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Kumpel, Kollegen und Kritiker

Zwei von hier Kumpel, Kollegen und Kritiker

Mit der Laptopkamera geht es auf Studioführung. Moderne Technik eben. Vorbei an Instrumenten, Mischpult und einer Platin-Schallplatte. Die Brüder Andie und Dave Mette sind „Einer“, pardon, „Zwei von hier“.

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Quelle: Dan Schneider

Das Leben ohne Internet – es wäre für Andie und Dave Mette ein schweres. Die Hälfte des Jahres sind die beiden Brüder auf Tournee. Getrennt von Familie und Freunden. Weit weg von etwas, das sich Alltag nennt. Sie Schlafen in Hotels und im Tourbus.
Sie stehen Abend für Abend auf der Bühne, nicht aber im Rampenlicht. Jeden Tag eine andere Stadt. Jeden Tag ein anderes Publikum. Dave und Andie Mette  spielen in der Band um Singersongwriter Phillip Poisel. Und manchmal, zwischen Probe und Auftritt, zwischen Abfahrt und Ankunft, telefonieren sie via Videokonferenz in ihre neue Heimat Heidelberg. Dahin, wo beide ihre eigene Familie, ihren Lebensmittelpunkt haben. Dave, Vater einer einjährigen Tochter und Andie, Vater eines zweijährigen Sohnes und einer fünfjährigen Tochter, genießen und verfluchen diese Momente, in denen sie ihren Kindern ganz nah und doch so fern sind. „Wenn einem die Kinder sagen, dass man nicht fahren soll, dann fällt einem das  schwerer als früher. Das Problem ist, dass ich weg muss, um Geld zu verdienen. Es ist schwer eine Balance zu finden,“ erklärt Andie Mette.

Ausbildung an der Popakademie

Balance finden – das ist es, was die beiden Brüder lernen mussten. Auch im Umgang miteinander. „Wir streiten – wie ganz normale Geschwister auch. Die Grenze zwischen Bruder und Kollege verschmilzt.“ Bester Freund, schärfster Kritiker. Nicht immer leicht, den Spagat zu schaffen. Aber die beiden ehemaligen Marburger haben keine andere Wahl: „Selbst wenn wir uns zwei Wochen am Stück gesehen haben, treffen wir uns wenige Tage später wieder zum Abendessen. Weil sich unsere
    Frauen zu allem Überfluss auch noch gut verstehen“, scherzt Schlagzeuger Dave Mette. Denkt er an seine Jugendzeit zurück, erinnert er sich automatisch an die vielen Abende in der Cavete am Steinweg. Schon als 13-Jähriger wurde er von seiner Mutter in die Jazz-Bar gefahren. Bei den offenen Jazz-Sessions drängte er sich ans Schlagzeug. Gab den Ton bei den älteren Musikern an. Zumindest so lange, bis seine Mutter ihn wieder abholte. Auch junge Rocker brauchen ihren Schlaf.  Seine Eltern ahnten schon früh, dass ihr jüngster Sohn sein Hobby zum Beruf machen würde. Bei ihrem ältesten Sohn Andie verlief der Weg nicht ganz so gradlinig. Er zog nach Heidelberg, begann eine Lehre als Krankenpfleger. Aber irgendwie war der Drang, Musik zu machen stärker. Andie schaffte, genau wie Dave, die Aufnahme an der Popakademie in Mannheim.

Der Plan, irgendwann die begonnene Lehre wieder aufzunehmen, wurde zwischen Platin-Platten-Auszeichnung und einem eigenen Tonstudio begraben. Still und heimlich. Fast beiläufig. Irgendwie war es Andie Mette selbst, der über den Entschluss am meisten erstaunt war. Freunde und Familie schienen schon längst in beiden Brüder Vollblutmusiker erkannt zu haben. Ehrensache, dass sie auch zu Beginn ihrer Karriere in Marburg eine Schülerband spielten. „Wir haben uns immer in einem Keller getroffen. Das würde ich nicht als Musik bezeichnen. Wir waren eine normal schlechte Schülerband“, scherzt Dave Mette.

Eine Jamsession in der Cavete

Understatement. Irgendwie typisch für Musiker, die zwar gern auf der Bühne, nicht aber im Mittelpunkt stehen. Denn die Schülerband von damals besteht noch heute. Oder besser gesagt: sie besteht wieder. Denn Dave und Andie Mette gehen in diesem Jahr gemeinsam mit Johannes Falk, dem damaligen Sänger ihrer Schülerband, auf Deutschlandtour.
Nach Marburg, das haben sich die drei vorgenommen, wollen sie auch kommen. Irgendwann im Herbst. Ein echtes Heimspiel. Und vielleicht, so überlegt David Mette, schafft er, einen Besuch in „seiner“ Jazz-Bar Cavete einzuplanen. Mit nur einem Unterschied: diesmal wird er nicht um 22 Uhr vor der Tür stehen und auf seine Mutter warten. Diesmal wird er bleiben. Bis zum Schluss.

Steckbrief:

Name:
Andie Mette
Geboren:
27. Oktober, 1981
Schule:
Grundschule Wehrda, Abitur am Gymnasium Philippinum
Was macht er jetzt?
Andie Mette gehört zur festen Band von Sänger Phillip Poisel. Das Album  „Bis nach Toulouse“ wurde mit Platin ausgezeichnet. Gold gab es für die Alben „Wo fängt dein Hinmel an“ und „Projekt Seerosenteich LIVE“. Andie Mette arbeitet an unterschiedlichsten eigenen Projekten und spielt als Gitarrist für den Singer und Songwriter Johannes Falk.
Kommt er noch vorbei?
Ja. Bis zu viermal jährlich, da seine Eltern noch hier wohnen. Vielleicht schon sehr bald wieder für ein noch geheimes Musikprojekt.
O-Ton:
„Die Viertelstunde, bevor das Konzert losgeht, ist der spannendste Moment am Abend. Positives Lampenfieber.“
 

Name:
Dave Mette
Geboren:
15. Februar 1984
Schule:
Grundschule Wehrda, Abitur am Gymnasium Philippinum
Was macht er jetzt?
Spielt mit seinem Bruder in der Band um Phillip Poisel. Dave war ebenfalls als Schlagzeuger von Laith Al-Dean unterwegs und steht auch mit Johannes Falk auf der Bühne.
O-Ton:
„Wenn ich auf der Bühne bin, sind das zwei Stunden, in denen ich voll da sein muss. Mit Frische und Leidenschaft.“

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