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Anni Schmitt kümmert sich

Danke fürs Ehrenamt Anni Schmitt kümmert sich

Besuch bei der pflegebedürftigen Nachbarin lässt Anni Schmitt aus Wehrda höchstens ausfallen, wenn sie selbst krank ist. Für andere da zu sein, das ist die Lebensaufgabe der 82-Jährigen.

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Durch den Adventskranz betrachtet: Anni Schmitt stellt für Nachbarn, Freunde und Bekannte alljährlich festliche Gestecke zusammen – eine ihrer vielen Aufgaben, um anderen etwas Gutes zu tun.

Quelle: Carina Becker

Wehrda. Es ist ein Tag mitten in der Woche, der Dezember naht. Und Anni Schmitt aus Wehrda bereitet sich auf den Advent vor. Genauer gesagt: Sie bereitet Geschenke für andere vor. Kränze binden, damit Adventskerzen die Wohnzimmer von Familienmitgliedern und Nachbarn erhellen oder die Räume von der christlichen Gemeinschaft in Wehrda schmücken. Das macht die 82-Jährige in jedem Jahr so. „Sie freuen sich doch alle so darüber.“

Die Wehrdaerin, die sich das Kümmern und Helfen zur Lebensaufgabe gemacht hat, weiß nicht, dass sie an diesem Tag einen besonderen Dank erhalten soll. Sie weiß nur, dass ihre Schwiegertochter Christiane Schmitt ungewöhnlich energisch war, als sie ihr mitteilte: „Anni, ich fahre heute mit dir die Sachen für die Kränze einkaufen. Und es muss heute sein, sonst habe ich keine Zeit. Halte dich also bitte frei.“

Sie hat immer etwas anderes vor

Über diese Ansage musste die 82-Jährige sich schon wundern. „Eigentlich hatte ich ja was anderes vor“, sagt sie und lacht. So ist das bei Anni Schmitt. Sie hat eigentlich immer etwas anderes vor. „Die Tage gehen einfach viel zu schnell vorbei“, sagt die umtriebige Wehrdaerin, bei der es fast keinen Tag ohne bestimmte Aufgabe gibt. So ist beispielsweise der Freitagnachmittag seit weit mehr als zehn Jahren dem immer gleichen Zweck gewidmet.

Einen Kuchen einpacken und die Nachbarin besuchen, die durch einen Behandlungsfehler pflegebedürftig wurde und die Besuche so dringend braucht. „Wenn sie mal nicht hingehen kann, hat sie ein schlechtes Gewissen“, erzählt die Schwiegertochter und Anni Schmitt sagt: „Es ist wichtig, dass ich dort bin. Jeder braucht Menschen, die einem zuhören, mit denen man über alles reden kann  – und dafür bin ich dann da.“

Überraschungsgast mit Geschenken

Doch heute steht einmal Anni Schmitt selbst im Mittelpunkt. Reinhold Beck, Geschäftsführer des Vereins zur Förderung des Ehrenamts im Landkreis, kommt als Überraschungsgast mit Geschenken, einer Einladung zu Brunch und Varieté vorbei. Er kommt, um Danke zu sagen. Denn Anni Schmitt gehört zu den fünf Menschen, die in diesem Jahr in der Kampagne „Danke fürs Ehrenamt“ (siehe Hintergrundkasten) ausgezeichnet werden. „Das ist ja peinlich“, seufzt die 82-Jährige, die nicht im Vordergrund stehen will, die es gewohnt ist, dort zu wirken, wo andere oft nicht einmal hinsehen. „Das ist das, was ich so schlimm finde. Wenn jemand krank wird, dann kommen die Besucher in der ersten Zeit regelmäßig, manchmal sogar einige Jahre lang. Aber irgendwann schaut niemand mehr vorbei“, erzählt sie über die Erfahrungen aus ihrem freiwilligen, selbstorganisierten und unbezahlten Dienst in der Nachbarschaftshilfe.

Die 82-Jährige hat schon viele kranke Menschen betreut und gepflegt, auch zu Zeiten, wo die häusliche Pflege noch nicht so gut organisiert war und wo manche Nachbarn ohne ihre tägliche Hilfe wohl nicht in ihren Häusern hätten bleiben können. „Für mich ist das selbstverständlich“, sagt die Wehrdaerin, „es wäre doch schade, wenn man Gaben hat und sie nicht einsetzt.“ Den „Dienst an ihrem Nächsten“, wie sie es formuliert, erfüllte Anni Schmitt auch zu Zeiten, wo sie stark ausgelastet war, als jüngere Frau mit ihren drei kleinen Kindern oder in späteren Jahren mit ihrem kranken und pflegebedürftigen Mann Herbert, der nun bereits seit einigen Jahren verstorben ist.

Die Kraft dafür, die komme aus ihrem christlichen Glauben, sagt die Wehrdaerin und erzählt, dass Freunde und Bekannte ihr häufig sagen, sie möge doch auch mal an sich denken. „Aber ich mache das aus meinem Inneren heraus. Ich mache das, weil ich denke, dass es so richtig ist.“ Anni Schmitt spürt bei jedem ihrer Einsätze, dass es sich lohnt, für andere da zu sein, dass es glücklich macht, zu helfen und zu geben. „Ich bin dann zufrieden. Es ist schön, die Verbundenheit zu erleben und die Dankbarkeit.“

 
Hintergrund
Im September dieses Jahres rief der Verein zur Förderung des Ehrenamts im Landkreis zur Nominierung auf: Wer leistet ohne Bezahlung etwas Besonderes für andere Menschen? Das war die Leitfrage. 36 Vorschläge gingen bei der Jury der Kampage „Danke fürs Ehrenamt“ ein – 36 beeindruckende Geschichten über freiwilliges Engagement. Die Jury hat fünf Preisträger ausgewählt, ihnen Danke gesagt und sie beschenkt bei einem Überraschungsbesuch daheim oder an ihren Wirkungsstätten. Die OP stellt diese fünf Menschen in dieser Woche vor – bis einschließlich Samstag, dem Internationalen Tag des Ehrenamts. Fünf beispielhafte Geschichten über Menschen, die für andere da sind.
 

von Carina Becker

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