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Mit Legosteinen zum Potsdamer Platz

Eine von hier Mit Legosteinen zum Potsdamer Platz

Wenn der eigene Name mit denen internationaler Stars in einer Reihe genannt wird, kann man behaupten, man hat es geschafft. Ulrike Lauber sagt lieber, sie sei ein Sonntagskind und habe viel Glück gehabt im Leben.

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OP-Serie „Eine von hier“: Architektin und Professorin Ulrike Lauber stammt aus Biedenkopf.

Quelle: Matt Uwe Dahms

Berlin. Hans Kollhoff , Richard Rogers und Arata Isozaki – alle drei sind renommierte Stararchitekten – haben am Potsdamer Platz gebaut. 19 Gebäude sind auf dem Areal in Berlin von sechs Planungsbüros unter der Oberleitung von Renzo Piano Anfang der 1990er-Jahre entworfen und bis 1998 gebaut worden. Unter den Architekten des international aufgestellten Teams ist nur eine einzige Frau: Ulrike Lauber aus Biedenkopf.

Wird sie nach ihrem liebsten Projekt gefragt, nennt Lauber aber nicht die drei Gebäude am Potsdamer Platz, die sie realisiert hat, sondern ein anderes: Deutschlands größtes Kombi‑bürogebäude – die Hauptverwaltung der Vereinten Versicherung, heute Allianz, in München.

„Mein Büropartner Wolfram Wöhr und ich wurden damals zum Architektur-Wettbewerb für die Erweiterung des Gebäudekomplexes eingeladen, haben teilgenommen und gewonnen“, berichtet Ulrike Lauber. Und ergänzt: „Das war mein allererstes Haus, das ich gebaut habe, und mit 300 Millionen DM bislang auch mein teuerstes und größtes.“ Lauber ist Mitte 30, als sie dieses erste eigene Projekt plant und umsetzt.

Geboren wird Lauber am 13. März 1955 im Biedenkopfer Stadtteil Ludwigshütte. „Wir sind dann, als ich sechs Jahre alt war, nach Biedenkopf gezogen“, erinnert sich die heute 60-Jährige. Ihre Eltern betreiben damals einen Lebensmittelladen. „Dort hat sich quasi meine Kindheit abgespielt“, ergänzt sie.

"Schöne Kindheit gehabt"

Mithelfen im elterlichen Betrieb ist zu dieser Zeit üblich. „Trotz der vielen Arbeit habe ich eigentlich eine schöne Kindheit gehabt, mit Spaziergängen in den wunderschönen Wäldern, Ausflügen ins Schwimmbad und Spielen in der Natur“, antwortet die Wahl-Berlinerin auf die Frage, was sie mit ihrer Kindheit und Jugend in Biedenkopf verbindet. „Und den Grenzgang natürlich“, schiebt sie noch hinterher und lacht herzlich. Zum Grenzgang komme sie auch immer wieder zurück in die alte Heimat.

Verlassen hat sie das Hinterland gleich nach dem Abitur an der Lahntalschule im Jahr 1973.  „Es fiel mir schon schwer, zu gehen. Meine Mutter war zwei Jahre zuvor gestorben, mein älterer Bruder schon aus dem Haus. Mein Vater blieb also allein zurück“, erzählt sie. Doch weil sie Architektur studieren will, steht das Bleiben außer Frage. „Ich habe schon immer Spaß an Mathe und dem räumlichen Zeichnen gehabt“, sagt sie: „Und lieber mit Lego gebaut als mit Puppen gespielt.“ Architektur passt da.

Also geht sie gemeinsam mit ihrem damaligen Freund Hans-Peter Achatzi aus Bad Laasphe, der ebenfalls auf der Lahntalschule war, nach Berlin. Sechs Jahre später schließt sie das Studium an der Technischen Universität als Diplom-Ingenieurin ab – mit Auszeichnung.

"Ich hatte wirklich Glück"

„Ich hatte wirklich Glück, überhaupt einen Studienplatz zu bekommen. Mein Abitur war nämlich miserabel und reichte für den Numerus clausus nicht. Ein Los tat dann aber sein Übriges“, erklärt die 60-Jährige.

Das Glück bleibt der gebürtigen Hinterländerin auch weiter hold: Nach der Mitarbeit in verschiedenen Büros in Berlin geht sie aus persönlichen Gründen 1986 nach New York und bewirbt sich bei Richard Meier. „Gesucht wurde jemand mit deutschen Architekturkenntnissen“, erinnert sie sich. Die Auswahl fällt auf sie, bereits zwei Jahre später wird sie zum „Associate Partner“ und zur Projektleiterin ernannt. Nach vier Jahren in den USA zieht es sie zurück nach Deutschland.

„Aber das Zurückkehren an einen Ausgangspunkt fällt mir immer schwer, deswegen bin ich nicht nach Berlin, sondern nach München gegangen“, sagt sie. Gemeinsam mit einem weiteren Partner von Richard Meier gründet sie ein eigenes Büro: „lauber + wöhr architekten“.

"Meine Bauten sind modern, aber nicht modisch"

Was folgen, sind Projektaufträge wie das Kombibürogebäude in München und die Bebauung am Potsdamer Platz. „Meine Bauten sind modern, aber nicht modisch“, beschreibt die Architektin ihren Stil. Man darf nicht jeder Mode nachgehen, findet sie. „Die Baukultur ist mir ganz wichtig. Als Architektin stehe ich in der Verantwortung für Kosten und Termine, für die Funktionen, aber auch für die Gestaltung und Einbindung in die Umgebung“, erläutert sie. „Schließlich stehen die Häuser ja eine ganze Weile rum.“

Wenn es um die eigene Wohnung geht, zieht es Lauber immer nach oben. Dunkle Böden treffen in der offenen Dachgeschosswohnung des 60er-Jahre-Baus in Berlin-Schöneberg auf helle Wände. Sie sammelt Kunst und fotografiert selbst, vor allem Strukturen. „So sammle ich meine Inspiration“, erklärt sie ihre Leidenschaft für abstrakte Kunst. Sie hat ihre Fotografien auch schon ausgestellt.

„Es macht mir Freude, genau hinzuschauen und zuzuhören, und das dann auch festzuhalten“, betont sie und schaut einmal mehr aus dem Fenster auf eine alte Kastanie, deren Blätter sich im Wind wiegen. Sie mag die Natur, geht gerne raus, „aber auf dem Land leben, das könnte ich nicht mehr“, sagt sie. Dafür ist ihr die Großstadt zu sehr ans Herz gewachsen.

Eine von hier

Name:
Ulrike Lauber

Geboren:
13. März 1955 in Biedenkopf-Ludwigshütte

Schule:
Abitur an der Lahntalschule Biedenkopf

Was macht sie jetzt?
Architektin mit eigenem Büro „lauber + zottmann architekten“ in München, Professorin für Entwerfen und Städtebau an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin.

Kommt sie noch vorbei?
Ab und zu, aber nicht mehr regelmäßig. Zuletzt war sie 2012 zum Grenzgang und 2013 zur 40-jährigen Abitur-Feier da.

O-Ton:
„Ich bin ein wahres Sonntagskind und habe unglaublich viel Glück gehabt in meinem Leben.“

von Katharina Kaufmann-Hirsch

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