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Den Riesen wecken – Inspiration finden

OP Serie: Einer von hier Den Riesen wecken – Inspiration finden

In Vorträgen für Konzerne spricht er über „Herzenbildung für Führungskräfte“. Mit Profi-Fußballern philosophiert er über Gott, und in seiner Freizeit sucht er die Stille. David Kadel ist „Einer von hier“. 

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David Kadel bezeichnet sich als „Inspirations-Coach“, nebenbei ist er Buchautor, Moderator und Kabarettist.

Quelle: Privat

Marburg. Du musst dich beweisen! Dich zeigen. Immer da sein, wenn das nächste Projekt ansteht. Die Karriere verlangt es. Wer ganz nach oben will, muss Opfer bringen, hart zu sich und zu den anderen sein. Oder etwa nicht? David Kadel kennt diese Arbeits-Philosophie, die in vielen Köpfen lebt, doch er weiß auch: Wenn es nur noch um Bilanzen und Ergebnisse geht und es allein auf die Produktivität ankommt, tritt der Mensch irgendwann in den Hintergrund.

In seiner Tätigkeit als Vortragsredner für Konzerne, trifft David Kadel immer wieder auf Arbeitnehmer, die es schaffen, in einer Woche bis zu 40 Überstunden anzuhäufen. Er erlebt Menschen, die für ihr Unternehmen brennen – bis ihre eigene Flamme erlischt. „Es muss immer höher, schneller und weiter gehen. Wenn die Werte verschwinden, dominiert der Kommerz“, sagt der 47-Jährige. Nur langsam kämen die Firmen dahinter, dass diese rein erfolgsorientierte Politik wiederum zu negativen Bilanzen führt. „Burn-out“ steht dann beispielsweise auf dem Diagnosezettel – Licht aus. Und mit ausgebranntem Personal kann kein Unternehmen erfolgreich sein.

Jürgen Klopp sei einer, der verstanden habe, wie eine neue „Kultur der Führung“ aussehen kann. Einer, der mit Herz agiert, der ganz gezielt nachfragt: nach Sorgen und Wünschen seiner „Mitarbeiter“. „Keiner seiner Spieler würde jemals schlecht über ihn reden, weil er immer auf sie zu geht. Einer, der ein offenes Ohr hat“, sagt Kadel, der den ehemaligen Bundesliga-Trainer bereits seit 2003 kennt und mit ihm schon einige Film- und Buchprojekte erarbeitet hat. Zu dieser neuen Art der Führung gehöre auch, dass der „Chef“ eigene Fehler eingesteht. „Viele Spieler glauben, wenn jemand sagt, dass man mit Problemen zu ihm kommen kann, sei das nur so ein Spruch“, meint Kadel.

Begeisterung, die Veränderung in Gang setzen

Kadel berichtet von einem Fall, bei dem Klopp einen formkriselnden Spieler sogar bis auf den Parkplatz „verfolgt“ habe, um anschließend in dessen Auto ein klärendes Gespräch zu führen. Dabei stellte sich heraus, dass der junge Sportler ein privates Problem vor sich her geschleppt hatte.

Für den 47-Jährigen erschloss sich die Welt des Profi-Fußballs vor 20 Jahren über seinen Jugendfreund Dirk Heinen, der als Torhüter unter anderem für Bayer 04 Leverkusen (1989 bis 1999) und Eintracht Frankfurt (2000 bis 2002) spielte. In den Kabinen und Kneipen abseits der TV-Kameras bekam Kadel einen Einblick über die Sorgen und Nöte der Spieler.

Bei nahezu allen persönlichen Problemen glaubt Kadel an die verändernde Kraft der Inspiration. „Es geht darum, den Riesen in dir selbst zu wecken“, sagt er. Wie das geht? „Inspiration“, lautet die Antwort des 47-Jährigen. Es gehe um Dinge, die einen so sehr begeistern, dass sie Veränderungen in Gang setzen. Darin sieht Kadel die Ursache für das Burn-Out-Problem: „Wir erleben im Alltag kaum Inspiration und müssen sie eigenverantwortlich suchen.“ Er selbst findet seine Inspiration im Lesen von Biografien, im Glauben und in der Stille. Auch bei einem Spaziergang durch den Wald könne man Inspiration finden, sagt Kadel.

„Der heilige Rasen“

Er kam aus dem Schwabenland nach Gießen zum Studium und fand dann in Marburg seine erste echte Heimat. Fünf Jahre lebte er mitten in der Oberstadt, Wettergasse. Nächtlicher Gesang inklusive. Bis zu dieser Zeit habe er nicht gewusst, dass man Rasierschaum in Luftballons füllen kann, um die unliebsamen Störenfriede auf der Straße mit einem „Geschenk“ von oben zu bedenken. „Ja, wir haben damals auch viel Mist gemacht“, gesteht er. Die Jahre in Marburg (1994 bis 2000) waren auch eine Zeit, in der Kadel seine Rolle als „Persönlichkeitscoach“ etablierte. Es sei ein Fall von „Serendipität“, sagt Kadel. Frei übersetzt bedeutet dies, dass er nicht bewusst nach einer Aufgabe gesucht habe, sondern sie zu ihm gekommen sei.

„Vorher konnte ich auch mit Kirche nicht viel anfangen“, sagt Kadel über seine Zeit in Marburg. Dies habe sich nach einem Besuch des örtlichen Christus-Treffs geändert. Moderne Musik, keine typische, langweilige Kanzel-Predigt – „so sollte ein Gottesdienst sein“, erinnert sich Kadel. Das Thema Glauben spielt dann auch in seinen Arbeiten als Buchautor eine entscheidende Rolle. Sein erstes Werk aus dem Jahr 2002 titelt er „Fußball-Gott: Erlebnisberichte vom heiligen Rasen“. Es enthält ein Vorwort von Rudi Völler.

Nach einem Medien-Volontariat moderierte er dann von 2002 bis 2007 die wöchentliche Talk-Sendung „N24 Ethik“, in der er mit Prominenten aus Politik, Wirtschaft und Sport über ihre Lebensphilosophien und gesellschaftsrelevante Themen sprach. Auch hier ging es um Werte und darum, was seine Gäste antreibt. Eine Erkenntnis daraus: Erfolg wird immer zuerst im Kopf entschieden. Es genüge, sich eine einzige Frage zu stellen, meint Kadel: „Wann war ich das letzte Mal wirklich inspiriert?“

von Dennis Siepmann

Einer von hier: David Kadel

Name:
David Kadel
Geboren:
17. November 1967 in Kirchheim unter Teck
Schule:
Abitur in Gaildorf 1988
Was macht er jetzt?
Fernsehmoderator, Kabarettist, Autor und Coach.
Kommt er noch vorbei?
Ab und an, um Freunde und Bekannte zu besuchen.
O-Ton:
„Inspiration kann alles sein: zum Beispiel ein gutes Buch oder ein Film. Es kommt von außen, geht in dein Herz und spricht dir aus der Seele. Du musst in deinem Leben aber immer selbst für Inspiration sorgen. Das geht natürlich nicht, wenn du den ganzen Tag vorm Fernseher sitzt.“ 

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