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Organisationstalent und Familienmensch

Danke fürs Ehrenamt Organisationstalent und Familienmensch

40 Jahre lang ist Alfons Kißling Vorsitzender der Kolpingfamilie Anzefahr. Er rief vor 25 Jahren die Theatergruppe ins Leben und stellte 28 Kleidersammlungen für Brasilien auf die Beine.

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Ihr Mut und ihre Stärke reißen alle mit

Auch als Opa ist Alfons Kißling gefragt, nämlich von seinen Enkelinnen Anna-Sophie (7), Luise (1), Lisa-Maria (2 ½) und Lena (8).

Quelle: Manfred Schubert

Anzefahr. Wenn man über die Kolpingfamilie in Anzefahr spricht, dann ist deren vielfältiges Wirken in den vergangenen Jahrzehnten untrennbar mit der Person Alfons Kißling verbunden. Die Kolpingfamilie besteht seit 65 Jahren. Kißling wurde 1973 für zwölf Jahre Vorsitzender, setzte dann zwei Jahre wegen seiner Kinder aus, und steht seit 1986 wieder an der Spitze – bis heute.

„Besonders stolz bin ich auf 25 Jahre Theater in Anzefahr“, betonte Kißling. Das ist inzwischen eine feste Institution geworden. Jedes Jahr zwei Wochen vor Ostern füllen die Aufführungen an drei Tagen die Mehrzweckhalle. 1991 hat er die Theatergruppe gemeinsam mit Professor Paul Koch, der für die ersten sieben Jahre die Regie übernahm, ins Leben gerufen. Kißling, der 1965 den Beruf des Autoschlossers erlernte, organisiert nicht nur, sondern baut auch an der Bühne und den Kulissen mit und rekrutiert Schauspieler über seine zahlreichen Bekanntschaften und Verbindungen.

30.000 Euro für gemeinnützige Zwecke

Allein die Theateraufführungen brachten 30.000 Euro ein, die gemeinnützigen Zwecken, wie Kirche, Kindergarten, Ausstattung der Mehrzweckhalle, Stiftung einer Friedhofsglocke, Renovierung von Bildstöcken, Bau einer Mariengrotte und anderem in der dörflichen Gemeinschaft zugutekamen.

Darüber hinaus gab es immer wieder Spendesammlungen oder andere Aktionen für wohltätige Zwecke. Jährlich werden Altkleider zugunsten des Kolpingwerks Brasilien gesammelt, bereits 28-mal, eine Tombola erbrachte zusätzlich 3000 Euro für Brasilien. Nach dem Tsunami sammelte man 1800 Euro für eine Kolpingfamilie in Indien.

Vorträge, Film- und Diaabende und Diskussionen

Auch Bildungsveranstaltungen gehören zu dem umfangreichen jährlichen Programm der Kolpingfamilie Anzefahr. Vorträge, Film- und Diaabende, Podiumsdiskussionen zu den unterschiedlichsten Themen gab es bereits. Kürzlich referierte beispielsweise Christoph Nahrgang über die Zeit nach dem Kriegsende vor 70 Jahren in Anzefahr. „Es macht Spaß, wenn dann 60 Leute zu so einem Vortrag kommen und zuhören“, erklärte Kißling.

Spaß macht ihm auch die Organisation der beliebten Bildungsreisen, die jeweils bis zu 60 Teilnehmer schon nach Breslau, Krakau, Danzig, Prag, Budapest, Paris, Rom oder London führten. Oder die Begründung und Pflege einer Partnerschaft mit der Kolpingfamilie im slowenischen Sentilij vor sechs Jahren.

Dass das alles Zeit kostet, ist klar. „Als ich meinen Mann 1978 geheiratet habe, habe ich die Kolpingfamilie mitgeheiratet“, sagte Rosa Kißling. Und nicht nur das: „Ich war manchmal stinksauer, erst kamen Kolping und Tischtennis, aber ich habe ihm doch immer den Rücken freigehalten. Und zudem selbst 20 Jahre lang im Theater mitgespielt.“ Auch Tochter Monika stand schon auf der Bühne, und Tochter Ulrike hat die Kolping-Jugendgruppe aufgebaut.

Kißling ist aktiv im Tischtennisverein

Tischtennis, das ist die zweite große Leidenschaft von Alfons Kißling, der in allen Ortsvereinen Mitglied ist. 1958 hat er als Spieler angefangen, wurde als 13-jähriger Schüler sogar Hessenmeister. Als Erwachsener spielte er in der zweiten Mannschaft, jetzt in der vierten Mannschaft und springt manchmal als Ersatzspieler in der dritten oder zweiten Mannschaft ein. „Ich habe 1450 Spiele für Anzefahr gemacht, das dürfte wohl Rekord sein und bleiben, weil man früher in zwei Klassen, Schülerrunde und Kreisklasse, spielen durfte“, erzählte Kißling. Auch im Faschings-Männerballett der Vereinsgemeinschaft war er früher aktiv und trat schon in der Marburger Stadthalle auf. Für die Vereinsgemeinschaft hat er außerdem seit drei Jahren die Verwaltung des Grillplatzes übernommen.

Den Vorsitz der Kolpingfamilie würde er schon gerne in jüngere Hände übergeben. „Ich bin 66 Jahre alt und würde ganz gern aufhören, aber es besteht die Gefahr, wenn keiner von den 120 Mitgliedern den Vorsitz übernehmen will, dass wir die Kolpingfamilie auflösen“, befürchtet Kißling. Die gesellschaftlichen und auch gesetzlichen Veränderungen machen ihm zu schaffen. „Wenn man einen Verein gründet und die Gemeinnützigkeit nachweisen muss, wird alles schwieriger. Beim Ehrenamtstag des Landkreises sagte jemand offen auf dem Podium, dass ein eingetragener Verein nur noch mit schwarzer Kasse zu führen sei. Rechtens darf ein Verein gar nicht mehr genügend Rücklagen bilden, um Vereinsfahrten durchführen zu können. Bei der Kolpingfamilie haben wir 27 Euro Jahresbeitrag, mehr dürfen wir jetzt nicht mehr für Ehrungen ausgeben“, klagte er gegenüber Reinhold Beck, der gefragt hatte, was Kißling sich zur Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit wünschen würde.

Beck, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung des Ehrenamts im Landkreis, hatte ihn zu Hause mit Blumen, einer Einladung zum Varieté und zum Brunch mit den anderen Geehrten der Aktion „Danke fürs Ehrenamt“ überrascht. Zur Ehrung vorgeschlagen hatte ihn sein Schwiegersohn.

Seine Beschwerden kann der Ausgezeichnete demnächst auch an höchster Stelle vorbringen, bei einem Termin mit dem hessischen Finanzminister Dr. Thomas Schäfer, bei dem es um die Besteuerung der Vereine gehen werde, wie Kißling angab.

von Manfred Schubert

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