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Bunte Spiele gegen grauen Kliniksalltag

Danke fürs Ehrenamt Bunte Spiele gegen grauen Kliniksalltag

Silke Schleicher gehört zu den Freiwilligen, die von Anfang an mit dabei waren beim Projekt „Kind im Krankenhaus“. Menschen in schwierigen Lebenslagen zu begleiten, das ist die 56-Jährige von Berufs wegen gewohnt.

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Für Silvia Schleicher (rechts) war es eine riesige Überraschung, als Reinhold Beck, Geschäftsführer des Ehrenamts-Fördervereins und Tochter Marlene Schleicher mit Blumen, Urkunde und einem Gutschein vorbeikamen, um danke zu sagen.

Quelle: Carina Becker

Marburg. Ein Mittwochnachmittag in der Kinderklinik auf den Lahnbergen. Silke Schleicher hat Dienst. Sie sitzt im Spielzimmer, zusammen mit einer Gruppe Kinder und einer Kollegin. Bastelsachen liegen ausgebreitet auf dem Tisch - Sterne aus Glanzpapier werden hervorgesucht.

Da steuert Silke Schleichers Tochter Marlene in Begleitung zweier fremder Menschen auf die kleine Gruppe zu, die in dem Raum sitzt, den man gut vom Foyer der Kinderklinik einsehen kann. Silke Schleicher ist irritiert. „Was machst du denn hier?“, fragt sie ihre 26-jährige Tochter ganz erstaunt. Marlene Schleicher grinst. Die Antwort bekommt ihre Mutter von Reinhold Beck, dem Geschäftsführer des Vereins zur Förderung des Ehrenamts. „Wir sind hier, um Ihnen danke zu sagen, Frau Schleicher!“ Und dann führt Beck aus, worum es geht. Darum, den Menschen, die sich für andere einsetzen, etwas zurückzugeben. Ihnen stellvertretend für alle Ehrenamtlichen zu sagen: „Toll, dass Sie das hier machen.“

Silke Schleicher verfolgt Reinhold Becks Worte mit offenem Mund. „Jetzt muss ich mich erstmal hinsetzen“, sagt sie, unterdrückt ein paar Tränen und schaut ihre Tochter an: „Hast du das etwa in die Wege geleitet?“ Ja, das hat sie. Weil Silke Schleicher zu den 15 Menschen gehört, die Woche für Woche ganz selbstverständlich den Weg in die Kinderklinik auf sich nehmen, um dort zwei Stunden lang für Kinder da zu sein. Für Kinder, denen das Spielen und Basteln gegen den Stress und die belastende Atmo-sphäre im Krankenhaus hilft.

„Die Eltern schütten hier ihr Herz aus“

Für Kinder, deren Geschwister oder Eltern krank in der Klinik liegen. Aber auch für Kinder, die selbst Patienten sind und zugleich gesund genug, um mit den anderen zu spielen. „Kinder um sich zu haben, das ist doch das Schönste, was es gibt“, sagte die dreifache Mutter und Ehefrau. Deshalb sei es für sie auch ein klarer Fall gewesen, als der Kinderschutzbund vor acht Jahren nach Freiwilligen suchte fürs Projekt „Kind im Krankenhaus“. „Da hab ich mich sofort gemeldet.“

Und seither gehört das Spielen und Basteln im Klinikum, die Zeit mit den Kindern, deren Eltern froh über die Betreuung sind, für Silke Schleicher zum Alltag. „Es macht mir sehr viel Spaß“, sagt die 56-Jährige, die seit 1994 am Uniklinikum als Arzthelferin in der Nuklear-Medizin arbeitet. „Früher war ich Arzthelferin bei einem Dorfarzt und ich bin oft zu Hausbesuchen mitgefahren - da habe ich viel gehört und gesehen“, erzählt sie und erklärt damit, dass sie den Umgang mit belastenden Situationen im Krankenhaus gelernt hat.

„Manchmal ist es schon schwierig. Die Kinder sind traurig, wenn Eltern oder Geschwister im Krankenhaus liegen - oder die Eltern schütten hier ihr Herz aus, weil die Sorge ums kranke Kind so groß ist.“ Silke Schleicher ist dann da. Sie hört zu und spendet Trost. Ist für die Kinder da, die gut untergebracht sind gemeinsam mit Gleichaltrigen in einem Raum voller Spielsachen. „Zeit ist eben einfach das Kostbarste, was man Menschen schenken kann“, sagt sie.

An dem Mittwochnachmittag im Spielzimmer des Kinderklinik-Foyers herrscht eher wenig Betrieb. Vier Kinder sind dort. „Manchmal sind es auch nur zwei, manchmal über zehn“, berichtet Schleicher. Platz und Spielmöglichkeiten gibt es genug - in kleinen Mattenhäusern können die Jungen und Mädchen sich verkriechen, in der Kinderküche können sie Kochen, Backen und Familie spielen. Ein Ort, der sich wohltuend abhebt vom Krankenhaus. „Für Kinder sind Kliniken ein angstbesetztes Umfeld - es ist schön, wenn sie dann hier ankommen können“, sagt Silke Schleicher. Sie weiß, dass für das Projekt immer wieder mal Helfer gesucht werden vom Kinderschutzbund. „Wer hier mitarbeiten möchte, muss vor allem zuverlässig sein“, betont sie.

Für Silke Schleicher ist der Einsatz im Krankenhaus das erste Ehrenamt. Es soll nicht ihr letztes sein, hat sie sich fest vorgenommen. Die 56-Jährige freut sich auf den Ruhestand. „Dann will ich noch mehr machen“, sagt sie und lächelt.

von Carina Becker

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