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3D-Künstler aus Bellnhausen für den Hobbit im Einsatz

OP-Serie: Einer von hier 3D-Künstler aus Bellnhausen für den Hobbit im Einsatz

Er gibt Bäumen, Igeln und Drachen ihr Aussehen: Jens Kafitz sorgt für digitale Effekte im Kino. Derzeit lebt der Bellnhäuser in Wellington in Neuseeland, wo er für die „Hobbit“-Trilogie digitale Kulissen und Figuren gestaltet.

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Die Wunderwelten, durch die der Hobbit Bilbo Beutlin sich seinen Weg sucht, wurden auch vom gebürtigen Bellnhäuser Jens Kafitz mitgestaltet, der inzwischen im neuseeländischen Wellington lebt und arbeitet.

Quelle: rchivfoto

Wellington. Furchteinflößend ist der Drache Smaug, wie er über seinem Gold thront und den tapferen Hobbit Bilbo Beutlin durch die Stadt unter dem Berg verfolgt. Flammen erhellen die grauen Wände und flüssiges Gold fließt durch Stein. Die Kulissen wirken real - und sind doch komplett am Computer erzeugt.

Jens Kafitz aus dem Fronhäuser Ortsteil Bellnhausen gehört zu dem Team, dass für die echt wirkenden Kulissen verantwortlich zeichnet. Er verpasst den Hintergründen Struktur. „Jedes Blatt, jeder Baum in den digitalen Wäldern vom Hobbit wurde per Hand gebaut und platziert, jede Schuppe des Drachen per Hand gemalt“, erklärt der Grafiker. Kafitz erzeugt die Kulissen, an denen er arbeitet, nicht selbst. Es ist ein komplexer Prozess, an dem viele Fachleute beteiligt sind, bis ein digitaler Baum im digitalen Wald steht. „Es ist wie beim Modellbau. Ich bekomme fertige Digitalmodelle von Figuren, Sets und Requisiten. Allerdings sehen diese alle aus wie aus grauem Plastik.“ Den Modellen verpasst Kafitz ihren Anstrich, um sie zum Leben zu erwecken. Dafür muss er die Figuren am Computer zunächst „aufklappen“ - wie einen Würfel aus Pappe: „Wenn man den Würfel an den richtigen Stellen aufschneidet, kann man ihn auffalten, bemalen und wieder zusammenkleben.“

Einer von 3000 Künstlern

Über verschiedene Arbeitsschritte gibt Kafitz einem Baum nicht nur seine Farbe, sondern bestimmt auch das Material und Unebenheiten in der Oberfläche: Über einen Grauwert bestimmt Kafitz, wie glänzend oder rau eine Oberfläche wirkt. Die Rinde gestaltet er mit zwei Farben: „Um eine Falte zu erzeugen, malen wir mit Weiß, für eine tiefe Wunde mit Schwarz.“ Daraus errechnet der Computer die Verformungen und aus einem langen, glatten Zylinder wird ein Baumstamm.

Jens Kafitz (Bild links) ist einer von rund 3000 Menschen, die an der Verfilmung der Hobbit-Trilogie beteiligt sind. Er ist angestellt bei der Firma Weta im neuseeländischen Wellington, die rund 1000 Mitarbeiter für die digitale Filmkunst beschäftigt. Im ersten Hobbit-Teil „Eine unerwartete Reise“ verschaffte Kafitz Charakteren und Requisiten ein lebensechtes Aussehen.

Die Igel aus dem Film sind komplett am Computer erstellt - von dem Bellnhäuser selbst. Damals war er auch an der Gestaltung des ersten Drachens beteiligt. „Bis sechs Wochen vor Erscheinungsdatum des ersten Teils war der Drache Smaug nicht Teil des Films“, erzählt er. Plötzlich sollte er doch im Film auftauchen - und Kafitz arbeitete mit seinem Team auf Hochtouren an der Gestaltung.

Für den zweiten Hobbit-Teil „Smaugs Einöde“ wurde das mystische Tier komplett überarbeitet. Auf der DVD des ersten Teils wurde er nachträglich durch den neuen Drachen ersetzt - während die Kinogänger noch einen anderen Smaug sahen. Im zweiten Hobbit-Film zeichnete Kafitz vor allem für die digitalen Sets verantwortlich: Die Kulisse, in der Smaug und Bilbo aufeinander treffen, der Spinnen-Wald und viele andere Kulissen gestaltete er am Computer. „Bei Smaugs Einöde habe ich für etwa 50 Minuten des Films an Sets gearbeitet.“

Jens Kafitz hat bereits mit zwölf Jahren begonnen, im 3D-Bereich zu experimentieren. Er war damals begeistert von Jurassic Park - „der erste Film, der das Digitale in großer Masse und Qualität ins Kino gebracht hat“. Seither wollte er sein Hobby zum Beruf machen. Bei Weta bewarb er sich bereits vor zehn Jahren, als das Unternehmen an der „Herr der Ringe“-Trilogie mitarbeitete. „ Ich habe zahlreiche Anläufe gebraucht, bis es geklappt hat“, erzählt er rückblickend.

„An ‚Herr der Ringe‘ nicht mitgewirkt zu haben, hat mich immer sehr gestört. Man kann also sagen, dass ich mit der Arbeit am Hobbit versuche, das auszugleichen - auch wenn die Hobbit-Trilogie in der Filmgeschichte sicherlich nie den gleichen Status erreichen wird.“

Arbeit an „Superhelden“

Sein erstes Filmprojekt wurde dann 2004 der deutsche Animationsfilm „Back to Gaya“ für die Hannoversche Firma „Ambient Entertainment“. Damals hat er schon Hintergründe und Requisiten bemalt. Es folgte die Mitarbeit an „Urmel aus dem Eis“. Für eine australische Firma arbeitete er an „Happy Feet 2“. „In den vergangenen Jahren bin ich vom Animationsfilm mehr zum Realfilm gewechselt, wo die Produktionszeiten wesentlich kürzer sind“, berichtet Kafitz. Nachdem seine Bewerbung bei Weta endlich erfolgreich war, zog Kafitz nach Wellington und war zunächst „Superhelden-lastig“ im Einsatz. Er arbeitete etwa an „Iron Man“, „Superman“ und den „Avengers“, bevor er begann, dem Drachen Leben einzuhauchen.

Über Jens Kafitz:

  • Name:  Jens Kafitz
  • Geboren:  4. November 1981 in Marburg
  • Schule:  Elisabethschule
  • Was macht er jetzt?  Senior Texture / Lookdev 
Artist (3D-Künstler)
  • Kommt er noch vorbei?  Ja, er versucht in der Regel noch etwa ein Mal im Jahr in Deutschland und in der Heimat zu sein.
  • O-Ton:  „Ich werde Marburg immer mit dem Caveau in der Oberstadt verbinden. Viele nette Erinnerungen hängen in der Kneipe.“     

von Patricia Kutsch

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