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„Hier ist immer Leben in der Bude“

Karriere trotz Kinder? „Hier ist immer Leben in der Bude“

Durchpusten. Füße hoch. Glotze an – sich ganz entspannt berieseln lassen. Genau so funktioniert es nicht. Jedenfalls nicht für Daniela Roßbach. Denn da gibt es mindestens tausend andere Dinge, die vorher zu erledigen sind.

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Daniela Roßbach zusammen mit Sohn Mats, der besonderen Gefallen am Laptop seiner Mutter gefunden hat.

Quelle: Dennis Siepmann

Wallau. Mats tatscht fröhlich mit seinen kleinen Fingerchen über die Tastatur. Der Einjährige hat sich schon daran gewöhnt, dass der Laptop ein steter Begleiter seiner Mama ist. Daniela Roßbach beobachtet ihren jüngsten Sprössling bei seinem Spiel mit einem Lächeln.

Eine genau festgelegte Arbeitszeit gibt es für die dreifache Mutter nicht. Kann es auch gar nicht geben. „Ich bin ein sehr spontaner Mensch und suche mir meine Lücken selbst“, sagt sie. Die Familie gehe bei allem was sie tue vor. Zeit für ihre eigene Werbe-Agentur, ihre Projekte findet sie in den kleinen Pausen, die sich im Alltag auftun. In ihrem speziellen Fall ist die Selbstständigkeit ein echter Luxus.

Doch wie ist das alles zu schaffen? Drei Kinder im Kita-, Kindergarten- und Grundschulalter mit all ihren Bedürfnissen. Dazu der Wunsch, die eigene Karriere voranzutreiben. Wie lassen sich die unterschiedlichen Lebensbereiche miteinander vereinbaren?: Familie, Beruf, Haushalt, Hobbys und Ehrenämter?  

Netzwerk springt zur Not ein

„So ein Tag wie heute erfüllt mich total“, diesen Satz sagt Daniela Roßbach, obwohl sie bereits seit 6 Uhr auf den Beinen ist und auch noch einiges vor sich hat. Josephine, mit sechs Jahren die älteste der drei Kinder, ist schon wieder aus der Schule zurück. Gleich muss noch die vierjährige Nele aus dem Kindergarten abgeholt werden. Die ersten Stunden des Nachmittags gehören dann komplett den Kindern, sagt Roßbach. Es wird gespielt, gemalt, Hörbücher gehört oder in Büchern gelesen.

„Wenn ich im Arbeitszimmer sitze und mit Kunden telefoniere, wissen die Kinder, dass ich eigentlich nicht gestört werden will“, sagt Roßbach. Natürlich funktioniert das nicht immer. Böse wird sie deswegen nicht. Bislang habe sie noch
alle Termine einhalten können.

„Wenn ich merke, dass es zu viel wird, habe ich ein Netzwerk im Hintergrund“, sagt die studierte Kommunikationswirtin. Dazu zählen Designer, Texter, Programmierer und Fotografen, die ihr im Notfall zuarbeiten können. Ihr eigenes „Ein-Frau-Unternehmen“ hat sie im Jahr 2014 auf den Namen „designreich“ getauft. Dabei nahm sie die Erfahrungen, die sie als Projektleiterin in einer Winterberger Werbe-Agentur gesammelt hat, als Grundlage für ihre eigene Selbstständigkeit.

Zunächst waren es vor allem Freunde und Bekannte, die ihre Dienste in Anspruche genommen haben, sagt Roßbach. Ein Flyer, eine Speisekarte, eine neue Website oder die Gestaltung eines Logos: Ihr Angebot ist breit gefächert. Neben Mats, der weiter beharrlich auf den Laptop tippt und mittlerweile das Desktop-Bild auf den Kopf gestellt hat, liegt ein äußerst umfangreiches Projekt in gedruckter Form auf dem Küchentisch. Es ist die Broschüre der Tourismus Kur- und Stadtverwaltung (TKS) Bad Laasphe.

"Was andere vielleicht als stressig empfinden, ist für mich Spaß"

Ein komplettes Heft, das die Wallauerin innerhalb von etwas mehr als zwei Monaten konzipiert und gestaltet hat. Eine Referenz, die sich sehen lassen kann. „Was andere vielleicht als stressig empfinden, ist für mich Spaß“, sagt die Jungunternehmerin. Heute steht für sie noch ein Kundentermin auf dem Programm.

Nele und Josephine sind begeisterte Turnerinnen und Leichtathletinnen – sie müssen also auch noch zu ihren Sportvereinen gebracht werden. Das gemeinsame  Abendessen mit den Kindern und Ehemann Christian, der gegen 17.30 Uhr von der Arbeit kommt, ist auch ein fester Bestandteil der Tagesplanung. „Ohne die Unterstützung meiner Familie ginge das natürlich alles nicht“, weiß die Jungunternehmerin.

Ob sie noch mehr will – Ihre Firma vielleicht sogar noch erweitern? „Im Moment bin ich zufrieden, so wie es ist. Aber ich denke, es ist nur menschlich, wenn man mehr erreichen will“. Die nächsten beruflichen Schritte können ihrer Meinung nach aber noch warten. Schließlich gibt es in einem Haus mit drei kleinen Kindern immer etwas zu tun. „Hier ist immer Leben in der Bude“, sagt sie und blickt sich um. Einige Spielsachen liegen auf dem Boden. Ein paar Gläser stehen
auf der Spüle.

Kein Grund eine Putzkolonne einzubestellen. „Kreative Menschen sind eben nicht so ordnungsliebend, oder?“, fragt sie und lacht.

Die Ordnung in gestalterischen Fragen ist da schon ein anderes Thema. Selbst in ihrer Freizeit fallen ihr schlecht gemachte Anzeigen oder Webseiten ins Auge. „Da rollen sich mir manchmal echt die Fingernägel hoch, wenn ich so was sehe“, sagt sie scherzhaft. Manchmal spricht sie den gefühlten Missstand dann auch offen an. So wie mit dem lieblos gestalteten Geschenkgutschein eines Ladens, der ihr einmal in die Hände gefallen ist. Das Ergebnis: das Geschäft hat nun einen neu gestalteten Gutschein – natürlich von Daniela Roßbach. 

von Dennis Siepmann

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