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Waffelhörnchen schmecken auch ohne Eis

Besser-Esser Waffelhörnchen schmecken auch ohne Eis

Es ist nichts Außergewöhnliches, wenn einem in diesen Tagen bei Besuchen Weihnachtsplätzchen oder Neujahrskreppel gereicht werden. Else Scharf bietet ihren Gästen etwas ganz Besonderes an: Neujahrshörnchen.

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Leckere Hörnchen, zubereitet von Hobbyköchin Else Scharf.

Quelle: Hartmut Berge

Marburg. In der hiesigen Region kennt man das kegelförmige Backwerk als Eiswaffel. Sie schmeckt recht lecker, wenn sie in der Eisdiele frisch befüllt wird, eher pappig als aufgetautes Eiswaffelhörnchen aus der Tiefkühltruhe.
Dass solches Backwerk nicht als essbarer Behälter von leicht schmelzender Eiscreme erfunden wurde, erfährt man von der 86-jährigen Else Scharf.

Sie lebt seit 1963 in Marburg, stammt aber aus Westfalen. „Bei uns zu Hause hat das Backen von Neujahrshörnchen Tradition“, sagt sie, und weiß, dass sich auch in Holland und Ostfriesland die selbst gebackenen Hörnchen stets großer Beliebtheit erfreuten.  „Sie werden meist in der Weihnachtszeit oder zwischen den  Jahren gebacken und im Bekannten- und Verwandtenkreis verschenkt“, berichtet die rüstige Hobbybäckerin.

Bis in die 1930er-Jahre buk man in ihrem Elternhaus diese hauchdünnen Waffeln mit langen Stangeneisen. Die könne  man heute nur noch in Museen bewundern, sagt sie. „Die Eisenplatten am Ende der Stangen waren oft kunstvoll mit Mustern wie Herzen oder Familienwappen verziert“, erinnert sich die 86-Jährige. Gerne denkt sie an die Zeit zurück: „Das waren gemütliche Stunden.“ Gleichwohl sei das Backen mit den Eisen eine mühevolle Arbeit gewesen, für die man zwei Personen benötigte.

Ihre Mutter und eine Tante backten meist zwischen den Jahren Neujahrshörnchen. „Zuvor wurden die Chromstangen am Herd mit Tüchern umwickelt, damit sie durch die Eisenstangen nicht beschädigt wurden“, beschreibt sie die Vorarbeiten. Wenn der meist tags zuvor zubereitete Teig bereitstand und auch alles hergerichtet war, entfernte man die Innenplatte des Herdes. „Gebacken wurde immer über offenem Buchenholzfeuer“, berichtet Else Scharf. Die Eisenplatten wurden mit einer Speckscheibe gefettet, dann wurde eine Platte mit etwa einem Esslöffel Teig befüllt. Man schloss das Backeisen und wendete es mehrfach. Am Ende der Backzeit nahm die zweite Person das Plätzchen von der Platte und rollte es zum Hörnchen. Wie heute noch musste das sehr schnell geschehen, denn schon nach wenigen Sekunden ist der Teig nicht mehr formbar.

Elektrische Geräteverdrängen Waffeleisen

Als Gasöfen und elektrische Küchenherde die alten Holz- und Kohleherde aus der Küche verdrängten, verschwanden auch die alten Waffeleisen. Zur gleichen Zeit kamen die elektrischen Waffeleisen auf den Markt, zunächst für die dickeren, dann aber auch für die hauchdünnen Waffeln. Längst sind die Geräte mit Thermostaten versehen, beide Platten werden gleichmäßig beheizt, Alarm-Ampeln zeigen einem an, wenn das Backwerk fertig ist. Man muss sich nur noch für eine passende Heizstufe entscheiden. Else Scharf hat die westfälische Backtradition mit nach Marburg gebracht und stets gepflegt.

Sie habe hier in der Region lange suchen müssen, bis sie  ­Geräte für Eiswaffeln auftreiben konnte, berichtet sie. Heute sei das auch in Marburg kein Problem mehr. Die vielen technischen Verbesserungen, wie die beschichteten Platten, weiß sie zu schätzen: „Das erleichtert einem die Arbeit.“ Gleichwohl hätten die Waffeln mit den historischen Waffeleisen am besten geschmeckt, versichert sie und vermutet, dass das Raucharoma des Buchenholzes den entscheidenden Ausschlag gab.

Ein weiterer Vorteil der alten Waffeleisen: Sie waren praktisch unzerstörbar. Das kann man von den mittlerweile recht preisgünstigen elektrischen Waffeleisen nicht behaupten. „Ich habe in meinem Leben schon viele verschlissen“, gibt Else Scharf schmunzelnd zu.

Das muss einen nicht wundern, denn sie backt die leckeren Hörnchen nicht nur um die Weihnachtszeit und zwischen den Jahren. „Auch im Sommer schmecken die Hörnchen sehr gut mit Eis oder Sahne gefüllt und sind oft ein schönes Mitbringsel“, sagt sie.

Dank ihrer bevorzugten Zutaten – wie jetzt im Winter Zitrone, Zimt und Anis – schmecken die Hörnchen so lecker, dass die Marburgerin sie am liebsten ohne Füllung zu Tee oder Kaffee genießt. An ihrem Backwerk  lässt sie viele Mitmenschen teilhaben, beschenkt Freunde, Bekannte und Verwandte und backt auch schon mal Hörnchen für einen Basar.

Wenn sie zum Backen in der Küche steht, sind stets zwei Eisen im Einsatz, alles ist perfekt vorbereitet, die Abläufe sind klar strukturiert. „Und ich wähle eine Tageszeit aus, während der möglichst wenig das Telefon klingelt.“ Denn bei der Hörnchenproduktion lässt sie sich nicht unterbrechen. Als geübte Bäckerin formt sie die Hörnchen nicht mit einem kleinen Kegel, wie er meist den Automaten beiliegt, sondern mit der Hand. „Alles Übungssache, man bekommt allerdings heiße Finger“, sagt sie. Die Marburgerin empfiehlt, die Waffelhörnchen in einer Blechdose aufzubewahren. „Darin bleibt das Backwerk lange knusprig.“ Demnächst wolle sie die Hörnchen auch mal mit weniger Zucker backen, um sie mit einer herzhaften Füllung auszuprobieren, kündigt die 86-Jährige an.

von Hartmut Berge

 
 
DAS REZEPT
Hörnchenteig
von Else Scharf
  • 500 Gramm Mehl
  • 375 Gramm Zuckern
  • 250 Gramm Margarinen
  • vier Eiern
  • Saft einer Zitronen
  • einen halben Teelöffel Zimt
  • etwas Wassern Anis nach Geschmack
  • Kein Backpulver!
Die Zutaten cremig schlagen, Wasser und Mehl einrühren, bis der Teig die Konsistenz von Pfannkuchenteig hat. Den Teig möglichst am Tag vor dem Backen zubereiten.
 
 
 
Waffeleisen
Herkunft

Im 12. und 13. Jahrhundert waren die Waffeleisen in Frankreich verbreitet, um 1300 in den Niederlanden, ab dem 14. Jahrhundert sind sie in ganz West- und Mitteleuropa nachweisbar.

Vorformen gab es in Schweden und Norwegen, wo man in Frauengräbern aus der Wikingerzeit Backeisen mit runden Platten aus dem siebten bis zehnten Jahrhundert, fand, sie hatten allerdings noch keine Verzierungen.

Im 9. Jahrhundert ist ein Waffeleisen in der Normandie erwähnt, das möglicherweise zum Backen von Hostien diente. Die Entwicklung solcher Eisen lief, so die Vermutung des Volkskundlers Ernst Thiele, im kirchlichen und nichtkirchlichen Bereich parallel.

Technik

Waffeleisen bestehen aus zwei Eisenplatten. Die Innenseite trägt ein durchstrukturiertes Waben- oder Dreiecksmuster, eine Inschrift oder Bildmotive, als Negativmatrize für die künftige Waffelform. Es werden immer zwei Eisen benötigt, ein Unterteil und ein darauf passendes Oberteil. In der Regel sind beide Teile zangenartig mit einem Scharnier miteinander verbunden und mit zwei Stäben als Griff ausgestattet.

Beim Backen auf offenem Feuer waren lange Stiele erforderlich.Die Waffeleisen wurden seit dem Mittelalter von Hand geschmiedet. Mit der Industrialisierung wurden sie seriell aus Gusseisen ohne besonderen individuellen Schmuck gefertigt. Seit dem 15. Jahrhundert wurden in Frankreich die ursprünglich nur runden Platten auch in rechteckiger Form hergestellt. Diese Praxis breitete sich von den Niederlanden bis ins Brandenburgische aus.

Andere Regionen (Süddeutschland, Österreich, Schweiz, Ostfriesland, Westfalen, Niedersachsen) hielten ganz oder überwiegend an den runden Eisen fest. 1903 wurde dem aus Italien stammenden US-Amerikaner und Eisverkäufer Italo Marchiony ein Patent auf ein Waffeleisen zur Herstellung von Eiswaffeln erteilt.

Der New Yorker gilt daher als Erfinder des Eishörnchens. Moderne Waffeleisen werden elektrisch beheizt und sind mit einer Antihaftbeschichtung und mit einem Temperaturregler ausgestattet.

 
 
Tag der Waffel

Der 24. August steht in den USA ganz im Zeichen des Waffeleisens. Denn am 24. August 1869 erhielt der Amerikaner Cornelius Swarthout aus Troy, New York, das Patent für ein Gerät, mit dem man Waffeln backen konnte. Kurzum, er hatte sich das patentieren lassen, was wir heute allgemein unter dem Begriff Waffeleisen kennen.

Obwohl der Nationale Tag der Waffel auch in den USA eher in die Kategorie kuriose Feiertage fällt, die nicht unbedingt der breiten Öffentlichkeit bekannt sind, gibt es doch einige bekannte Aktivitäten: So feiern viele amerikanische Restaurants den Waffeltag mit Sonderangeboten oder speziellen Waffel-Kreationen.

Besonders in Troy im Bundesstaat New York, Heimatstadt von Cornelius Swarthout, wird dieser historische Bezug für entsprechende Aktionen und Events genutzt. Exemplarisch kann man auf die lokale Brauerei Brown’s Brewing Company verweisen, die jedes Jahr im Zeitraum vom 19. bis zum 24. August ihre eigene Waffle Week (Waffel-Woche) feierlich begeht.

Dabei ist der amerikanische National Waffle Day (dt. Nationaler Waffel-Tag beziehungsweise Nationaler Tag der Waffel) aber keineswegs mit dem International Waffle Day zu verwechseln. Der wird nämlich in Schweden immer am 25. März unter dem Namen Våffeldagen begangen.

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