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Musik kennt keine Sprachbarrieren

Einer von hier Musik kennt keine Sprachbarrieren

Eigentlich wollte er mit seiner Gitarre Mädchen beeindrucken. 14 Jahre war er damals alt. Jetzt begeistert er Musikkenner in der ganzen Welt. Sven Kühbauch ist Gitarrist, Buchautor und „Einer von hier“.

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Quelle: Privatbild

Marburg.  Schuld, dass Sven Kühbauch mit der Gitarre um die ganze Welt reist, sind seine Konfirmationsgäste. Wie gut, dass sie ihm nicht nur Geld in den Umschlag steckten, sondern auch Herzensgeschenke machten. So reichte sein Erspartes nicht, um sich, wie geplant,  einen Bass zu kaufen. Und ob ihn ein Instrument mit nur vier Saiten so lange hätte faszinieren können? Sven Kühbauch wagt es zu bezweifeln. Aber so reichte es eben nur für eine Gitarre und einen kleinen Verstärker. „Wir waren fünf Kumpels und dachten uns einfach, dass es cool wäre eine Band zu gründen.“ Dass keiner von ihnen bis dahin ein Instrument spielte – Nebensache. Hauptsache den Mädchen gefällt es. Der Plan ging auf, die Mädchen waren beeindruckt. Nicht so sehr, wie der Musiker selbst. Für ihn erschloss sich eine ganz neue, eine aufregende Welt. Eine Welt, in der Worte an Bedeutung verlieren und Sprachgrenzen verschwinden. In der die Musik Ausdruck von Freude, Aufregung, Trauer, Wut oder Leichtigkeit sein kann. Jahre, nachdem er von seinem Konfirmationsgeld die erste Gitarre bezahlte, sollte er mit dem Instrument Geld verdienen. Als Gitarrenlehrer. Und als Kulturverständiger. Für das Auswärtige Amt und in Zusammenarbeit mit dem Goetheinstitut reiste er durch die ganze Welt. Trat in Asien und Lateinamerika auf – immer an der Seite lokaler Musikgrößen. Ihre gemeinsame Sprache ist die Musik. Die Stücke, die sie spielen, sind von Land zu Land verschieden, die Botschaft immer die gleiche: Musik verbindet, Musik überwindet Grenzen und Vorurteile. „Ich kann durch Musik sprechen. Dann mache ich einfach die Augen zu und spiele. Ich versuche, Gefühle und Eindrücke mit Musik auszudrücken“, so der 37-Jährige.

Unterrichten ist seine Leidenschaft

Die Jazz- und Rockschule in Freiburg schloss er als jahrgangsbester Gitarrist ab. Danach kam die Frage: Was nun? Wo leben? Wie das gesammelte Wissen über die Musik nutzen und weitergeben? „Freiburg ist eine schöne Falle. Da sind alle gut gelaunt. Das ist so eine richtige Kuckucksuhr-Idylle“, fasst Sven Kühbauch zusammen. Ein Paradies für Menschen, die ihren Ruhestand genießen wollen. Aber auch Paradies für einen jungen Musiker? Wohl kaum. Er zog um nach Bonn. Zu seiner Freundin. Heute hat das Paar eine gemeinsame Tochter. „Als Musiker kann ich von überall arbeiten.“
Und das macht er. Er übernimmt die musikalischen Vertonung von Hörbüchern und hat sich als Solokünstler in der ganzen Welt einen Namen gemacht. Sein jüngstes Album „Acoustic Holiday“ erhielt weltweit gute Kritiken. Seine wahre Leidenschaft aber – das ist das Unterrichten von Schülern. Von jungen Menschen, die genauso begeistert von der Sprache der Musik sind, wie er. Eines haben ihn seine Schüler schnell gelehrt: hinsetzen und gemeinsam Akkorde klimpern – das funktioniert nicht. Kinder verlangen mehr: Spaß am Lernen. Und das bitte über die Unterrichtsstunde hinaus. Als technisch interessierter Musiker kam ihm eine Idee: wieso nicht ein interaktives Lehrbuch herausbringen. Eines, durch das sich die Schüler durcharbeiten müssen. Gemeinsam mit dem kleinen Piraten erleben sie große Abenteuer. Am Ende jedes Kapitels warten Quizfragen, die es zu lösen gilt. Lehrvideos runden das Angebot ab. Die multimediale Gitarrenschule kann bisher nur im
iTunes-Store geladen werden. Läuft also nur auf Apple-Produkten. „Bevor ich das Angebot hochgeladen habe, habe ich es über drei Jahre hinweg selbst mit meinen Schülern im Unterricht getestet.“ Die jungen Musiker, sie sind seine wohl größten Kritiker. Zu kindisch, zu einfach, zu kompliziert – haben sie immer wieder geurteilt. Und Sven Kühbauch hat nachgearbeitet. Ideen verworfen. Neue entwickelt. „Ich bin ein Perfektionist. Es muss alles 100 Prozent sein.“

"Marburg inspiriert"

Für die, denen der Pirat zu kindisch ist, hat Sven Kühbauch drei weitere iBooks entwickelt. In Englisch, Deutsch und Spanisch stehen sie in 52 Ländern zum Download bereit. Rückmeldung gibt es schon aus der ganzen Welt. „Das ist eine ganz neue Dimension. Plötzlich schalten sich Menschen aus Kulumbien und Japan ein“, sagt er.
Bereist hat er die ganze Welt – Zuhause, so versichert der als Svenson bekannte Künstler, ist er allerdings in Hessen. „Ich lebe derzeit in Bonn im Exil.“ Im Landkreis ist er aufgewachsen. Hier wurde und hat er geprägt. Die Musikszene beispielsweise.
Nach ein paar Bier im Quodlibet beschloss er 2003, gemeinsam mit Freunden die erste Marburger Gitarrennacht zu organisieren. Eine Aktion, die auch nach seinem Fortgang aus Marburg weiter Anklang fand. „Marburg ist für mich ein Ort der Erholung. Es ist einfach eine schnuckelige Studentenstadt – dadurch sind hier immer neue Musiker. Marburg inspiriert“.

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