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Verknallt in Berlin - Marburg im Herzen

Serie "Eine(r) von hier" Verknallt in Berlin - Marburg im Herzen

Gesegnet mit Talent lernte sie schnell die harten Seiten ihres Jobs kennen. Einer Berufung, die ihr bis heute viele Tränen abverlangte. Doch die größte Aufgabe hat Sanam Afrashteh gerade erst angenommen.

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Immer unter Strom: Sanam Afrashteh hat keine Zeit „breitarschig“ zu werden, wie sie sagt. Ihre kleine Tochter und berufliche Projekte halten die Schauspielerin ständig auf Trab.

Quelle: Stefan Klüter

Marburg. „Jede Rolle will erobert werden“ - eigentlich hält Sanam Afrashteh gerade eine glühende Rede auf ihren Beruf als Schauspielerin. Sie spricht darüber, wie es ist, sich zu verwandeln - eine andere Person zu werden. Sie spricht von Herzblut und von Leidenschaft. Dieser erste Satz gewinnt jedoch noch viel mehr Bedeutung, wenn man ihn in einem anderen Kontext betrachtet. Denn die wichtigsten Rollen, die es zu erobern gilt, werden nicht von Castingagenturen, Regisseuren oder Produktionsfirmen vergeben, sondern vom Leben selbst. Der Beweis dafür ist kaum zwei Jahre alt und liegt während des Gesprächs einen Raum weiter in tiefem Schlaf.

Mutter sein ist „aufregend und schön, aber auch anstrengend“, sagt die 38-Jährige. Alles muss durchorganisiert sein: „Ich fühle mich fast wie ein Logistikunternehmen“, sagt die Wahl-Berlinerin. Das fange beim Pendeln zur Arbeit an und setze sich beim Freischaufeln der Zeit für Freund und Töchterchen fort. Im Terminplaner sind acht bis zehn Drehtage pro Monat in Erfurt angesetzt. Hier entsteht seit Anfang des Jahres die ARD-Serie „In aller Freundschaft - die jungen Ärzte“. „Ein Glücksfall“, wie Sanam Afrashteh sagt. Schon immer habe sie den Wunsch gehabt, einmal eine Ärztin zu spielen, obwohl sie selbst kein Blut sehen kann. Das Team vor Ort sei „extrem harmonisch“ und „unglaublich offen“ - eine Atmosphäre, die es der jungen Mutter einfach macht, die regelmäßigen Fahrten nach Erfurt auf sich zu nehmen.

Tränen am Mikrophon

Das Fernsehformat hat auch bei den Zuschauern Eindruck hinterlassen. Auf einem „schwierigen Sendeplatz“ im Vorabendprogramm habe man gute Einschaltquoten erzielt, sagt Afrashteh. Eine Staffel mit 42 weiteren Folgen wurde erst vor kurzem bewilligt. Die „jungen Ärzte“ sind jedoch nur eines von vielen Projekten der gebürtigen Marburgerin. Neben weiteren Auftritten im Fernsehen, wie etwa bei der Sendung „Löwenzahn“, ist sie nun auch als Synchronsprecherin tätig. Es sei eine harte Schule gewesen, durch die sie dabei gehen musste. Nicht selten sei es vorgekommen, dass sie am Mikrophon in Tränen ausbrach, weil es auch nach der zehnten Wiederholung nicht so klappte, wie sie es sich vorstellte oder der Regisseur wollte. Über die Jahre sei sie viel ruhiger und gelassener geworden.

„Ich bin immer noch verknallt in Berlin“, sagt sie und wird dennoch nostalgisch beim Gedanken an Marburg. „Man kann die Heimat schließlich nicht einfach so von der Landkarte streichen.“ 14 Jahre wohnt sie nun schon in Kreuzberg, ist glücklich dort und doch flackern ihre Augen kurz, sobald mal ein Auto mit dem MR-Kennzeichen vorüber fährt. „Ich denke immer, vielleicht kenne ich den Fahrer ja und muss dann lachen, weil das ja Blödsinn ist.“

Keine familiäre Prägung

In Marburg legte sie während ihrer Oberstufenzeit an der Martin-Luther-Schule den Grundstein für ihre spätere Karriere vor der Kamera. Es war Mitte der 90er als Lehrer Wolfgang Tichy seinen Faible für Kunst und Theater in einer neu gegründeten AG zu vermitteln suchte. „Ich kann heute gar nicht mehr sagen, was mich damals eigentlich dahin gebracht hat“, erklärt Afrashteh. Schließlich habe sie niemals etwas mit Theater am „Hut gehabt“, keine familiäre Prägung oder dergleichen.

Lehrer Tichy erkennt jedoch früh das große Talent der jungen Marburgerin und knüpft für sie weitere Kontakte zum Hessischen Landestheater. Nach einem erfolgreichen Vorsprechen spielte sie dort gleich eine Hauptrolle in dem Stück „Die Welle“ und agierte bis zum Abitur 1996 in fünf weiteren Aufführungen mit. Das professionelle Umfeld offenbarte aber auch die harten Gegebenheiten, die sich hinter dem Traumberuf Schauspieler verbergen. „Ich habe in dieser Zeit die realistische Seite des Theaters kennengelernt“, sagt Afrashteh. Mit dem Abitur im Jahr 1996 stand für die junge Marburgerin endgültig fest, dass sie einmal vor der Kamera stehen möchte. Unter 1400 Bewerbern ergatterte sie 1997 einen von nur 20 Plätzen an der Theater-Hochschule in Leipzig. Von da an führte der Weg von Bühne zu Bühne, über kleinere und größere Rückschläge bis hin zum heutigen Tag. „Ich fühle mich im Moment einfach extrem glücklich“, sagt sie.

von Dennis Siepmann

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