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Atemnot und komplizierte Filmküsse

Das schaffe ich: Mein eigener Song Teil III Atemnot und komplizierte Filmküsse

Endspurt für das „Projekt Half Room“ – die Songs sind aufgenommen und gemischt. Fertig? Nicht ganz: Noch fehlt der Feinschliff, noch fehlt, was heute jeder Song braucht: ein Video.

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Romantisches Candlelight-Dinner vor laufender Kamera im Hause Beckmann.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Ich habe vielleicht am Ende doch nicht den Sommerhit 2017 gelandet. Aber eine Menge gelernt habe ich über das harte Geschäft der Popbranche. Zugegeben: Ganz fair und ganz realistisch war das nicht, was ich da mit meinen beiden Songs angestellt habe – nennen wir‘s Laborbedingungen.

Denn erstens: Ich muss nicht von der Musik leben – ich lebe für sie. Zweitens: Nicht ein einziger der wundervollen Menschen, die mich in den zurückliegenden Tagen und Wochen bei meinem Experiment begleitet haben, hat mir eine Rechnung geschrieben. Dafür an dieser Stelle einen dicken, den dicksten vorstellbaren Dank an meinen Coach, Mitmusiker und Produzenten Michal Bandac. An Werner Eismann aus Mardorf für seine hochkonzentrierte und geduldige Aufnahmearbeit. An Ito Grabosch, der mir in seinem Roßdorfer Tonstudio „Die Tonbox“ gezeigt hat, was sich aus einer gemischten Aufnahme durch präzises Mastering noch herausholen lässt. An Nadine Weigel und Tobias Hirsch, die uns mit ihren Kameras begleitet und in Szene gesetzt haben. Alles, was wir für „Das schaffe ich!“ relativ entspannt angehen konnten, geschieht im wahren Leben unter immensem Zeit- und Kostendruck. Wer da nicht scheitern will, muss neben einer guten musikalischen Ausbildung und einer gehörigen Portion Talent den festen Willen haben, ungeheuer diszipliniert und hart zu arbeiten. Dabei gibt es nicht nur eine Baustelle, sondern gleich drei: das stille Kämmerlein, die Bühne und das Studio.

Es gibt kein "entweder - oder"

Ich habe als Journalist in der Vergangenheit Künstler in Interviewsituationen häufig gefragt, wo sie sich am wohlsten fühlen: beim Komponieren, beim Produzieren oder vor Publikum während eines Konzerts. Durch die Arbeit an meinen Songs habe ich verstanden, warum mich die Antworten der Profikollegen nie so richtig zufriedengestellt haben. Es gibt nicht dieses „entweder – oder“, es dürfte kaum jemanden geben, der im Geschäft Erfolg hat und nur mit Leib und Seele Rampensau oder ausschließlich ein pedantischer Studiotüftler ist. Die Bühne ist gut fürs Selbstbewusstsein, der Rückzugsraum in die eigenen vier Wände mit Gitarre und Klavier in Reichweite ist unerlässlich beim Songschreiben, und das konzentrierte Arbeiten im Studio schließlich muss sein, um die Früchte der eigenen Arbeit konservieren zu können.

Eine wichtige Erkenntnis, fast so wichtig wie die zweite große Offenbarung der hinter uns liegenden „Das schaffe ich!“-Aktion: Ich habe die Grenzen meiner Stimme entdeckt, indem ich nicht – wie sonst – in mich hineingehört habe, sondern konfrontiert wurde mit der brutalen Realität meines aufgenommenen Gesangs. Geht es in die Kopfstimme, wackelt‘s hier und da, sind die Textzeilen episch lang, „veratme“ ich mich hin und wieder. Da müsste also noch mal zusätzlich ein Coach Hand anlegen. Gut zu wissen.

Zukunftsmusik: Ein komplettes Album

Meine beste Freundin im Geschäft und gleichzeitig meine unbarmherzigste Kritikerin, die australische Songwriterin Ronnie Taheny, merkte das natürlich auch sofort, als ich die Songs zum Reinhören schickte. Sie schlug vor, den Gesang von „Half Room“ noch einmal aufzunehmen oder auf elektronischem Weg zu glätten. Wir werden das tun, liebe Ronnie – 2018 oder 2019, wenn das Lied hoffentlich eines von neun oder zehn für ein komplettes Album sein wird. Doch das ist erst einmal noch Zukunftsmusik, denn trotz vieler Legenden über in Rekordzeit bei gleichzeitigem Minibudget eingespielten CDs  muss eine komplette Albumproduktion auf einem weitaus komplexeren Fundament stehen als das, was jetzt gerade hinter uns liegt.

Klar war von Anfang, dass wir zumindest einen der beiden Songs auf dem Videoportal Youtube hochladen wollten. Leichter gesagt als getan. Die Wahl fiel auf „Half Room“, und da der Song eine dicke Liebeserklärung an die Frau meines Lebens ist, hatte Kamerafrau, Produzentin und Regisseurin Nadine Weigel von vornherein ein klares Bild vor Augen: „Wir machen das bei euch zu Hause – wenn deine Frau mitmacht.“

Ganz schön, aber auch ganz schön anstrengend, der Dreh: Fausta und Carsten beim Kochen, Fausta und Carsten  im Garten beim Anschauen alter Fotos, auf dem Sofa beim Musikmachen und am Esstisch beim romantischen Candlelight-Dinner. Emotionen sind ja in der Regel eher spontan und gar nicht so leicht in Serie abrufbar. Wenn‘s dann mit dem Filmkuss erst beim dritten Anlauf klappt, artet die Liebe leicht in Arbeit aus. Eine zugegebenermaßen höchst angenehme Arbeit.

Her mit der Kritik!

So, geschafft! Und jetzt her mit der Kritik! Egal, ob „Donnerwetter, nicht schlecht!“ oder „Was ne schräge Schnulze!“ – schreiben Sie, wie Ihnen „Half Room“ gefällt. Entweder über die
Facebook- und WhatsApp-Kanäle der OP oder per Mail an beckmannc@op-marburg.de

von Carsten Beckmann

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