Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
„Er kümmert sich um alles und um alle“

Danke fürs Ehrenamt „Er kümmert sich um alles und um alle“

Neun Jahre lang war Kurt Schlienbecker Vorsitzender des Familien- und Seniorenrats in Lohra. Auch über sein Amt hinaus engagiert er sich im Verein. Dafür wurde ihm nun ganz offiziell gedankt.

Voriger Artikel
Otto Fuchs: Der Besucher von Oberdieten
Nächster Artikel
Anni Schmitt kümmert sich

Beim Malkurs entspannt Kurt Schlienbecker.

Quelle: Philipp Lauer

Lohra. Beim Malen im monatlichen Malkurs kann Kurt Schlienbecker entspannen. „Ich bin zwar kein Künstler, aber ich male gerne. Sonst ist es oft sehr hektisch bei mir, aber hier ist zwei Stunden einfach mal Ruhe“, erklärt der 71-Jährige aus Lohra.

Bis Anfang des Jahres war Schlienbecker neun Jahre lang der Vorsitzende im Familien- und Seniorenrat der Gemeinde Lohra. Bis heute noch rufen die Mitglieder bei ihm an – mit ihren Anliegen, Fragen, Bitten und manchmal auch Notrufen. „Das Telefon liegt selbst nachts neben dem Bett“, verrät Schlienbecker. Angerufen hat nachts noch keiner, dafür klingelt das Telefon tagsüber umso häufiger.

Hilfe und Beratung

„Man muss gerechterweise sagen, dass im Flyer nicht alle unsere Angebote abgedruckt sind“, erklärt der Pensionär. „Wir haben uns zur Vision gemacht, den Menschen zu helfen, so lange wie möglich selbstständig zuhause zu leben.“ Zu den Hilfen zählen neben Beratung bei der Betreuungs- und Patientenverfügung oder dem Testament auch Krankenfahrten oder die Betreuung Demenzkranker zur Entlastung der Angehörigen. „Es kam sogar schon die Frage, ob wir auch Hunde ausführen, da musste ich leider verneinen“, schmunzelt Schlienbecker.

Die genannten Angebote helfen in Einzelfällen – im Gespräch mit Kurt Schlienbecker wird deutlich, was ihm darüber hinaus sehr am Herzen liegt: „Die Gemeinschaft ist das A und O“, sagt er. Möglichkeiten, Anschluss zu finden hat Kurt Schlienbecker mit dem Verein viele geschaffen. Zum Beispiel beim wöchentlichen Wandern, jeden Donnerstag von Frühjahr bis Herbst. „Wir gehen immer so mit rund 20 Leuten, da kommt richtig Freude auf“, berichtet Schlienbecker.

Erst recht, wenn er bei der Rast den Kaffee ausschenkt, den er für alle vorbereitet. „Solange es gesundheitlich geht, möchte ich das gerne so weitermachen“, sagt Schlienbecker und erzählt von den anderen Veranstaltungen, bei denen er regelmäßig mithilft. Zum Beispiel vom Spielenachmittag, der sei eine tolle Geschichte. „Zwar nimmt die Vorbereitung viel Zeit in Anspruch, und der Nachmittag dauert dann bis zum späten Abend, aber es lohnt sich“, findet Schlienbecker.

Verein bietet Fahrdienst an

Für Teilnehmer, die nicht so mobil sind, bietet der Verein einen Fahrdienst an, viele der Fahrten übernimmt auch Schlienbecker. Er überlegt kurz und sagt dann überzeugt: „Ich glaube, es gibt keine Veranstaltung, auf der ich nicht dabei bin.“ Auch eine Erkältung kann ihn davon eigentlich nicht abhalten – wie beim Überraschungsbesuch von Reinhold Beck und Kathryn Leppert vom Verein zur Förderung des Ehrenamts (siehe Hintergrundkasten).

Auch bei den Ausflügen zum Beispiel zum ZDF nach Mainz und bei Mehrtagesfahrten ist Schlienbecker dabei – und auf alles vorbereitet. „Wenn jemand mal stürzt, helfe ich und bleibe gegebenenfalls so lange im Krankenhaus, bis Angehörige kommen.“ Als pensionierter Mitarbeiter der Bundesbahn packt er dazu immer einen Freifahrtschein ein.

Die Mitglieder zeigten sich eigentlich schon dankbar für seine Arbeit, sagt Schlienbecker. Seine Nachfolgerin als Vorsitzende, Tanja Blicker-Lücke hat ihn für die Auszeichnung vorgeschlagen. Sie erklärt warum: „So wie er das Ehrenamt ausführt, ist er ein Vorbild. Er ist mit Leib und Seele dabei – kümmert sich um alles und um alle.“

 
Hintergrund

Mitte September dieses Jahres rief der Verein zur Förderung des Ehrenamts im Landkreis zur Nominierung auf: Wer leistet ohne Bezahlung etwas Besonderes für andere Menschen? Das war die Leitfrage. 36 Vorschläge gingen bei der Jury der Kampage „Danke fürs Ehrenamt“ ein – 36 beeindruckende Geschichten über freiwilliges Engagement. Die Jury hat fünf Preisträger ausgewählt, ihnen Danke gesagt und sie beschenkt bei einem Überraschungsbesuch daheim oder an ihren Wirkungsstätten. Die OP stellt diese fünf Menschen in dieser Woche vor – bis einschließlich Samstag, dem Internationalen Tag des Ehrenamts. Fünf beispielhafte Geschichten über Menschen, die für andere da sind.

Teil 1: Kurt Schlienbecker
Teil 2: Anni Schmidt
Teil 3: Achim Becker
Teil 4: Sabine Valentin
Teil 5: Alfons Kissling

 

von Philipp Lauer

Voriger Artikel
Nächster Artikel