr und im Jahr darauf der Güterverkehr endete.

Da die genannten Orte nur bis 1932 zum Kreis gehörten soll hier eine untenstehende Skizze die Zusammenhänge genauer erläutern.

Erfolgreicher war und ist die später gebaute Strecke. Im Mai 1981 endete zwar der Personenverkehr sowie der Güterverkehr nach NRW, und dieser Abschnitt wurde wenig später abgebaut, doch war immerhin bis 1995 Güterverkehr nach Hatzfeld von Allendorf aus möglich. Selbst heute gibt es noch das etwa fünf Kilometer lange Reststück von Battenberg-Auhammer nach Allendorf.

Im Personenverkehr sind dort hin und wieder Nostalgie- oder Ausflugszüge unterwegs. Aber dieser Rest der einstigen Strecken von Battenberg-Auhammer über Allendorf nach Frankenberg konnte sich nur wegen des Güterverkehrs halten.

Es gibt dort noch mehrere Güterkunden: In Battenberg wird Holz verladen, in Allendorf wird eine Gas-Entladestation versorgt, daneben gibt es noch weitere zurzeit allerdings ungenutzte Gleisanschlüsse. Dieser Streckenrest gehört zum Netz der Kurhessenbahn, und in Frankenberg besteht Anschluss in Richtung Wetter und Marburg.

von Stefan Runzheimer

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