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Ihr Mut und ihre Stärke reißen alle mit

Danke fürs Ehrenamt Ihr Mut und ihre Stärke reißen alle mit

Seit 39 Jahren ist Sabine Valentin im Spielmannszug aktiv und leitet die Kinder- und Jugendarbeit. Auch eine Krebserkrankung konnte sie davon nicht abhalten.

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Irmtraud Stein (links) hatte Sabine Valentin für die Kampagne „Danke fürs Ehrenamt“ nominiert.

Quelle: Manfred Schubert

Biedenkopf. „Wenn ich etwas habe, dann halte ich das fest. 1976 suchte der Spielmannszug junge Leute, da bin ich mit elf Jahren mit der Querflöte eingestiegen. Ich bin mit dem Verein groß geworden und habe vieles erleben dürfen, zum Beispiel Fahrten bis ins Ausland, das hat mich auch geprägt“, berichtete Sabine Valentin im Gespräch mit Reinhold Beck.

Beck, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung des Ehrenamts im Landkreis, hatte sie gerade während der Weihnachtsfeier der Frauensportgruppe des Vereins „nach Krebs leben“ mit Blumen, einer Einladung zum Varieté und zum Brunch mit den anderen Geehrten der Aktion „Danke fürs Ehrenamt“ überrascht.

Seit 17 Jahren im Vorstand des Spielmannszugs

Bereits im Alter von 17 Jahren begann sie im Vorstand des Spielmannszugs als Schriftführerin mitzuarbeiten. Heute ist sie Jugendleiterin und Ausbilderin für die 8- bis 14-Jährigen. Das Ehrenamt nimmt sie ernst: „Wenn ich etwas mache, mache ich das ganz. Menschen sollten hinter dem stehen, was sie als Verpflichtung übernommen haben.“

Leichter sei es nicht geworden, da das Angebot in Biedenkopf mittlerweile groß sei. „Früher hatte man nur die Wahl zwischen Trachtengruppe und Spielmannszug. Ich muss die Jugendlichen immer motivieren und bei Laune halten, sonst sind sie schneller weg, als man gucken kann“, erzählte sie. Auf die Frage Becks, was sie sich zur Unterstützung des  Ehrenamtes wünsche, sagte sie: „Die Eltern müssen dahinterstehen, sonst sind die Kinder ebenfalls schnell weg. Und ich wünsche mir, dass die Eltern sich auch darum kümmern und aktiv unterstützen, nicht nur ihre Kinder ‚abgeben’.“

Von Irmtraut Stein für die Auszeichnung nominiert

Zu motivieren, das scheint Sabine Valentin im Blut zu liegen. 2004 erkrankte sie an Krebs. Sie kämpfte nicht nur selbst erfolgreich dagegen an, sondern bewegte andere Leidensgenossinnen dazu, für ihre Gesundheit aktiv zu werden. „Sie ist aus dieser Erfahrung so stark herausgekommen, das hat uns alle mitgerissen. Ich konnte mal nicht laufen, da sagte sie, ach Irmi, so geht es mir doch auch“, erzählte Irmtraut Stein, die Sabine Valentin für die Auszeichnung „Danke fürs Ehrenamt“ nominiert hatte.

Stein hatte 2006 einen Tumor. „Sabine kam auf mich zu und hat mich eingeladen, beim ‚Sport nach Krebs’ teilzunehmen“, sagte sie. Zehn Frauen hat Valentin durch ihre persönliche Ansprache dieser derzeit aus 17 Teilnehmerinnen bestehenden Untergruppe des Vereins „nach Krebs leben“ zugeführt, in dem sie selbst einfaches Mitglied ist.

Mit Einfühlungsvermögen und positiver Energie

Die Gruppe wurde 2004 in Zusammenarbeit mit dem Turnverein Biedenkopf ins Leben gerufen „Sie ist mit ihrem Einfühlungsvermögen aus dem Verein nicht wegzudenken, sie spornt einen dazu an, positiv zu denken. Mit ihrem freundlichen Wesen und ruhigem Auftreten wird sie als Ansprechpartnerin auf Augenhöhe sehr geschätzt. Sabine ist es wirklich wert, für ihre ehrenamtliche Tätigkeit geehrt zu werden“, betonte Stein. Dabei erwähnte sie die Tätigkeit im Spielmannszug, aber auch beim Grenzgangverein, den Owwastärra (Oberstadt-Burschenschaft), dem Reitverein und anderswo engagiere sich Valentin.

„Ich komme aus einer Grenzgang-Familie. Mein Vater war Oberst, meine Mutter Führerin“, erläuterte die als Michel geborene Valentin ihren biographischen Hintergrund. Ursprünglich hatte ihr Vater ein Fahrradgeschäft, wie schon der Großvater, dann betrieb die Familie ein Taxiunternehmen, in dem auch Sabine mitarbeitete und bei Taxifahrten viele Menschen kennen lernte, darunter einige der an Krebs erkrankten Frauen. Derzeit setzt die 50-Jährige die Familientradition des Fahrradhandels als Verkäuferin der modernen Variante Elektrorad in Eschenburg fort. Und ist immer bereit, ehrenamtlich zu helfen „wenn Not am Mann ist oder etwas organisiert werden muss“.

 
Hintergrund
Mitte September dieses Jahres rief der Verein zur Förderung des Ehrenamts im Landkreis zur Nominierung auf: Wer leistet ohne Bezahlung etwas Besonderes für andere Menschen? Das war die Leitfrage. 36 Vorschläge gingen bei der Jury der Kampagne „Danke fürs Ehrenamt“ ein – 36 beeindruckende Geschichten über freiwilliges Engagement. Die Jury hat fünf Preisträger ausgewählt, ihnen Danke gesagt und sie beschenkt bei einem Überraschungsbesuch daheim oder an ihren Wirkungsstätten. Die OP stellt diese fünf Menschen in dieser Woche vor – bis einschließlich Samstag, dem Internationalen Tag des Ehrenamts. Fünf beispielhafte Geschichten über Menschen, die für andere da sind.

von Manfred Schubert

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