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Alles tanzt auf sein Kommando

Einer von hier Alles tanzt auf sein Kommando

A.S.Y.S – vier Buchstaben, ein Lebensgefühl. Hinter dem Künstlernamen versteckt sich der erfolgreiche Techno-DJ Frank Ellrich. Geboren in Marburg, aufgewachsen in Niederweimar, zuhause in der ganzen Welt – überall da, wo die Menschen zu seiner Musik feiern.

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Und hoch die Arme – die Sprache der Musik ist überall gleich. Das hat Frank Ellrich bei seinen zahllosen Auftritten weltweit schnell herausgefunden.

Quelle: Privatfoto

Niederweimar. Wenn Frank Ellrich aus seinem Leben erzählt, dann macht er das so herrlich unaufgeregt, wie andere aus einem Kochbuch vorlesen: Man nehme eine Portion Übermut, eine Prise Pioniergeist und einen guten Schuss Selbstvertrauen. Voilà, fertig ist die internationale DJ-Karriere. Ganz so einfach lässt sich der Werdegang des 44-jährigen Ex-Marburgers nicht zusammenfassen. Davor steht ein Lebenstraum - und der begleitet Ellrich noch immer.

Ausgelatschte Chucks an den Füßen, ein Frucht-Smoothie in der Hand, so öffnet Ellrich die Tür zu seinem Frankfurter Musikstudio. Auf der Erde stapeln sich die Vinyl-Platten, an der Wand reihen sich die ausrangierten Keyboards. Eine Zahnbürste steht auf dem Tischchen in der Sofaecke. Eines wird sofort klar: In diesem Raum wird gearbeitet, gelebt, getanzt und geremixt.

Mittendrin steht Frank Ellrich. Groß, schlank und voller Tatendrang. Seit 1998 lebt er von der Musik, legt weltweit in den angesagtesten Clubs auf. An einem Wochenende in Australien, am anderen in England. Und dazwischen? Dazwischen kommt er immer wieder nach Hause. Zu seinem Vater nach Niederweimar. „Ich bin jemand, der Großstädte liebt, der es mag, wenn es keinen Unterschied zwischen Tag und Nacht gibt. Ich schätze aber auch die kleine, beschauliche Welt. Da, wo sich die Seele entspannt, wo einfach Zuhause ist“, erklärt Ellrich.

Zuhause – das ist für den DJ noch immer Niederweimar. Daheim ist er aber in der ganzen Welt. Überall da, wo Menschen zu seiner Musik feiern, wo er die Massen zum Tanzen bringt. Auftritte vor tausenden Techno-Fans? Für Frank Ellrich mittlerweile fast schon Routine. Lampenfieber kennt er kaum noch – wohl aber das ekstatische Gefühl, das von der tanzenden Menschenmasse auf ihn überschwappt.

Wenn er auf dem Podest steht, die feiernde Meute überblickt, das Meer aus Armen überschaut, dann erinnert er sich immer auch an seine eigene Zeit als „Discogänger“ zurück. Damals, Anfang der 90-er, als er selbst zur treibenden Technomusik anderer DJs tanzte. Damals, als Techno noch schrill, alternativ und auch ein bisschen verstörend war. Als sich eine ganz neue Szene entwickelte, die die Nacht zum Tag machte, sich den harten elektronischen Sounds hingab und von Gesangs- und Popkultur nichts mehr wissen wollte. Techno war etwas ganz Neues“, erinnert sich Ellrich. Samstagsnachts saß er mit dem Kassettenrecorder vor dem Radio, nahm die gespielten Technolieder auf Band auf. Dann ging er selbst feiern. Erst in Gießen, dann in Frankfurt. Aber das reichte dem jungen Studenten nicht. „Ich hatte den Drang etwas zu tun, wollte ein kreativer Teil der Szene sein.“

Unterhalb der Woche studierte er in Gießen BWL, am Wochenende wurde getanzt. Dann der Studienabschluss, der erste Vertrag bei einer Frankfurter Marketingagentur. Geregeltes Einkommen, spannende Aufgaben, große Ziele. Und doch war er immer da, der Wunsch auszusteigen, das Abenteuer Techno-DJ zu wagen – und das ohne jegliche musikalische Vorbildung. Noten lesen konnte er nicht. Ein Instrument spielen? Fehlanzeige. „Eigentlich bin ich kein Risikomensch, aber ich habe immer an das Prinzip geglaubt, dass sich, wenn man wirklich etwas will, auch Türen öffnen.“

Techno – das war für Frank Ellrich eine Musikrevolution, etwas Aufregendes, Abgrenzendes. Und genau dieses Lebensgefühl schafft der DJ noch heute in seine Lieder zu verpacken.

Vor dem Erfolg kam jedoch die Kritik. „DJs, die machen doch nur Plastikmusik“ so nur eines der vielen Vorurteile. „Falsch“ entgegnet Ellrich dann immer geduldig, „das ist eine Wissenschaft für sich.“ Schließlich spielt er die Musik nicht nur ab, er komponiert sie. „Ich bin wie ein Ein-Mann-Orchester. Der PC hilft mir nur dabei, alles gleichzeitig abzuspielen.“

Zurück im Studio: Konzentriert blickt Frank Ellrich auf den Bildschirm seines Computers, bastelt an seinem nächsten Track. Seine Lesebrille schiebt er dabei unbewusst immer wieder in die richtige Position. Sie ist das einzige Zeichen, das verrät, dass nicht nur die Technoszene, sondern auch der DJ älter geworden ist.

Die durchgefeierten Nächte, das anstrengende Jetset-Leben – das alles scheint spurlos an dem 44-Jährigen vorübergegangen zu sein. Sport, gute Ernährung und soviel Schlaf wie möglich – mit diesen drei Dingen, so Ellrichs Tipp, kann jede Nacht zum Tag verwandelt werden.

Und während er erzählt, auf seinem Keyboard rumklimpert und sich durch Bilder seiner letzten Auftritte klickt, da fängt man an zu verstehen: Frank Ellrich lebt seinen Traum. Laut, schrill, einfach Techno. Trotz seines Erfolges, trotz der extremen Welten, in denen er sich bewegt, ist er eines geblieben: Gelassen, durchdacht, einfach der Junge aus Niederweimar.

Mehr Infos unter www.acidsaveyoursoul.de

von Marie Lisa Schulz

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