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Tomate will trocken in die Nacht

Besser Esser Tomate will trocken in die Nacht

Tomaten enthalten jede Menge Vitamine sowie Mineral- und Ballaststoffe, sie sind förderlich für die Gesundheit und Fitness, und sie sorgen sogar für gute Stimmung.

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Gerhard Kurz ist Tomatenexperte. Jährlich verkauft er in seiner Gärtnerei 3000 selbst gezüchtete Tomatenpflanzen.

Quelle: Tobias Hirsch

Bellnhausen. Zurzeit gibt es in den Obst- und Gemüseregalen der Lebensmittelmärkte „essbaren Wolfspfirsich“ in Hülle und Fülle. Die Botaniker haben dereinst die Tomate Lycopersicon lycopersicum getauft. Lycopersicon heißt übersetzt Wolfspfirsich. Immerhin wusste man seinerzeit bereits, dass die Frucht genießbar ist. Als Christoph Kolumbus die ersten Pflanzen aus Südamerika mit nach Südeuropa brachte, hielt man sie zunächst als Ziergewächs in den Gärten.

Vor allem in Italien begannen findige Gärtner, aus der ehemals gelbschaligen, kleinen Tomate neue schmackhafte Früchte zu züchten. Wen wundert es da, dass der geneigte Italiener die Tomate heute noch liebt? Längst hat das Nachtschattengewächs die ganze Welt erobert. Es gibt inzwischen Tomaten in unzähligen Formen und Farben. Die schmackhaftesten sind nach altbewährtem Verfahren durch aufwändige Kreuzungen entstanden. Andernorts baut man längst auf die „super widerstandsfähige“ Gentomate.

Doch viele herkömmlich gezüchtete, aber in kalten Regionen gewachsene Tomaten schmecken nach nichts, werden als „schnittfestes Wasser“ verspottet. Ausgerechnet in den USA, in denen die Lebensmittelindustrie inzwischen weitgehend auf die Gentechnik setzt, wollen Wissenschaftler herausgefunden haben, warum die Massentomate aus dem Supermarkt quasi geschmacksneutral ist. Schuld daran seien die Züchter, die seit Jahrzehnten nur auf eine schöne, gleichmäßige rote Farbe aus seien und dabei den Geschmack vernachlässigt hätten, behaupten die Forscher.

Gärtnerei Kurz verkäuft jährlich 3000 Tomatenpflanzen

Dass dies nur die halbe Wahrheit ist, erklärt Gerhard Kurz, Seniorchef der Gärtnerei Kurz in Gladenbach-Bellnhausen. „In Holland beispielsweise wachsen die billigsten Tomaten auf Glaswolle, bekommen nur Nährstofflösung und Wasser.“ Welche Bedeutung der Boden für den Geschmack haben kann, wisse man ja vom Weinanbau.

In der Bellnhäuser Gärtnerei steht die Tomatenpflanze zwar nicht im Mittelpunkt von Produktion und Verkauf. Sie wird bei der Kundschaft aber immer beliebter. „Wir verkaufen mittlerweile 3 000 selbst gezogene Tomatenpflanzen“, berichtet Gerhard Kurz.

Das ausgesuchte Saatgut bezieht die Gärtnerei von Zuchtbetrieben, baut dabei auf bewährte Sorten, probiert aber immer wieder neue aus. Darüber hinaus wurden in diesem Jahr 2 000 aus Sämlingen gezogene veredelte Tomaten und Gurken verkauft, 800 davon direkt im Bellnhäuser Gartencenter, die übrigen werden an Geschäfte und Märkte geliefert.

„Die veredelten Sorten, wir verkaufen sie seit etwa 13 Jahren, werden auf starke Unterlagen gepfropft, unsere Gurken beispielsweise auf Kürbispflanzen“, erklärt Gerhard Kurz. „Wir haben Kunden, die haben von einer Pflanze bis zu hundert Mini-Schlangengurken geerntet“, sagt der 66-Jährige. Auch bei den veredelten Tomaten sind die Ernteerträge durchaus höher als bei gewöhnlichen Sorten. „Vor allem sind die Veredelten robuster, nicht so anfällig gegen Krankheiten“, weiß der Seniorchef, der sich im Betrieb um Großhandel und Produktion kümmert.

Gelbe Tomaten enthalten weniger Säure als rote

Seit ein paar Jahren zählt die Tomate verstärkt zu den Hobbys des Profi-Gärtners. In diesem Jahr stehen etwa 40 Stöcke in den Gewächshäusern. Und er erntet reichlich, viel mehr, als die Familie essen kann. Doch von den schmackhaften Früchten kommt nichts um. Im Floristik- und Blumengeschäft der Gärtnerei in der Gladenbacher Kernstadt verkauft seine Frau Brigitte die übrigen Tomaten – und hat dafür reichlich Kundschaft. Weil‘s den Leuten so gut schmeckt, will Gerhard Kurz sein Hobby ausweiten, neue Sorten ausprobieren. Er denkt auch darüber nach, dass der Famlienbetrieb in Bellnhausen ein Tomatenseminar mit einem externen Experten oder eine Verkostung anbieten könnte.

„Es gibt genügend interessierte Kunden und Hobbygärtner“, ist er sich sicher. Wer Tomaten selbst anbauen will, erhält selbstverständlich bei Gerhard Kurz und seinem Sohn, Juniorchef und Gärtnermeister Stefan Kurz, fachmännischen Rat.
Zu den Sorten, die der Seniorchef in Pflanzkübeln zieht, zählt die sehr schmackhafte gelbe „Locarno“. Sie enthalte weniger Säure als rote Tomaten und sei daher magenfreundlicher, sagt Kurz.

Sehr lecker schmeckt auch die schokoladenbraune „Kakao“. Sie ist saftig-süß, eignet sich gut für Salate, mundet auch pur aus der Hand. Gerhard Kurz lässt uns auch eine „Sportivo“ kosten, eine ausgesprochene Geschmackstomate. Auch die gibt es als „normale“ Pflanze oder in veredelter Form. Die schnittfeste, längliche Minitomate „Caprese“ schmeckt so lecker, dass sie es vermutlich bei manchem Tomatenliebhaber nicht bis aufs Brot oder in den Salat schafft, sondern gleich nach dem Pflücken verputzt wird. Sie ist sehr fleischig und schmeckt würzig. Als beliebte Cherrytomate hat er „Dolce Vita“ im Sortiment.

Immer mehr Menschen haben Faible für Tomaten

Die Früchte sind süß-aromatisch und perfekt zum Naschen geeignet. Durch ihren Geschmack und ihr Aussehen besticht die italienische Ochsenherztomate „Gourmandia“. Sie schmeckt besonders würzig. „Sie bringt auch erfreulich hohe Erträge“, versichert der Seniorchef. Wer Tomaten selbst ziehen möchte, dem empfiehlt Gerhard Kurz den Kauf von Qualitätsblumenerde. „Sie sollte gut durchlüftet und gut durchdüngt sein“, betont er. Die Tomatenpflanze müsse regelmäßig gegossen werden. Aber: „Niemals abends gießen.

Die Tomate will trocken in die Nacht gehen“, sagt der Fachmann. Beim Gärtner seines Vertrauens sollte man sich bei der Auswahl des Samens oder der Pflanzen und des Düngers beraten lassen. Das Ziehen unter Folie sei förderlich fürs Wachstum der Pflanze und Reifen der Früchte, sagt Gerhard Kurz. Auch auf dem Balkon oder regengeschützt an der Südwand eines Gebäudes gelinge die Tomatenzucht, vor allem bei veredelten Sorten, versichert der Gärtner. Der Bellnhäuser freut sich, dass immer mehr Menschen ein Faible für Tomaten entwickeln und empfiehlt allen, die es noch nicht probiert haben, gleich im nächsten Jahr mit dem Ziehen eigener Pflanzen zu beginnen. „Von Juli bis September wird man für die Mühe belohnt“, versichert er.

von Hartmut Berge

Fotos: Tobias Hirsch

Das Rezept

Gefüllte Tomaten

  • acht große Tomaten
  • eine mittelgroße Zwiebel
  • eine Knoblauchzehe
  • eine Tasse Reis
  • Petersilie und Minze oder nur Oregano
  • Salz, Pfeffer Zucker
  • sechs Esslöffel Olivenöl
  • eine halbe Tasse Brühe

Backofen bei Umluft auf etwa 220 Grad vorheizen. Die Tomaten waschen, den Stielansatz ausschneiden, an der Tomate einen Deckel zum Aufklappen einschneiden. Dann die Tomaten mit einem „scharfen“ Löffel aushöhlen, das Innere auffangen und durch ein Sieb streichen, die Zwiebel schälen und in feine Würfeln schneiden, Petersilie waschen, trocknen (schleudern) und hacken, die Knoblauchzehe schälen.
Die aufbewahrte Tomatenflüssigkeit mit Reis, Zwiebel, Petersilie, zwei Esslöffeln Öl, einer Prise Salz und etwas Pfeffer mischen, den Knoblauch pressen oder fein gehackt hinzugeben.
Die Tomatenhüllen werden mit ein wenig Zucker ausgestreut, anschließend mit der Reis-Tomatenmischung gefüllt, dann kommen die Deckel wieder auf die Tomaten. Man platziert die Tomaten in eine mit Öl ausgepinselte feuerfeste Form und gart das Ganze im Backofen etwa 75 Minuten lang.

Die Fakten
Die Herkunft der Tomate
Tomaten stammen urspünglich aus Südamerika. Indianische Ureinwohner entdeckten sie als erste und nannten sie „tumatle“. Die Azteken nutzten sie in Mexiko als Heilpflanze. Erst Kolumbus und spanische Eroberer brachten sie nach Europa. Die zuerst als Liebes- oder Paradiesapfel bezeichnete Tomate wurde noch für giftig gehalten. In Deutschland wurden sie erst ab 1890 erwerbsmäßig angebaut. Inzwischen sind Tomaten das mengenmäßig am meisten verzehrte Gemüse in Deutschland.
Reife Früchte sind gesund
Tomaten besitzen den Inhaltsstoff Lycopin, der vor bestimmten Herzerkrankungen und Arteriosklerose schützen soll. Er findet sich auch in anderen roten Früchten und Gemüse, zum Beispiel Wassermelonen und rosa Grapefruit. Sie enthalten auch Mineralstoffe, wichtige Spurenelemente  und sie haben einen hohen Anteil an Vitamin C. Unreife, grüne Tomaten sollte man aber nicht essen. Sie beinhalten die Substanz Tomatidin, die giftig ist.
Vielfalt ist kaum überschaubar
Es gibt über 2500 Tomatensorten, jährlich kommen neue dazu. Ihre Farben reichen von Gelb bis zu Schwarz-Rot. Es gibt Tomaten mit der Größe einer Kirsche, aber auch Riesentomaten, die ein Kilogramm wiegen können. Wichtig sind ihre Resistenz gegenüber Schädlingen und Krankheiten.
Spanisches Tomatenfest
Im spanischen Ort Buñol findet jährlich im August das berühmte Tomatenfest „La Tomatina“ statt. Dabei bewerfen sich die 10 000 Einwohner sowie viele Touristen mit überreifen Tomaten, die tonnenweise extra für das Fest mit LKWs auf die Straßen gekippt werden. Es kommen bis zu 40 000  Besucher zu der Tomatenschlacht. Nach einer Stunde hat die „Schlacht“ ein Ende.
Tomatanaufzucht kann jeder

Die Tomatenaufzucht benötigt einen frostfreien, hellen und warmen Standort, in Deutschlands gemäßigtem Klima sollten Tomatenpflanzen zuerst vorgezogen werden. Dazu sucht man einen Standort im Haus, Zugluft sollte vermieden werden. Bei einem Fensterplatz sollte erst Mitte April gesät werden, in einem Gewächshaus oder im Wintergarten schon ab März, dort gibt es mehr Licht für die Pflänzchen.

In flachen Behältern wie Anzuchtschalen können die Tomatensamen in 0,5 Zentimeter tiefe Löcher hineingelegt werden. Diese werden danach wieder mit Erde verschlossen. Die Erde sollte mehrmals am Tag angefeuchtet werden. Sobald sich das dritte Keimblättchen zeigt, können die Pflänzchen in einzelne größere Planzentöpfe pikiert werden. Damit sie nicht welken, sollten sie zwei bis drei Stunden davor nochmal gegossen werden.  Mit einem Pikierstab können die Pflänzchen vereinzelt, ohne die Wurzeln zu verletzen, in Töpfe versetzt werden. Dosiertes Einsprühen mit Wasser und das Vermeiden von starker Sonneneinstrahlung sollten in den nächsten drei Tagen verhindern, dass die pikierten Pflänzchen welken.

Mit einigen Zentimetern Wuchshöhe sind Tomatenpflanzen schließlich bereit zur Auspflanzung ins Freie. Dafür muss es frostfrei bleiben und der Boden sollte fruchtbar und nicht zu feucht sein. Sandiger Lehmboden mit guter Düngung eignet sich am besten. Die Tomatenpflanzen benötigen ab einer gewissen Höhe eine Stütze für ihren Stamm, damit sie nicht von der Last der Tomaten brechen. Von Ende Juli bis Oktober sind die Tomaten schließlich ausgereift und können geerntet werden.
Quelle: tomaten.de

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