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Reporterin im Finanz-Krisengebiet

„Eine(r) von hier“ Reporterin im Finanz-Krisengebiet

Sina Mainitz wollte eigentlich Apothekerin werden. Stattdessen berichtet sie jeden Tag für das ZDF von der Börse. Die gebürtige Marburgerin ist „Eine von hier“.

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Sina Mainitz liebt es, in ihrer Heimatstadt Marburg abzuschalten und neue Kraft zu tanken.

Quelle: Schulz

Marburg. Eigentlich ist Sina Mainitz in ihrem Traumberuf angekommen. Nur vergisst sie das mindestens einmal am Tag. Dann nämlich, wenn ihr Wecker sie um 4:50 Uhr aus dem Schlaf reißt.

Aufstehen, Zähne putzen, duschen. Alles im Halbschlaf. Zum Fönen bleibt keine Zeit, die dicken schwarzen Haare müssen eben im Auto trocknen. Heizungsluft und Musik aufgedreht – ab geht es nach Frankfurt. Zur Börse. Dort nämlich arbeitet Sina Mainitz.

Seit 2008 präsentiert sie die Börsennachrichten im ZDF. Sie nahm ihre Arbeit auf, kurz bevor die Finanzkrise die Welt verändern sollte. Keine angenehme Arbeitsstimmung, die auf die 34-Jährige tagtäglich wartet. Und dennoch liebt sie ihren Beruf. „Ich bin mit der Absicht hier hin gegangen, den Menschen, die nichts mit Wirtschaft am Hut haben, das alles zu erklären“, fasst sie zusammen. Und das tut sie – immer und immer wieder. In einfacher Sprache, mit der nötigen kritischen Distanz, Enthusiasmus und fundiertem Hintergrundwissen.

Sina Mainitz zieht die Blicke auf sich. Groß ist sie, schlank ist sie, ein bisschen südländisch wirkt sie mit ihren langen schwarzen Haaren und ihren dunklen Augen. Sie hat das, was in der Medienbranche „Kameragesicht“ genannt wird. Und sie hat das, was allgemein als „Biss“ bezeichnet wird. Sie will alles wissen, alles verstehen, alles hinterfragen.

Morgens, wenn sie in ihrem Büro ankommt, informiert sich Sina Mainitz erst einmal über die aktuellen Entwicklungen an der Börse.

Dann folgen Expertengespräche, das Verfassen des Moderationstextes und der Gang in die Maske. Schminken muss sie sich allein. Kein Luxus, kein Glamour, dafür aber immer Zeitdruck. Hier eine Live-Schalte im Morgenmagazin, dort eine kurzes Analysegespräch für den Sender Phoenix.

Wenn Sina Mainitz nachmittags wieder nach Hause, in ihre Wohnung nach Wiesbaden fährt, weiß sie: Für ihren Beruf, ihr Leben, das sie mit Freunden und Familie teilt, ist sie dankbar. Manchmal, wenn sie wieder im Stau steht und ihre Gedanken kreisen, da stellt sie sich die berühmten „Was-wäre-wenn-Fragen.“ 

Was wäre gewesen, wenn sie nicht ihr Studium der Pharmazie in Marburg nach fünf Semestern abgebrochen hätte? Was wäre, wenn sie nicht auf ihren besten Freund gehört hätte, der schon nach wenigen Wochen Studiendasein zu ihr sagte „Sina, du musst das hier abbrechen?“ Was wäre gewesen, wenn sie nicht den Mut aufgebracht hätte, ihren Eltern zu beichten, dass ihre ehrgeizige, zielstrebige Sina plötzlich feststellen musste, dass sie einen ganz anderen Weg einschlagen möchte? 

Dass sie lieber BWL und Journalismus an der Berufsakademie Ravensburg studieren, statt sich mit einem weißen Kittel ins Labor stellen will. Dass sie lieber beim ZDF ein Trainee-Programm absolvieren will als in einer Apotheke zu stehen. „Ich habe gelernt, dass Brüche im Leben einen weiterkommen lassen.

“Wenn sie heute durch Marburg geht und ihre alten Lehrer vom Landschulheim Steinmühle trifft, dann hört sie nicht selten den Satz „Sina, das passt viel besser zu dir.“ Und dann erinnert sie sich wieder an ihre Schulzeit in Marburg. „Die Jahre an der Steinmühle würde ich immer wieder erleben wollen“, schwärmt sie. 

Freunde, Freizeit, Unbeschwertheit – das ist es, was Marburg auch heute noch für sie ausmacht. Der Glühwein im Winter mit den Freunden aus der Jugendzeit – ein Muss für die 34-Jährige. Ebenso wie im Sommer schwimmen im Niederweimarer See. Marburg, das ist für Sina Mainitz ein Ort der Erinnerungen. Ein Ort, an dem sie  immer Kind sein kann. Hier ist sie „Sina“, das Mädchen von nebenan. Nicht „Frau Mainitz“, die tagtäglich die Entwicklungen an der Börse erklärt.

Fragt man die 34-Jährige, was sie in den vergangenen Jahren gelernt hat, dann lächelt sie verschmitzt und erklärt „Es gibt auch noch ein Leben neben der Börse“. Denn so wie ein Arzt in seiner Freizeit keine Diagnosen stellen will, möchte sie  auf einer Party auch keine Anlegertipps geben.

Aktien besitzt Sina Mainitz keine. Sie setzt lieber auf Dinge, die einen konstant hohen Wert haben: Gute Freunde und eine enge Beziehung zur Familie. „Das ist ein sehr eitler Beruf. Ich bin froh Menschen zu haben, die mich erden. Man sollte sich einfach nicht zu ernst nehmen“. Und während sie diesen Satz ausspricht, wechselt sie von sächsisch ins Schwäbische, vom Bayrischen ins Hessische. So ist sie: Seriös, tiefgründig, lebensfroh. Die richtige Frau für die Börse eben.  

von Marie Lisa Schulz

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