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Designer liebt das Wesentliche

Einer von hier Designer liebt das Wesentliche

Stefan Bräutigam und Tim Rotermund können ihre junge Hamburger Firma „Nachwuchsagentur des Jahres“ nennen. Sie erhalten auf einer Gala in Berlin den Preis „Kreativ“.

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Der gebürtige Marburger Stefan Bräutigam und sein Geschäftspartner Tim Rotermund führen in Hamburg eine Design-Agentur, die nun in Berlin ausgezeichnet wird.

Quelle: Privatfoto

Hamburg. Er macht aus Namen Marken, gibt Produkten so wenig und so viel Form und Farbe, dass sie unauffällig und gleichzeitig aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken sind. Und das mit Erfolg. Der ehemalige Marburger Stefan Bräutigam führt mit seinem Geschäftspartner Tim Rotermund in Hamburg eine Design-Agentur, die sich nun „Art Directors Club (ADC) Rookie Agentur“, nennen darf, also Vorzeigeagentur des Jahres.

Die beiden erhalten von der KfW Bankengruppe den Preis „Kreativ“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Damit wird eine Agentur ausgezeichnet, die unter den Neugründungen der letzten drei Jahre im ADC-Kreativranking die höchste Platzierung erzielt hat. Die Galaveranstaltung findet am Donnerstag, 26. Februar, im Berliner Museum für Kommunikation statt.

Schon im Vorjahr gab es Preise

Stefan Bräutigam und Tim Rotermund arbeiten als Designer an Markenentwicklungen und haben bereits für Marken wie BMW, Land Rover oder T-Systems Projekte realisiert. Ihr Schwerpunkt liege auf Kunden aus dem Mittelstand und der Start-up-Szene. So verantworteten sie zuletzt für das Betahaus in Hamburg das Corporate Design und die Kommunikation.

Die KfW würdigt mit dem KfW-Award „Kreativ“ junge Unternehmen aus der Kreativbranche, die die Gründungsphase überdurchschnittlich erfolgreich abgeschlossen haben und mit ihrer Arbeit Maßstäbe für junge Entrepreneure setzen. Im vergangenen Jahr bekamen die beiden Partner einen goldenen und einen bronzenen Nagel des ADC Deutschland.

Der Preis bestätige: „Wir haben den Nagel, also die Botschaft, auf den Kopf getroffen“, sagt Bräutigam. Dr. Ulrich Schröder, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe, der den Preis im Berliner Museum für Kommunikation übergeben wird, sagt: „Die KfW möchte durch die Auszeichnung des ‚Rookie Of The Year‘ aufzeigen, dass Kreativität, Mut und unternehmerisches Denken gut zusammenpassen. Denn Deutschland als rohstoffarmes Land benötigt die Ideenvielfalt von kreativen, innovativen Menschen, die sich selbstständig machen.“

Auftrag für Audi

Stefan Bräutigam hat in Marburg 1999 an der Elisabethschule Abitur gemacht – sein Spitzname „Bräuti“. Nach Zivildienst und einer Ausbildung zum Mediengestalter studierte er anschließend in Mainz und in Melbourne Design. 2008 gewann er mit seiner Diplomarbeit bereits einige Preise – darunter auch den Adobe Design Achivement Award zu dem er nach New York zur Preisverleihung eingeladen wurde.

2011 wurde er zudem als Finalist in der Kategorie Nachwuchsdesigner beim Deutschen Designpreis ausgezeichnet. Dann ging der Marburger nach Hamburg, um als angestellter Designer, später als Artdirector in einer Agentur zu arbeiten – auch in dieser Zeit bekam er mehrere Preise. Während seiner Zeit bei der Agentur Mutabor in Hamburg entwickelte er unter anderem das Audi A1 Keyvisual im Zuge des neuen Corporate Designs für Audi.

„Das tolle daran war, dass es von den Werbeagenturen eins zu eins übernommen wurde und dann überall in der Stadt, in Deutschland und sogar in ganz Europa an den Wänden hing. Inspiriert war das Design vom Video von The White Stripes – Seven Nation Army“, erzählt der 34-Jährige im OP-Gespräch.

Mit den Farben eine Geschichte erzählen

Sein Design stehe auch für eine klare Fokussierung auf das Wesentliche. „Dabei lege ich großen Wert auf eine stringente und schlüssige Umsetzung“, sagt Bräutigam. Er und Tim Rotermund setzen auf klare Konzepte, ausgiebige Recherche, sind aber auch spontan. „Die besten Ideen kommen manchmal unter der Dusche.“

Er entwerfe Farbcodes, Typographie und Grafiken für Corporate Designs, die zum Beispiel die Werbebranche dann als Grundlage für ihre Kampagnen nutzt. „Die Werbeagentur knüpft an das, was wir erschaffen, an. Wir versuchen, mit unserer Gestaltung eine kleine Geschichte zu erzählen. Wie ein roter Faden, der sich dann durch alle Disziplinen zieht.“ Die Grafiksprache allein reiche aus, Schnickschnack sei nicht nötig. Er zitiert eins seiner Vorbilder in der Branche, Dieter Rams: „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.“

Stefan Bräutigam arbeitet mitten im Schanzenviertel in Hamburg und so oft es geht, besucht er mit seiner Ehefrau, die er in Marburg als Studentin kennenlernte, und seiner 16 Monate alten Tochter, seine Eltern in Marburg. Der intensive Kontakt zur Heimat werde privat und geschäftlich nicht abreißen, auch wenn er sich in Hamburg sehr wohlfühle.

von Anna Ntemiris

 
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Name: Stefan Bräutigam

Geboren: 29. März 1980

Schule: Elisabethschule

Was macht er jetzt? Selbstständiger Industriedesigner

Kommt er noch vorbei? Ja, etwa alle acht Wochen, um seine Eltern zu besuchen.

O-Ton: Sein Lieblingsspruch, Zitat von Dieter Rams: „Gutes Design ist so wenig Design wie möglich.“

Privatfoto

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