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Rapper Credibil: Traumfänger und Weltverbesserer

"Einer von hier" Rapper Credibil: Traumfänger und Weltverbesserer

Ein in Marburg geborener Rapper macht derzeit Anstalten, die deutsche HipHop-Welt zu revolutionieren: Credibil will die Welt verbessern, seine eigenen Träume einfangen und andere von schlechten Träumen fernhalten.

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Inszeniert sein erstes eigenes Album als Theaterstück: Rapper Credibil. Der gebürtige Marburger zog im Alter von 15 Jahren mit seiner Mutter nach Frankfurt um.

Quelle: Medienagentur famefabrik

Frankfurt. „Ich bau‘ meinen Weg, jedes Sandkorn zählt, alles kein Problem, ganz im Handumdreh‘n“, rappt Credibil, in einem seiner Songs. Sandkorn für Sandkorn hat der 21-Jährige bisher aufeinander gelegt, Schritt für Schritt sich seinen Weg gebahnt – den Weg hinein in die deutsche Rap-Szene. An die Spitze kommen? Ja, warum nicht? Aber immer der Reihe nach. Nun ist sein erstes eigenes Album erschienen – und wird von Musik-Kennern und Rap-Größen hochgelobt. Credibil dagegen wirkt eher bescheiden, wenn er von sich, seinem Leben und Träumen erzählt.

„Ich bau‘ meinen Weg, jedes Sandkorn zählt, alles kein Problem, ganz im Handumdreh‘n“, singt der 21-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Erol heißt. Er erzählt in diesem Song von seiner Kindheit in Marburg, wie er mit dem Dreirad durch die Kleinstadt fuhr, durch den Rollwiesenweg und die Schanze. Dort ist er groß geworden und mit neun Jahren zum ersten Mal in Kontakt mit dem Rap gekommen. Im Fernsehen schaut er die Videos von Bushido, Azad und Kool Savas, ist fasziniert von den Musikern, berührt von den Liedern und beginnt selbst zu texten.

Mit 14 Jahren erstmals aufgetreten

„Mit elf Jahren habe ich mein erstes Lied geschrieben“, berichtet er: Und den Schulkameraden vorgerappt. Mit 14 folgt der erste Auftritt, mit 15 ein großer Einschnitt im Leben. „Meine Eltern ließen sich scheiden und ich zog mit meiner Mutter zu deren neuem Freund nach Frankfurt“, erinnert sich der Musiker. Die Freunde ließ er zurück. „Das war einerseits hart, andererseits aber auch aufregend“, erzählt er. Im Stadtteil Bockenheim wächst er auf, in Rödelheim geht er zur Schule, im Bahnhofsviertel, wo der Stiefvater arbeitet, kommt er des Öfteren in Kontakt mit der Polizei.

„Ich bau‘ meinen Weg, jedes Sandkorn zählt, alles kein Problem, ganz im Handumdreh‘n“ – Das nächste Sandkorn für Credibil ist das Fach-Abitur. Dazu hat ihn seine Mutter ermutigt. Anschließend trifft er den Entschluss, sich der Musik zu widmen. 2012 lädt er auf der Internet-Plattform YouTube mehrere Videos hoch. A-capella-Stücke sind es, in denen der junge Mann irgendwie poetisch und doch voller Wut erklärt, woher er kommt und wohin er will.  Sein großes Vorbild, der Rapper Kool Savas, sieht die Videos, teilt sie im sozialen Netzwerk Facebook mit den Worten: „Deutsch-Raps Zukunft“.

2013 veröffentlichte er die erste EP

Ein Ritterschlag und zugleich ein weiteres Sandkorn für Credibils Weg. 2013 veröffentlichte der gebürtige Marburger schließlich die erste EP (die Sonderform einer Single-Veröffentlichung, die länger ist als eine Single, aber kürzer als ein Album), 2014 folgt die zweite – und nun im Oktober 2015 das erste eigene Album „Renæssance“. 16 Titel sind drauf, unterbrochen von drei A-capella-Stücken, die das Werk in drei Akte gliedern. „Es ist die Geschichte eines Jungen, der sich zu einem Superhelden auserkoren fühlt“, erklärt Credibil das Thema des Albums.

Erzählt werden in den Liedern Geschichten, die das Leben schreibt. Von der eigenen Kindheit und Jugend in Marburg, von den Jungs aus dem Viertel, die sich dem IS anschlossen, vom Stiefvater und den verlorenen Seelen in der Taunusstraße. Geschichten aus seinem Leben eben.

Der junge Musiker baut weiter seinen Weg

„Ich bau‘ meinen Weg, jedes Sandkorn zählt, alles kein Problem, ganz im Handumdreh‘n“ – getreu diesem Motto setzt der 21-Jährige nach und nach seine eigenen Träume um. „Ich möchte den Leuten mit meinen Songs mitgeben, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Ich will Traumfänger sein, aber nicht nur meine eigenen Träume fangen, sondern auch andere von bösen fernhalten“, sagt er und klingt dabei irgendwie poetisch. Sowieso ist Rap ja eigentlich nur die Abkürzung für „rhythm and poesie“ und Credibil ein starker Verfechter eben dieser Aussage: „Wenn ein Lied keine Poesie hat, ist es für mich kein Lied“, betont er und erklärt: „Das ist wie mit einem Buch. Sind die Seiten leer, ist es kein gutes Buch.“

Also baut der junge Musiker weiter seinen Weg nach seiner ganz eigenen Sandkorn-Philosophie. „Bis jetzt sind alle meine Kindheitsträume in Erfüllung gegangen“, beschreibt er: „Ich weiß noch wie ich an der Schanze in Marburg saß und geträumt habe, einmal im Leben Kool Savas zu treffen. Jetzt schreiben wir uns an Feiertagen gegenseitig Glückwünsche. Das ist unglaublich.“ Als weitere Träume und Ziele in seinem Leben nennt der 21-Jährige folgendes: musikalisch erfolgreicher werden, einen Gastronomiebetrieb – etwa eine Shisha-Bar – in Marburg eröffnen und sich selbst weitertragen.

Stadt Marburg hat ihn nachhaltig geprägt

„Einer meiner größten Träume? Im ausverkauften Marburger Schlosspark ein Open-Air-Konzert geben“, sagt der Rapper und grüßt an dieser Stelle „den Herrn Eismann von der Marburger Gerhard-Hauptmann-Schule“. Denn der „hat, als ich noch ein Kind war, mit seiner Band einmal im Schlosspark gespielt und das hat einen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen“, erläutert er.

Nachhaltig geprägt hat ihn auch die Stadt Marburg. Nicht so schnell und nicht so laut wie Frankfurt sei die Stadt an der Lahn. Eher gemütlich, schön und freundlich. Gerne kommt er noch her, vor allem, um seinen besten Freund zu besuchen oder einer alten Nachbarin auf der Schanze im Vorbeifahren zuzuwinken. „Ich bau‘ wie aus Lehm, bis die Sandburg steht. Mama schon okay, auch wenn Sandformen fehl‘n.“

von Katharina Kaufmann-Hirsch

Einer von hier
Name:
Credibil
Geboren:
5. März 1994
Schule:
Emil-von-Behring-Schule in Marburg, Gutenberg-Schule in Frankfurt
Was macht er jetzt?
Rapper
Kommt er noch vorbei?
Ja, ziemlich regelmäßig, um seinen besten Freund zu besuchen.
O-Ton:
„Vielleicht komme ich ja als alter Opa wieder nach Marburg zurück, wohne in einem kleinen Häuschen und genieße das Leben.“
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