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Kleine Krabbler werden zu deftigen Delikatessen

Besser-Esser Kleine Krabbler werden zu deftigen Delikatessen

Hummer, Garnelen oder Krebse werden hierzulande als teure Delikatessen gehandelt. Doch der Gedanke beim Verspeisen von Insekten ist ganz anders und wird von den meisten Menschen als ekelerregend angesehen.

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Dieser Burger ist ein spezieller Burger, denn er enthält als "Fleischeinlage" Heuschrecken.

Quelle: Archivfoto

Marburg. In vielen Teilen auf der Welt gehören sie zu den ganz normalen Nahrungsquellen: Insekten. In Deutschland sieht das zumeist anders aus, dabei enthalten Insekten viele wichtige Nährstoffe. Vielleicht hat der ein oder andere ja schon ein mal auf Grund einer Mutprobe ein Insekt gegessen oder sich im Asien-Urlaub durch die verschiedenen exotischen Märkte probiert.  

Doch gibt es mittlerweile auch in einigen  deutschen Städten, wie Frankfurt, Köln oder Düsseldorf verschiedene Restaurants, in denen Insekten auf der Speisekarte stehen. Ob panierte Heuschrecken, Mehlwürmer oder Käfer in Schokoladenhülle: die Auswahl für Neugierige ist groß. Die von der OP befragten Restaurant- und Cafe-Besitzer im Landkreis sind sich jedoch einig: Sie  würden keine Insekten auf ihrer Speisekarte anbieten. Oliver Skopnick vom Burgcafé Amöneburg glaubt nicht, dass Insekten auf seiner Speisekarte bei den Kunden gut ankommen würden. „Aus diesem Grund würde ich keine Insekten anbieten, obwohl ich selbst damit kein Problem hätte. Aber die Bereitschaft der Leute ist nicht da. Viele empfinden es als abstoßend bis ekelhaft.“ Dabei seien zum Beispiel Meeresfrüchte von der Optik her ähnlich, „und die sind bei uns weit verbreitet, aber das ist etwas, was man kennt. Insekten zu essen hingegen nicht“, so Skopnick.

Auch wenn heutzutage in Deutschland die wenigsten auf die Idee kommen würden, Insekten zu essen, war bis Mitte des 20. Jahrhunderts die Maikäfersuppe in Deutschland und Frankreich bekannt. Zubereitet wurde sie mit ungefähr 30 Maikäfern pro Person. Die Käfer wurden anfangs in einem Mörser zerkleinert, in Butter angeröstet und dann in Fleischbrühe aufgekocht. Serviert wurde die Suppe mit Kalbsleber, Taubenbrust oder Weißbrot. In vielen Konditoreien wurden die Insekten kandiert und zum Nachtisch serviert.

Wer sich jedoch zu Hause am Insektenkochen versuchen  möchte, der wird im Internet schnell fündig. Online-Shops wie Wuestengarnele.de bieten ihren Kunden eine große Auswahl an Nudeln, Schokolade, Keksen oder Protein-Riegeln an. All diese Snacks und Getränke enthalten immer Insekten. Auch erhältlich: ein Wurm-Wasser-Wodka für den nächsten Partyabend. Rezepte und Kochbücher gibt es ebenfalls im Netz zu kaufen.
Experten sehen in den kleinen Tierchen  eine Nahrungsquelle mit viel Protein, Vitaminen und Mineralien. Mehlwürmer  sind zum Beispiel vergleichbar mit Fisch, wegen ihres wertvollen Gehalts an Omega-
3-Fettsäuren.

Eine Speise-Heuschrecke enthält zum Beispiel 48,2 Gramm Protein auf eine Menge von 100 Gramm. Für etwa zwei Milliarden Menschen auf der Welt stehen Insekten regelmäßig auf dem Speiseplan.
In Afrika und Asien werden Insekten am häufigsten gegessen. In einer Übersicht der Welternährungsorganisation (FAO) sind Käfer mit 31 Prozent die weltweit am häufigsten verzehrten Insekten. Darauf folgen  mit 18 Prozent Raupen und Bienen. Wespen und Ameisen mit rund 14 Prozent. Auch beliebt sind Heuschrecken, Grillen, Zikaden, Termiten, Libellen und Fliegen.
Die Viehzucht verbraucht weltweit viele Ressourcen, wie etwa Wasser.  Außerdem benötigt die Tierhaltung viel Platz und erzeugt große Mengen an Treibhausgasen. All dies trägt zum Klimawandel bei. Insekten verbrauchen hingegen viel weniger Ressourcen.

Auch mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung halten Experten es für wichtig, dass auch die westlichen Länder das Insektenessen für sich entdecken. Der Neurobiologe Professor Uwe Homberg von der Philipps-Universität verweist darauf, dass Insekten (vor allem Heuschrecken und Maden) zudem auch gesund seien. Bleibt das Problem der Akzeptanz der Insekten als Gericht in Europa.

Ulrich Hahn von der Vereinigung der Köche Marburg sieht hierzulande keine Chance für die kleinen Tierchen. „Mittlerweile hat sich unsere Esskultur so weit entwickelt, dass auch Ästhetik eine große Rolle spielt. Die Ablehnung gegenüber Insekten ist in unserer Gesellschaft einfach zu groß.“ Selbst in der Ausbildung an der Marburger Hotelfachschule werde das Kochen von exotischen Gerichten mit Insekten nicht gelernt. „Das steht bis jetzt noch nicht in unserem Rahmenplan, wer weiß, vielleicht irgendwann mal“, sagt Hahn.

Wie also könnten Insekten auf europäischen Speisekarten etabliert werden? Vielleicht mit einem Burger (siehe Rezeptkasten unten).
Kristian Schleich, Mitarbeiter des Restaurants „Burger Lokal“ in Marburg glaubt: „Es gibt  bestimmt eine Möglichkeit, den Leuten Insekten schmackhaft zu machen, vor allem ein Burger wäre dafür sehr gut geeignet.“ Allein die Nachfrage fehlt bisher: „Ich habe aber noch nie jemanden erlebt, der sich nach einem Insekten-Burger bei uns erkundigt hat“, sagt
Schleich.

von Emilia Vogt

 
DAS REZEPT
Der „Hopper-Burger“
von wuestengarnele.de

Zutaten

  • Eine Portion Speise-Heuschrecken
  • Weißbrot oder Brötchen
  • Salat
  • Tomaten
  • Zwiebeln
  • Knoblauch-/Kräuter-Dip

Zubereitung

Der erste Schritt ist die Flügel und Sprungbeine der Heuschrecke zu entfernen. Anschließend wird das Ganze in einer Pfanne ohne Fett angebraten. In der Zeit kannst du schon einmal das Brot oder Brötchen deiner Wahl in dünne Scheiben schneiden und im Backofen oder Toaster rösten. Als Nächstes kannst du deinen Burger-Belag vorbereiten.

Ob Salat, Zwiebeln oder Tomaten, das steht dir alles frei. Richte danach noch einen Knoblauch- oder Kräuter-Dip an und schon kannst du mit dem Belegen deines Burgers beginnen.

 
 
 

Die Umfrage: Würden Sie Insekten essen?

Die OP hat dem Thema der ehemals krabbelnden oder kriechenden Nahrungsquelle eine Straßenumfrage gewidmet. Die Befragten sagten fast alle, dass Insekten keine Option für den Kochtopf seien. Meist genannter Grund dafür: der Ekel ist einfach zu groß.

Wie in den meisten Fällen, gibt es aber auch hier einige Ausnahmen: So sagt der 19-jährige Julius Wagner folgendes zum Thema „Insekten auf dem Teller“:  „Ich fände es nicht eklig, Insekten zu essen, da in anderen Teilen auf der Welt, wie zum Beispiel Asien oder Afrika, Insekten für die Menschen zur ganz normalen Nahrung gehören. Also warum dann auch nicht  hier? Insekten sind gesund und enthalten viele Nährstoffe. Wenn man sie richtig zubereitet, dann schmeckt das bestimmt auch gut.“

Charlotte Busch  hingegen ist ganz anderer Meinung. „Insekten essen wäre nichts für mich, da ich mich doch schon sehr ekeln würde. Vielleicht wenn die Tiere so zubereitet wären, dass ich sie nicht mehr erkennen würde, aber sonst nicht.“

Auch Marlies Eggerstedt würde nicht gerne Insekten essen. „Nur wenn ich in einer Notlage wäre, dann würde ich vielleicht Insekten essen.“

Lina Schäfer beantwortete die Frage mit einem sehr klaren Nein! „Die kleinen Tierchen zu essen wäre einfach sehr ekelhaft.“

 
 
HINTERGRUND

Zugelassenes Nahrungsmittel

In der EU gelten Insekten als neuartige Lebensmittel („novel food“). Sie müssen zunächst auf ihre Verträglichkeit getestet werden. Der Vertrieb einiger Insektenarten ist mittlerweile erlaubt, solange es sich um ganze Tiere handelt. Verarbeitete Insekten – etwa gemahlen wie im „Bux Burger“ mit Osnabrücker Wurzeln – sind noch nicht europaweit zugelassen.

Allerdings sind die Gesundheitsbehörden nicht in jedem Land gleich streng. Den Insektenburger gibt es daher in zwei Restaurants der belgischen Hauptstadt Brüssel. Insekten sind laut UN-Welternährungsorganisation (FAO) gesund und nahrhaft, reich an Proteinen und gesunden Fetten, besitzen viel Kalzium, Eisen und Zink. Ihre Aufzucht ist deutlich weniger klimaschädlich als die der meisten anderen Tiere und belastet das Grundwasser weniger. Zudem sind Insekten gute Futterverwerter: Um dieselbe Menge an Proteinen zu erzeugen, benötigen Grashüpfer zwölfmal weniger Nahrung als Rinder und halb so viel wie Schweine oder Hähnchen.

Zehn Prozent habenschon einmal probiert

Laut einer Umfrage des Instituts „YouGov“ gaben nur zehn Prozent der Deutschen an, schon einmal Insekten gegessen zu haben. 17 Prozent glauben, dass sie fester Bestandteil unserer Nahrung werden, nur ein Prozent würde sie aber regelmäßig essen.
65 Prozent würde die Krabbler nicht einmal in Ausnahmefällen essen.

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Frisch, unbehandelt und aus der Region haben es immer mehr Verbraucher am liebsten: Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt und das Bewusstsein für die Herkunft der Waren wächst. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es eine Vielzahl von Direktvermarktern. Die OP stellt sie in dieser Serie vor. 

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