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„Wir verwüsten keine Hotelzimmer“

Einer von hier „Wir verwüsten keine Hotelzimmer“

Wenn im Radio derzeit das Lied „Still“ von Jupiter Jones rauf und runter gespielt wird, ist auch ein Marburger zu hören. Andreas Becker ist der Bassist der Band.

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Seit Anfang Mai lebt Andreas Becker zwar in Hamburg, doch nach Marburg kommt der Bassist von Jupiter Jones trotzdem noch regelmäßig.

Quelle: Steffi Müller

Marburg. Wie es sich für einen Rockmusiker gehört, erscheint Andreas Becker eine Viertelstunde zu spät zum vereinbarten Termin. Doch das ist auch schon das einzige Klischee, dass der 29-Jährige erfüllt. Arroganz, Eitelkeit und übertriebene Coolness sucht man bei ihm vergeblich. Und die Verspätung kündigt er rechtzeitig per SMS an. Etwas außer Atem kommt er schließlich am Marktplatz an – er ist die Treppe am Rathaus hoch gelaufen. „Ich habe überhaupt keine Kondition mehr“, erzählt er. „Ich muss unbedingt wieder anfangen zu joggen.“

Wenn es nicht so langweilig klänge, würde man Becker als „ganz normal“ bezeichnen. Von Freunden und Bandkollegen wird er einfach Becks genannt – „das kommt aber einfach nur von meinem Nachnamen und hat nichts mit meinen Vorlieben in Sachen Bier zu tun“, erzählt er mit einem Grinsen.

Seit Ende 2008 ist Becker Bassist bei Jupiter Jones. Wie es dazu kam? „Ich habe in Marburg in der Band Sonar gespielt, und 2007 waren wir die Vorband von Jupiter Jones. Als bei denen dann Ende 2008 der Bassist ausstieg, war das meine Chance“, erzählt Becker. „Mit Sonar lief es nicht mehr richtig, wir haben uns noch nicht mal mehr zum Proben getroffen. Ich wollte aber unbedingt weiter Musik machen. Also habe ich einfach mal bei Sascha, dem Gitarristen und Manager von Jupiter Jones, angerufen.“ Becker spielte zehn Minuten vor – „dann war alles klar und wir haben ein Bier zusammen getrunken.“

Anfang Mai zog Becker nach Hamburg. Vorher wohnte er zwei Jahre in seinem Heimatort Caldern und acht Jahre in Marburg. In Biedenkopf machte er Abitur, in Marburg studierte er Politik und Deutsch auf Lehramt. Zur Musik kam er eher zufällig. „Als Kind habe ich mal auf dem Keyboard rumgeklimpert, aber das war es.“ In seinem letzten Schuljahr nahm er ein paar Bass-Stunden und durfte in der Schulband mitspielen. „Das war eine Punkrock-Band, da konnte man auch ohne viel Können einfach drauflos spielen.“

Heute kann er von der Musik leben. „Im Moment ist das genau das Richtige für mich. Wenn es irgendwann nicht mehr so laufen sollte, und ich tatsächlich Lehrer werden müsste, würde ich das alles schon vermissen.“ Und das, obwohl sein Leben kaum etwas mit den gängigen Vorstellungen von einem Rockstar-Leben zu tun hat. „Wenn ich in Hamburg bin, muss ich um neun Uhr bei Manager Sascha zum Bürodienst antreten – Buchhaltung“, erzählt er. Und auch sonst klingt das, was er erzählt, recht unspektakulär. Sex, Drugs and Rock‘n‘Roll? – Fehlanzeige. „Die anderen Bandmitglieder sind schon Mitte 30, die vertragen nicht mehr so viel Alkohol“, sagt Becker grinsend. „Wir verwüsten auch keine Hotelzimmer, wir räumen eher noch auf, bevor wir gehen.“

Auch wenn sein Leben vor allem in Hamburg, auf Tour oder im Studio stattfindet – nach Marburg kommt Becker trotzdem regelmäßig. „Meine Familie wohnt in Caldern und meine Freundin in Marburg“, erzählt er. Am liebsten trifft er sich mit Freunden im Frazzkeller, im Sudhaus oder im Hinkelstein. Marburg wird er also auch in Zukunft treu bleiben. Er kann sich sogar vorstellen, wieder hierher zu ziehen. „Vielleicht, wenn ich irgendwann daran denke, eine Familie zu gründen.“

von Maren Schultz

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