Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Der Mann der vielen Dialekte

Einer von hier Der Mann der vielen Dialekte

Er ist im Allgäu aufgewachsen, lebt in Berlin und ist im Herzen trotzdem ein Marburger geblieben. Der Schauspieler Rhon Diels spricht über Freundschaft, französisches Essen und das Gefühl, fremd zu sein.

Voriger Artikel
Langhaarträger mit Blockflöten-Charme
Nächster Artikel
Kumpel, Kollegen und Kritiker

Wandlungsfähigkeit ist alles. Rhon Diels spielte in seiner Karriere die unterschiedlichsten Rollen.

Quelle: Harald Geil

Marburg. Die stabilste Währung im Leben ist Freundschaft. Und Würstchen. Das hat Schauspieler Rhon Diels in den vergangenen Monaten gelernt. Der 37-Jährige Wahlberliner hat sich ein Häuschen, ach was, eine Bauruine im Brandenburger Land gekauft. „So ein Haus mit den eigenen Händen wieder aufzubauen - das ist völlig irre, aber mein Anspruch“, erklärt Diels. Jede freie Minute verbringt er auf dem Bau. Gemeinsam mit seinen Freunden. Die Zeit, die sie mit ihm in die Ruine investieren, versucht er unter anderem mit Würstchen aufzuwiegen. Kiloweise. Wochenende für Wochenende.

Irgendwie will er sich mit dem Wiederaufbau des alten Gemäuers verwirklichen. Ob er je in dem Haus wohnen wird? Diels atmet hörbar aus. Überlegt. Zögert. Dann gesteht er: „Ich bin noch immer ein Stadtkind. Noch bin ich nicht alt genug, um die Ruhe auf dem Land auszuhalten.“ Aber irgendwann mal. Vielleicht. Irgendwann wird er doch sicher sein eigenes, kleines Fleckchen Erde beziehen. Oder etwa nicht? „Wenn, dann werde ich einen Stadtwohnsitz behalten“, zögert er. Das Hintertürchen - es muss offen bleiben. Vielleicht auch, weil der 37-Jährige den größten Teil seiner Kindheit auf dem Land verbrachte. Die Einöde kennt. Sein Vater, ein Dermatologe, verließ Marburg, um im tiefsten Allgäu eine eigene Praxis zu eröffnen. Da war Rhon Diels fünf Jahre alt.

Viele der Erinnerungen, die er an seine Geburtstadt Marburg hat, mischen sich mit den Aufnahmen, die seine Eltern auf Super-8-Filmen festgehalten haben. Trotzdem: fragt man ihn, woher er stammt, antwortet er immer: Aus Hessen, aus einer kleinen Stadt an der Lahn. Denn angekommen ist Rhon Diels in der allgäuischen Provinz nie. „Ich bin immer der Zugereiste geblieben“, erklärt er. Und das, obwohl er sich angepasst hat. Zumindest sprachlich. „Ich bin ein dialektales Chamäleon“, versichert er. Hessisch - kann er. Bayerisch? Spricht er. Sächseln? Kein Problem. Ein Talent, das ihm schon die ein oder andere (Fernseh-)Rolle bescherte. Diels spielte in Serien wie „Der Bulle von Tölz“, „Unter Uns“, „Der Bergdoktor“, „SoKo Leipzig“ oder „Der Komödienstadl“ mit.

Irgendwann hat er es auch mal als Gastronom versucht. Gemeinsam mit seinem Freund und Schauspielkollegen Peer Kusmagk - vielen bekannt aus dem RTL-Dschungelcamp. „Das ist wirklich aus einer Schnapsidee entstanden. Wir haben in einem leerstehenden Gebäude unter der Decke die Stuck-Reste und den Charme der Bruchbude erkannt.“ Aus der Schnapsidee wuchs binnen drei Monaten ein kleines Restaurant. La Raclette - französische Spezialitäten, wechselnde Tageskarte. Große Ambitionen für eine kleine Schnapsidee. Und während Diels und sein Partner Einkaufslisten schrieben, hinterm Tresen standen und sich die Nächte um die Ohren schlugen, kam dem Vollblutschauspieler eine Erkenntnis: Ein guter Gastronom darf nur eine Leidenschaft haben. Das eigene Restaurant. Die Schauspielerei - Rhons Lebenstraum - stand plötzlich hinten an. Während sich die Gäste die französischen Spezialitäten schmecken ließen, bemerkte Diels hinterm Tresen plötzlich einen bitteren Beigeschmack. La Raclette - ein Zeit- und Lebenstraumfresser.

Er stieg aus, verkaufte seine Anteile. Seitdem konzentriert er sich wieder voll auf die Schauspielerei. Und auf die Produktion von Kurzfilmen. Ein Leben voller Eventualitäten und Unsicherheiten. Castingmarathon. Absagen, Zusagen. Keine Planungssicherheit. „Eine gewisse Grundgelassenheit ist das Wichtigste in dem Beruf. Man lässt sich nicht mehr aus der Bahn werfen und muss aushalten, als Dispo-Jockey zu leben“, so der Schauspieler.

Irgendwie ahnte Rhon Diels schon immer, dass das der Preis für seinen Traumberuf eine gewissen Unsicherheit sein würde. Aber einen Plan B gab es einfach nicht. „Meine Mitschüler haben immer gesagt: Entweder du wirst Staubsaugervertreter oder Schauspieler.“

Die Staubsauger-Branche hat ihn nie gereizt. Die Schauspielerei schon. Seine Eltern seien bei fünf Kindern Kummer gewohnt gewesen. Das einer ihrer Sprösslinge plötzlich die fixe Idee hatte, Schauspieler zu werden, habe sie nie gestört. „Erst fanden sie es lustig, dann haben sie mich in Ruhe gelassen“, so Diels. Vielleicht auch, weil sie wussten: Ihr Sohn ist ein Teamplayer. Zwangsläufig. Bei vier Geschwistern. „Da lernt man auch sich durchzusetzen.“ Sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen. Vielleicht ist das das Geheimrezept des Schauspielers: Sich nicht zu ernst zu nehmen und doch ernsthaft am Ball zu bleiben. Nicht verbissen Rollen hinterherzujagen, ohne den Biss zu verlieren.“

von Marie Lisa Schulz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Einer von hier: Uwe Ellger
Uwe Ellger hat die Welt gesehen. Der ehemalige Tierarzt aus Caldern ist von München nach Singapur geradelt.

Ganze 21 Länder in 365 Tagen. Uwe Ellger radelte gemeinsam mit seiner Partnerin von München nach Singapur. Das ist nur eine von zahllosen Reisen, von denen der 62-Jährige berichten kann. Auf seiner Reise durch das Leben hat er auch Caldern gestreift.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Eine(r) von hier