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Bornsbach-Wasser sorgt für Dampf

Serie Eisenbahn im Hinterland, Teil 14 Bornsbach-Wasser sorgt für Dampf

Serie „Die Eisenbahn im Hinterland“, Teil 14 · Loks wurden in Gladenbach mit Wasser aus Bächen betankt. Der heute verfallene Lokschuppen war mit den dazugehörigen Anlagen über Jahrzehnte das Rückgrat des Verkehrs auf der Aar-Salzböde-Bahn.

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Das Gelände um den Lokschuppen heute: Im Vordergrund ragen Schienenprofile aus dem Boden. Zwischen den Schieneprofilen wurden Bohlen eingelassen. Diese Kostruktion bildete die Außenwand des Kohlenbansen. Das kleine Tor rechts am Lokschuppen ist das Tor zur früheren Bahnbusgarage. Auf dem Dach des Lokschuppens erkennt man noch einen der vier Rauchabzüge für die Dampfloks.

Quelle: Hartmut Berge

Gladenbach. Im Laufe der Serie wurde schon am Beispiel des Betriebswerkes (Bw) Marburg erläutert, was ein Bahnbetriebswerk ist. Die nächst kleineren Organisationeinheiten waren über Jahrzehnte die so genannten Lokbahnhöfe. Im Hinterland gab es solche in Gönnern und Gladenbach.

Nachdem die Aar-Salzböde-Bahn seit 1894 Niederwalgern mit Weidenhausen verband, endete der letzte Zug des Tages immer in Weidenhausen, und morgens begann dort der erste Zug des Tages. Als die Strecke 1902 bis Herborn durchgehend befahrbar war, wurden auch die Bahnanlagen in Gladenbach für den nun erheblich gestiegenen Gesamtverkehr erweitert.

Gladenbach hatte einen Full-Service-Lokschuppen

So entstand in Gladenbach auch ein Lokschuppen, welcher damals Platz für vier Dampfloks bot. Für die tägliche Versorgung der Loks mit Betriebsstoffen und für kleinere Unterhaltsarbeiten war dort alles vorhanden. So gab es Untersuchungsgruben, um die Loks von unten kontrollieren und schmieren zu können, Gruben um die Schlacke zu entfernen, einen Wasserturm und zwei Wasserkräne, eine Bekohlungsanlage sowie eine große Ausstattung an Werkzeugen und kleinere Werkstätten für Unterhaltsarbeiten.

Der Lokbahnhof Gladenbach war bis Mitte der 1920er-Jahre dem Bw Gießen zugeordnet und danach dem Bw Dillenburg.

Wasser kam direkt aus dem Bornsbach

Das Wasser war – im Gegensatz zu Gönnern – kein Wasser aus einem beim Bahnbau extra errichteten Hochbehälter, sondern Wasser aus dem Bornsbach. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde eine neue Wasserversorgung aus der Salzböde gebaut, weil man sich dort Wasser von besserer Qualität versprach. Dies dürfte wohl auf einen Mangel an Wasseraufbereitungsmitteln während des Krieges zurückzuführen sein. Die Bekohlungsanlage bestand aus einer gemauerten kleinen Ladebühne, auf der zwei kleine Kräne mit je 1,5 Tonnen Tragkraft installiert waren. Sie hoben die zuvor von Hand beladenen Kohlehunte über die Vorratsbehälter der Lok, wo sie entlehrt wurden. Rechts und links vom Turm gab es die entsprechenden Kohlebansen, wo die Kohle lagerte und die Hunte beladen werden konnten.

Zu ersten einschneidenden Umbauten kam es als die Schienenbusse und eine Bahnbuslinie eingeführt wurden. An den Lokschuppen wurde deshalb eine Bahnbusgarage angebaut. Damit der Bus diese Garage erreichen konnte, wurde der kleinere Kohlebansen, der sich links von der Ladebühne befand, entfernt. Dies war kein Problem, da die Schienenbusse Leistungen von Dampfloks übernahmen und dadurch weniger Kohle verbraucht wurde.

Nachdem im April 1972 endgültig die letzten Dampfloks von der Strecke verschwanden, wurden die Anlagen in dem schon zuvor zur Außenstelle des Bw Dillenburg degradierten ehemaligen Lokbahnhof überflüssig. Die Wasserkräne und die Bekohlungsanlagen verschwanden, ebenso wie die Schlackegruben vor dem Lokschuppen. Der Lokschuppen wurde, wenn überhaupt, nur noch für das Abstellen von Dieselloks genutzt.

Da es aber im Bahnhof genug Abstellmöglichkeiten gab, wurde der Lokschuppen schon viele Jahre vor der Betriebseinstellung an einen Gladenbacher Bauunternehmer verkauft, der ihn etliche Jahre als Lager nutzte.

von Stefan Runzheimer

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