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Die „Fantasy“ macht alles möglich

Autorin Die „Fantasy“ macht alles möglich

Phantasie ist ihr Metier: Annika Sylvia Weber aus dem Amöneburger Stadtteil Mardorf ist Autorin – Fantasy-Autorin.

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Das ist es, das Erstlingswerk der Mardorferin mit dem Titel „Die Organisation – Lillys Schweigen“.

Quelle: Katharina Kaufmann

Mardorf. Wenn Annika Sylvia Weber schreibt, taucht sie für Stunden ab. Derzeitiges Tauchziel der 26-Jährigen ist die Unterwelt der griechischen Mythologie. Dem Gott Hades begegnet sie dort ebenso wie Persephone. Denn dort unten spielt ein Großteil ihres neuen Romans.

Es ist das zweite Buch an dem die Mardorferin mit den rotbraunen Haaren derzeit arbeitet – und zwar in Mardorf. Dort ist auch schon ihr Erstlingswerk „Die Organisation – Lillys Schweigen“ entstanden, das im Sommer im Heyne Verlag erschienen ist.

Geboren wurde Weber in Marburg, groß geworden ist sie in Mardorf, wo ihre Eltern eine Metzgerei betreiben. Den Realschulabschluss hat sie in Heskem an der Gesamtschule Ebsdorfergrund gemacht, anschließend absolvierte sie eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten an der Philipps-Universität in Marburg. „Aber das war nicht meins. Ich wollte kreativ sein, schreiben und habe dann irgendwann mit Kurzgeschichten angefangen“, berichtet Weber und rückt dabei kurz die Brille zurecht. Die Hände können einfach nicht anders, als mit Gesten das Gesagte noch zu unterstützen.

An die Ausbildung schloss die heute 26-Jährige das Fachabitur an – mit dem Ziel hinterher studieren zu können. Dass das Studium Journalismus sein musste, war für die junge Frau schnell klar. Und so zog sie im Jahr 2006 nach Hannover. Dort spielt auch ihr erster Roman.

Die Vorlage für das Buch entstand aber noch vor dem Studium: „Das Anfangsbild, wie es im ersten Kapitel beschrieben ist, habe ich geträumt“, sagt Weber. Der Rest habe sich dann praktisch von alleine geschrieben. „Erst zwei Jahre später, als ich das Manuskript überarbeitet habe, habe ich beschlossen, dass es nicht irgendwo, sondern in Hannover spielen soll – einem Ort, an dem ich mich richtig wohl gefühlt habe“, erklärt die 26-Jährige.

Überarbeitet hatte sie das Manuskript, weil sie es an den Heyne Verlag schicken wollte. Der hatte einen Wettbewerb ausgeschrieben mit dem Titel „Schreiben Sie einen magischen Bestseller“. „Aber ich brauchte ja nicht mehr schreiben, ich hatte ihn ja schon in der Schublade liegen“, sagt Weber. Nach der Überarbeitung schickte sie die ersten 100 Seiten ihres „magischen Bestsellers“ ein und belegte unter 1.400 Einsendungen prompt den dritten Platz. Als Belohnung gab es einen Buchvertrag.

Ob das Buch auch etwas Autobiografisches habe? „Ja, so weit es die Fantasy eben zulässt“, betont die 26-Jährige. Die Geschichte handelt von Lilly, die als junges Mädchen im Internat der geheimen Organisation zur professionellen Jägerin ausgebildet wurde. Vampire, Werwölfe und Hexen gehören also zu Lillys Alltag. Die Straßen Hannovers von finsteren Kreaturen zu befreien, ist ihr Beruf – bis sie einen fatalen Fehler begeht.

Dieser Fehler verfolgt Lilly auch noch im zweiten Teil, der vom Heyne Verlag als Trilogie angedachten Serie. „Die Charakterzüge und Erlebnisse meiner Figuren sind adaptiert von mir selbst sowie von Bekannten und Freunden. Aber in fast jeder Figur steckt auch ein bisschen was von mir“, berichtet die Autorin, während sie es sich auf der Couch bequem macht. Dort oder auch im Bett stellt sie sich den Laptop auf den Schoß und taucht in die Welt der Phantasie ein. Das Grundgerüst habe man im Kopf, die Details ergäben sich während des Schreibens, schildert Weber ihre Arbeitsweise. Auch für den dritten Teil sind die Ideen bereits vorhanden: „Der letzte Teil der Reihe wird in der nordischen Götterwelt spielen. Mehr verrate ich aber nicht.“

Dafür verrät sie mehr von ihren eigenen Lebensplänen. Die haben die 26-Jährige nämlich schon durch ganz Deutschland und bis nach London geführt: „Ich habe während des Studiums mehrfach für einige Monate in München gelebt und gearbeitet“, berichtet sie. „Focus TV“, „Männer TV“, „Spieglein, Spieglein“, „Deutschlands Dickste“ und zuletzt „Welt der Wunder“ waren Stationen bei denen Weber reichlich TV-Erfahrung sammelte. „Dabei habe ich festgestellt, dass Fernsehsendungen zu produzieren, mir liegt. Da hat man abends auch noch Muße zum Schreiben“, erläutert sie. Denn nur Autorin sein, das will die 26-Jährige dann auch wieder nicht. „Da kommt man nicht hinaus, hat keinen Kontakt zu anderen Menschen“, begründet sie das.

Diesen Kontakt zu anderen Menschen hat die 26-Jährige nach dem Studium in London gesucht und gefunden. Dort arbeitete sie für eine Nachrichtenagentur, schrieb Texte über Prominente oder übersetzte Nachrichten ins Deutsche. Das phantastische Schreiben allerdings blieb ein wenig auf der Strecke.

Derzeit ist Annika Sylvia Weber auf der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle und bewirbt sich in ganz Deutschland. „In Mardorf bleiben will ich nicht. Ich komme gerne hierher zurück und Marburg ist toll. Es ist mir aber eigentlich zu klein geworden“, erklärt sie. Sollte es mit einer Anstellung nicht klappen, will Weber, sobald das zweite Buch im Frühjahr erschienen ist, die Reise über den großen Teich antreten: „Dann gehe ich erst einmal für drei Monate in die USA – und wer weiß, vielleicht finde ich ja dort etwas passendes“, sagt sie und lacht herzlich.

Annika Sylvia Weber: „Die Organisation – Lillys Schweigen“, Heyne Verlag, 446 Seiten.

von Katharina Kaufmann

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