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Märchenhafte Mhhhhhmmarmelade

Besser Esser Märchenhafte Mhhhhhmmarmelade

Tomaten als Salat oder als Suppe, das kann jeder und das kennt jeder. Aber in Form von süßer Marmelade? „Das schmeckt super“, verspricht Marmeladen-Expertin Marika Hahn und legt gleich darauf los.

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Marika Hahn ist Marmeladenköchin und verkauft ihre Marmeladen 
als Selbstvermarkterin in Oberrosphe.

Quelle: Katharina Kaufmann

Oberrosphe. Wenn bei Marika Hahn Marmelade gekocht wird, ist das oft auch ein kleines Familientreffen. „Bei uns helfen alle mit. Das ist toll“, schwärmt Tochter Stefanie. Marika Hahn redet dann von „ihrem Familienbetrieb“. Einmal die Woche kocht die 49-Jährige in der Regel Marmelade. In der Frucht-Hochsaison teilweise auch zwei- bis dreimal. Die Früchte bringen häufig Hahns Eltern vorbei, bei der Verarbeitung helfen dann auch Mann, Schwiegersohn und Tochter mit.

„Ich bin damit groß geworden. Bei uns wurde alles eingekocht, was im Garten und im Wald wuchs“, erklärt Marika Hahn wie sie zu ihrem Hobby kam. Als eingetragene Selbstvermarkterin verkauft die Oberrospherin mittlerweile die Produkte aus ihrem „Mhhhmarmelädchen“ vor allem während der Ausstellungen „Gartenkunst Frauenart“ in Caldern.

Zum Kochen geht es ins Hahnsche „Marmeladen-Stübchen“, direkt neben der Familienküche. Dort ist alles vorhanden, was man zum Kochen von Marmelade braucht – und zur Herstellung von Chutneys, Sirups und Likören. „Wir stellen aus Obst und Früchten nämlich mehr her als nur Gelees und Marmeladen“, sagt Hahn und zeigt auf die angesetzten Liköre. Mirabellen schwimmen in einer Flasche, Heidelbeeren in einer anderen.

Tomaten als Salat oder als Suppe, das kann jeder und das kennt jeder. Aber in Form von süßer Marmelade? „Das schmeckt super“, verspricht Marmeladen-Expertin Marika Hahn und legt gleich darauf los.

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Dafür zeichnen hauptsächlich Ehemann und Schwiegersohn verantwortlich. „Die toben und probieren sich da richtig aus“, erzählt die 49-Jährige und lacht. Gemeinsam mit ihrer Tochter widmet sie sich dann ganz der Marmelade. „Da probieren wir die verschiedensten Sachen und Kombinationen aus“, ergänzt die 25-jährige Stefanie. Eine Mischung von Obst mit Basilikum zum Beispiel, eine andere mit Balsamico-Essig oder exotischen Gewürzen aus Indien.

Heute steht Johannisbeer-Tomaten-Marmelade auf dem Programm. Klingt seltsam, schmeckt aber köstlich, wie sich am Ende herausstellt. Die Johannisbeeren hat Hahn schon einige Stunden zuvor mit dem Gelierzucker angesetzt, „damit sie ein bisschen Saft ziehen können“, erklärt sie und stellt den Topf auf den Herd. Dann sind die Tomaten an der Reihe: heißes Wasser drübergießen, kurz einwirken lassen und dann schälen.

Anschließend wandern sie in den Topf zu den Johannisbeeren. „Die Tomaten geben der Johannisbeere das Fruchtfleisch, weil die Beeren selbst ja kaum welches haben“, sagt Hahn und rührt alles einmal kräftig durch. Den Tomaten in den Topf folgen der Abrieb und der Saft einer Zitrone, dann wird der Herd eingeschaltet.

Warme Marmelade schmeckt einfach am allerbesten

Ganz langsam macht sich ein feiner Geruch nach Tomaten in der kleinen Küche breit. Im Kochtopf beginnt es wenig später zu blubbern. „Wenn es kocht, kann man die Masse vorsichtig mit dem Pürierstab pürieren“, erläutert Marika Hahn und zieht das Gerät in langsamen Kreisen durch den Topf. Wieder und immer wieder. Bis keine Brocken mehr vorhanden sind.

Vier Minuten lang lässt Hahn die Marmelade leicht sprudelnd weiterkochen. Dann gibt es eine erste Kost- und Gelierprobe: „Wenn man den Kochlöffel aus dem Topf zieht und die Tröpfchen fest werden, dann geliert die Masse und kann vom Herd genommen werden.“ Sagt Hahn, nimmt einen Teelöffel, macht‘s vor und kostet. „Warme Marmelade schmeckt einfach am allerbesten“, schwärmt Tochter Stefanie und steckt auch einen Löffel in den Topf. Ergebnis: „Mhmmm, lecker!“

Dann muss alles ganz schnell gehen: Die Gläser hat Hahn bereits vorbereitet. Sie müssen sauber und trocken sein, ebenso die Deckel. „Am besten füllt man die Marmelade kochend heiß in die Gläser und schraubt diese direkt zu“, rät die Expertin. Dann bilde sich ein Vakuum und die Marmelade sei lange haltbar.

„Sind Sie die Marmeladenfrau“

Mit ihren Marmeladen ist Marika Hahn im Landkreis keine Unbekannte. Die tollsten Geschichten hat sie schon erlebt, eine hat sich nachhaltig ins Gedächtnis eingebrannt: „Während einer Ausstellung kam ein kleines Mädchen auf mich zu und fragte, ob sie mal die Marmeladen probieren dürfe“, berichtet Hahn und erzählt weiter: „Ich habe ihr einen Löffel in die Hand gedrückt und sie probieren lassen. Dann hab ich gefragt wie sie heißt und sie antwortet: Marika.“ So heiße ich auch, antwortet Hahn.

Dann kam die Mutter der Kleinen und fragte: „Sind Sie die Marmeladenfrau? Ich habe von einer Freundin eine Ihrer Marmeladen bekommen und auf der Rückseite des Gläschen Ihren Namen gelesen. Ich fand den so toll, dass ich gedacht habe: So nenne ich meine Tochter.“ Und da stand sie nun, die kleine Marika mit einem Löffel voll Marmelade in der Hand. Hahn war zu Tränen gerührt. „Solche Erlebnisse sind einmalig“, sagt sie heute. So einmalig wie ihre Marmeladen.

Die werden übrigens am 4., 5. und 6. September bei der nächsten Ausstellung „Gartenkunst Frauenart“ auf dem Gelände der Baumschule Kuhli in Caldern angeboten. Bis dahin hat Marika Hahn mit „ihrem Familienunternehmen“  noch einige Koch-Einsätze hinter sich zu bringen.

von Katharina Kaufmann

Das Rezept

von Marika Hahn

  • 700 Gramm Johannisbeeren
  • 300 Gramm geschälte Tomaten
  • eine Zitrone
  • 500 Gramm Gelierzucker 2:1

Die Johannisbeeren waschen und vorsichtig von den Stielen zupfen. Zusammen mit dem Gelierzucker in einen Topf geben und einige Stunden ziehen lassen. Die Tomaten mit kochendem Wasser übergießen, damit sich die Schale löst, und schälen sowie entstielen. Danach die Tomaten klein schneiden und zu den Johannisbeeren in den Topf geben. Schale von der Zitrone reiben und den Saft auspressen und beides ebenfalls in den Topf geben. Die Mischung langsam unter Rühren aufkochen, dann pürieren und leicht sprudelnd vier Minuten kochen lassen. Den Schaum abschöpfen und die heiße Marmelade in Gläser füllen. Fest zuschrauben. Fertig.
Marika Hahn ist Marmeladenköchin und verkauft ihre Marmeladen 
als Selbstvermarkterin in Oberrosphe.

(Foto: Kaufmann)

Die Fakten

Tomaten

Zu 95 Prozent bestehen Tomaten aus Wasser. Sie enthalten darüber hinaus reichlich Vitamin C, Kalium, Balaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe wie Lycopin, das auch für die rote Farbe zuständig ist. Lycopin wirkt antioxidativ und stärkt so die Immunabwehr. Zudem soll es das Risiko bestimmter Krebserkrankungen senken. Jeder Deutsche isst im Durchschnitt rund 22 Kilogramm Tomaten im Jahr. Fast die Hälfte davon wird als frische Tomate verzehrt. Allerdings werden nur sechs Prozent der in Deutschland vermarkteten Tomaten im Inland produziert.

Johannisbeeren

Johannisbeeren gehören zu den typischen Sommerfrüchten, die man in ganz Europa in mehr als 50 Sorten kennt und die es in drei Farben gibt. Doch egal ob rote, schwarze oder weiße: Alle Johannisbeeren gelten zu Recht als richtig gesund. Ganz besonders viel Gutes haben schwarze Johannisbeeren zu bieten: Sie enthalten fast doppelt so viele Ballaststoffe und etwa drei Mal so viel Vitamin C (177 Milligramm/100 Gramm) wie ihre helleren Geschwister. Für Diabetiker sind zudem die roten und weißen Johannisbeeren wegen ihres geringeren Gehalts an Kohlenhydraten besser geeignet.

So gelingt es!

Wichtig ist, betont Marika Hahn, dass das Verhältnis von Frucht zu Gelierzucker stimmt. Sprich auf ein Kilogramm Obst kommen 500 Gramm Zucker – nicht mehr und nicht weniger. „Sonst wird die Marmelade entweder gar nicht dick oder zu steif“, erklärt die Marmeladen-Köchin, die empfiehlt im Supermarkt lieber zu 2:1-Gelierzucker zu greifen: „Beim Verhältnis 1:1 wird die Marmelade sehr süß und der Frucht-Geschmack kommt nicht mehr so zur Geltung.“

Auf folgende Dinge sollte man außerdem achten:

  • Das Obst sollte keine fauligen Stellen haben oder angeschlagen sein.
  • Vor dem Kochen die Früchte kurz abspülen. „Das Obst nicht im Wasser liegen lassen, dabei verliert es an Geschmack“, erklärt Hahn.
  • Für den Kochvorgang empfiehlt die Expertin stetig zu rühren, damit die Masse nicht anhängt oder gar anbrennt.
  • Gläser und Deckel sollten fertig gewaschen und gut abgetrocknet bereit stehen. Ebenso die Deckel.
  • „Vor dem Abfüllen der Marmelade wird der Schaum abgeschöpft. Der kann in den Gläsern nachher sonst Schimmel ansetzen“, sagt Hahn.
  • Ist die Marmelade abgefüllt und fest verschraubt in den Gläsern, lässt man sie ruhen. „Am besten einen Tag lang nicht bewegen“, rät Hahn. Dann kann sie ihren ganzen Geschmack entfalten.
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