Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Weniger grübeln – mehr riskieren

Amors Gehilfe Weniger grübeln – mehr riskieren

In Zeiten extrem hoher Scheidungsraten, hat Clemens Beöthy den Glauben an die Liebe nicht verloren. Er sagt, er habe 1 000 Singles zusammengebracht und lerne dennoch täglich etwas Neues über die Beziehung zwischen Mann und Frau.

Voriger Artikel
Fürs Seepferdchen ist niemand zu alt
Nächster Artikel
Der Baum sagt schon, was er will

Mann und Frau auf der Suche nach der wahren Liebe.

Quelle: Alexander Pavlenko

Reiskirchen. Schluss mit den halben Sachen! Schluss mit dem Gejammer! Wer den passenden Partner finden will, muss auch bereit sein, einiges dafür zu
investieren – und Rückschläge wegzustecken. Wenn Clemens Beöthy etwas über die Liebe und ihre Verstrickungen gelernt hat, dann, dass es auch auf Kleinigkeiten ankommt. Der Buchautor und Single-Coach arbeitet seit mehr als 16 Jahren als professioneller Liebesbote. Er ist ein Experte in Beziehungsfragen und hat sie alle erlebt: die herzzerreißend Leidenden und die Schüchternen, die Fettnäpfchentreter und die Mega-Anspruchsvollen. Sie alle
eint die Suche nach der wahren Liebe. Dabei ist die Partnersuche keine Sache des Alters. „Zu mir kommen Menschen, die sind Mitte zwanzig, aber auch über 80-Jährige“, sagt Beöthy, der die Singles in seinen Räumlichkeiten in Reiskirchen begrüßt. Viele Alleinlebende finden sich dort ein – Menschen, die durch berufliche oder private Einschränkungen daran gehindert werden, potenzielle Partner kennenzulernen. Nicht selten bedeutet es Überwindung, sich in kleiner Runde – höchstens zwölf Personen – mit dem eigenen Singledasein auseinanderzusetzen. Bei den Treffen herrsche eine lockere Atmosphäre, sagt Beöthy, der dabei die Rolle des Moderators übernimmt.

Mit der Liebe ist manchmal wie in der Bundesliga

Die Teilnehmer erzählen von ihrer Single-Woche, von Niederschlägen und Erfolgserlebnissen. „Es ist nicht meine Aufgabe, das Verhalten im Detail zu kommentieren. Werde ich nach meiner Meinung gefragt, sage ich sie aber auch ganz offen“, erklärt Beöthy. Welchen Vorteil hat denn nun aber ein Gruppentreffen gegenüber einem einzelnen Rendezvous? Beöthy vergleicht die Situation gerne mit dem Fußball: „Wenn man sich hier regelmäßig trifft ist es wie in der Bundesliga – man hat die Chance, sich an jedem Spieltag neu zu präsentieren. Hat man ein einzelnes
Date, ist es hingegen eher wie ein Pokalspiel – man ist vielleicht schon nach dem ersten Abend raus. Der Erfolgsdruck ist dann natürlich entsprechend hoch.“
Wenn es auch nicht immer zur glücklichen Liebesbeziehung führt, so entstehen häufig langjährige Freundschaften durch die regelmäßigen Treffen. Cliquen bilden sich. Gemeinsame Unternehmungen, wie Kanutouren oder Tanzabende erleichtern das gegenseitige Kennenlernen. Beöthy kennt das Spiel von den ersten Annäherungen, den verliebten Blicken. In der Gruppe geht eben vieles leichter, auch das gemeinsame „Jagen“ – ein Begriff, den Beöthy verwendet, wenn eine Gruppe Singles sich gegenseitig in ihrer Partnersuche unterstützt. 

Mit Zwang ist nichts zu erreichen

Gibt es denn nun zu jedem Topf einen passenden Deckel?  „Nein“, sagt Beöthy und beruft sich auf seine Intuition und Erfahrung. Partnervermittler, die behaupten, sie können jeden Single zum Liebesglück verhelfen, hält der Reiskirchener für unseriös. „Solche Heilsversprechen würde ich nie machen.“  Bei der Partnersuche gilt für den studierten Lehrer: Locker bleiben, mit Zwang wird man nichts erreichen.
Warum gehen so viele Beziehungen in die Binsen? Clemens Beöthy findet gleich mehrere Gründe: Da wäre zunächst das sogenannte „Mismatching“. Der ausgewählte Partner passt überhaupt nicht zur eigenen Person. Entschieden widerspricht der Experte auch der Redewendung „Gegensätze ziehen sich an“. Die Lebensentwürfe sollten zueinander passen, damit das Zusammensein auch Zukunft hat.

Hohe Erartungen - kaum Investitionsbereitschaft

Beöthy sieht weiterhin ein verzerrtes Bild bei vielen Beziehungssuchenden: „Statistiken belegen, dass Ehrlichkeit als eine der wichtigsten Eigenschaften gesehen wird, die der Partner haben sollte“, sagt der Familienvater. Selbst aber mache die Mehrzahl der Singles Falschangaben auf den Partnerportalen. „Viele haben hohe Erwartungen, aber eine zu geringe Investitionsbereitschaft“.

Und wie hält es der Experte in seiner eigenen Ehe? Ein Rezept für eine erfolgreiche Partnerschaft liegt laut Beöthy darin, genügend Freiraum zu gewähren. „Zwei Drittel der Zeit mit dem Partner, ein Drittel für eigene Interessen“, lautet seine Faustregel. Als Amorsgehilfe hat Beöthy eine erstaunliche Erfolgsquote. Für zahlreiche Pärchen führt der gemeinsame Weg sogar bis an den Traualtar. Die Hochzeit findet aber ohne Beöthy statt: „Die Zeit widme ich dann doch meiner Familie“.

von Dennis Siepmann

Ein fleißiger Helfer Amors

  • Clemens Beöthy. „Ich lerne jeden Tag Neues über die Liebe. Besonders von Frauen“, sagt der Heilpraktiker für Psychotherapie. „Amor ist ein Arschloch – Wie die Liebe wieder öfter ins Schwarze trifft“, heißt das zuletzt erschienene Buch von Beöthy
Voriger Artikel
Nächster Artikel