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Vom Scheitern und wieder Aufstehen

Einer von hier Vom Scheitern und wieder Aufstehen

Wenn er von einer Sache überzeugt ist, dann ist er auch bereit ein hohes Risiko einzugehen. Seine Leidenschaft ist der Film. Und das Filmen lässt ihn nicht los. Malte Wirtz ist Regisseur und „Einer von hier“

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Kreativer Kopf in Berlin: Malte Wirtz

Quelle: Privat

Marburg. Ob er verrückt geworden sei, haben sie gefragt. Freunde und Familie haben ihn ausdrücklich gewarnt. Warum Berlin? Und warum so plötzlich? So ganz ohne ein festes Engagement. Doch sein Entschluss stand fest. Nun lebt Regisseur Malte Wirtz schon anderthalb Jahre an der Spree und ist begeistert von der „wahnsinnigen Energie in der Stadt“. So viel Potenzial, so viele Leute, die schnell bei einem neuen Projekt dabei seien. Eine kreative Welt in die Wirtz eintaucht.

In Burghausen hatte man ihm noch gesagt, er sei gekommen, um zu gehen. Das war nach dem Abi am Philippinum und dem Zivi in Köln. Dort, im tiefsten Bayern nahe der österreichischen Grenze, studierte er Regie und Theaterwissenschaft. Dass die bayerische Provinz ihm keine Arbeitsperspektive geben würde, stand recht früh fest und war auch für die Dozenten vor Ort an der „Akademie für Darstellende Kunst“ klar. Seine Leidenschaft für den Film befriedigte Wirtz in dieser Zeit auch dadurch, dass er in einem Kino jobbte.

Mit Mitte 20, nach dem Abschluss in Burghausen, zog er mit Freunden nach Köln in eine WG. Für Wirtz folgte nun eine Art Orientierungsphase: erarbeitet für das Junge Theater Leverkusen, war Kabelträger beim WDR, ein Praktikum folgte auf das Nächste. Zwischendrin gründete er mit Bekannten das „Paul-Hinze-Kollektiv“. Ein Zusammenschluss von acht Menschen mit verschiedensten Fähigkeiten: Schauspieler, Musiker, Kameraleute. In der Folge entstanden Kurzfilme, Musikvideos, Theaterstücke. Eine produktive Zeit für alle Beteiligten. Der Nachteil: „Wir haben wirklich coole Sachen gemacht, aber leider damit kaum Geld verdient“, blickt Wirtz zurück.

Das Porträt einer ganzer Generation

Im Spätsommer 2013 kam dann die Idee zu einem Film. „Ich habe eine Woche fast Tag und Nacht an dem Drehbuch geschrieben“, sagt der 37-Jährige. Nach ersten Leseproben und weiteren Feinarbeiten, sei eine Liebeskomödie entstanden. Darin geht es um fünf junge Menschen, die sich bei einem Casting kennenlernen, das für alle Beteiligten in einem Desaster endet. Im Mittelpunkt stehen dabei drei Jungs und zwei Mädchen, die sich verlieben, wieder trennen und immer auf der Suche nach dem Besonderen in ihrem Leben sind. Weder bei den beiden Freundinnen Paula und Louise noch bei Max, Donnie und Randolf läuft es so, wie sie es sich vorstellen. Paula verliebt sich beim Vorsprechen in Max, während Donnie sich für Louise interessiert.

„Voll Paula“ sei auch somit auch eine Art Porträt seiner Generation geworden, sagt Wirtz. „Die fehlende Orientierung ist ja für viele ein verbindendes Element. Das Scheitern gehört dazu“, sagt Wirtz.

Und auch der Regisseur selbst scheiterte Mitten in den Dreharbeiten. Noch am Set ereilte ihn die Absage der Filmförderung für eine finanzielle Unterstützung des Projekts „Voll Paula“. Ein herber Rückschlag für den gebürtigen Marburger. Da die Dreharbeiten aber schon fortgeschritten waren, wollte Wirtz den Film unbedingt zu Ende bringen. Als Konsequenz bedeutet das, dass er selbst für viele Kosten aufkommen musste. „Es waren ja alle motiviert weiterzumachen. Deshalb habe ich meine Kohle dann da reingeschmissen“, sagt Wirtz. Dennoch habe es Einschränkungen bei der Produktion gegeben, die den Film aber im Nachhinein einen „besonderen Charme“ verleihen, wie Wirtz meint.

Wenn der junge Filmemacher über diese Zeit spricht, dann geht es auch irgendwann um seine Einstellung zum Beruf. Klar möchte er auch erfolgreich sein und Geld verdienen, jedoch steht der „Spaß am Filmdreh“ noch immer im Mittelpunkt. Das Hauptmotiv bleibt seine Leidenschaft für die Welt des Zelluloids. Im Moment wird die Gefühlswelt von Malte Wirtz jedoch von Vorfreude bestimmt, denn sein Film feiert am kommenden Montag (21. September) in Marburg Vorpremiere. „Wir alle haben Monate und Jahre daraufhin gearbeitet. Im Moment freuen wir uns einfach alle auf den Tag“, sagt Wirtz.

von Dennis Siepmann

Einer von hier

Name:
Malte Wirtz

Geboren:
1979 in Marburg

Schule:
Philippinum

Was macht er jetzt?
Regisseur, Cutter und Editor

Kommt er noch vorbei?
Ja. Ein, zwei Mal im Jahr besucht er seine alte Heimat und seine Mutter, die noch in Marburg wohnt.

O-Ton:
„Ich habe einige Erfahrung im Scheitern. Deswegen interessieren mich wahrscheinlich auch genau die Leute bei denen nicht alles glatt läuft.

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