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Bunt und scharf

Indonesische Küche Bunt und scharf

Das Auge isst ja bekanntermaßen mit. Wenn es allein um dieses Kriterium geht, bekommt die indonesische Küche die volle Punktzahl. Eine Farbenpracht, die auch noch schmeckt.

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Schröck. Bunt sieht es aus in der Küche von Jeanette Siegels Mutter – und beim Kochen kommen jede Menge exotischer Gerüche hinzu: Von der der Kurkuma-Wurzel zum Beispiel oder den Korianderblättern und dem Zitronengras. „Kochen verbindet“, sagt die 37-Jährige und spricht damit aus eigener Er­fahrung. Denn das Zubereiten indonesischer Gerichte, wie Nasi Goreng oder Tofu-Curry,
hat Jeanette Siegel von ihrer Schwiegermutter gelernt.

Bei der Hochzeit des Bruders ihres heutigen Mannes half sie, wie alle Frauen, beim Kochen mit. Zwei Tage lang schälte sie Zwiebeln und Knoblauch mit alten Kneipchen, bei denen manchmal die Klingen abgebrochen seien, berichtet sie.
Die Familie ihres Mannes Jay gehört dem indogenen Volk Batak auf Sumatra an und da sei es feste Tradition, dass die Frauen kochen, so Siegel. Die Frauen sind dort aber auch ganz hoch angesehen, bekräftigt sie.Der OP zeigt sie, was sie auf Bali gelernt hat. In Indonesien werde viel mit Fleisch und Tofu gekocht. Ein Blick in die Küche zeigt aber dieses Mal vor allem viel Gemüse: bekannte Sorten, wie Paprika, Brokkoli, Gurken, Tomaten, Karotten oder Kartoffeln, aber auch Exoti­sches, wie Langbohnen, die Siegel im Asia-Laden gekauft hat.

Zuerst wirft sie den Reiskocher an. Vier Tassen Basmatireis schüttet sie in den Behälter und wäscht ihn zwei Mal mit den Händen kräftig aus. In
Indonesien werde viel mit den Händen gearbeitet, beschreibt sie. „Das kann auch mal etwas wilder sein.“

Den indonesischen Rundkornreis, den sie normalerweise verwendet, kann man in Deutschland nicht kaufen, weswegen sie auf Basmatireis zurückgreift. Der Unterschied zeigt sich später beim Reiskegel, dem „Nasi Tumpeng“, sehr deutlich, der schon nach kurzer Zeit in sich zusammenfällt. Aber das Reishütchen auf dem aus Bananenblättern gebastelten Stern sieht toll aus.
Rundkornreis für Risotto sei aber keine Alternative, weil der zu klebrig sei. „Das kann man dekorieren, wie man will“, sagt Jeanette Siegel. Aufwendige Dekorationen gebe es vor allem zu Feierlichkeiten, wie Geburtstagen oder wenn Besuch kommt. Dann gehöre es aber auf jeden Fall dazu.

Den Reiskegel dekoriert Siegel mit Tomaten und Gurke, dazu kommt etwas Salat, ein paar Chilis und Kroepoek. Die Garnelenchips werden „krupuk“ ausgesprochen. Dazu kommt „Tempeh manis“, das sind fermentierte Sojabohnen, die mit Sambal Manis, also süßer Sojasauce, angebraten werden. Sehr traditionell sei es, auch Ei dazuzulegen, das gebe es fast zu jedem Gericht, erklärt Siegel: „Das ist da ein Grundnahrungsmittel.“ Dazu verquirlt sie zwei Eier, würzt sie mit Salz und Pfeffer und brät sie von beiden Seiten an. „Das wird ganz flach und dann wie Spaghetti geschnitten“, sagt sie.

Reise ans „Ende der Welt“ führt zu neuem Leben

Vor zehn Jahren hat Jeanette Siegel ihren Mann kennengelernt. Vorher hatte sie in einer Werbeagentur gearbeitet und habe sich nach einem Burn-Out ans „Ende der Welt“ geflüchtet. Von Neuseeland aus erkundete sie verschiedene Länder, wie Thailand, Kambodscha, Australien oder Tasmanien, und landete schließlich auf dem Weg nach Japan auf Bali – weil sie dort surfen wollte. Schon während ihrer Reise arbeitete sie immer wieder handwerklich und begann über eine Freundin mit Leder zu arbeiten.

Während ihrer Zeit in Indonesien bekam sie schließlich ihren ersten Auftrag mit Leder, der sie in das Geschäft ihres heutigen Mannes führte. Heute designt sie für ihr Label „JS design“ jährlich eine eigene Kollektion und kümmert sich um die beiden Töchter, während sich ihr Mann auf Bali um die Produktion kümmert.

Jeweils ein halbes Jahr wohnt sie mit ihrer Familie auf Bali und in Deutschland. Durch die Kinder habe sie gemerkt, wie wichtig ihr ihre Wurzeln seien und wie sehr sie die Kultur und die Verlässlichkeit und Ehrlichkeit in Deutschland vermisse, erklärt Siegel: „Das Leben auf Bali ist das komplette Gegenteil. Dort ist jeder Tag anders.“

Und so erleben die beiden Kinder auch beide Kulturen und gehen in beiden Ländern dann auch in den Kindergarten. Inzwischen hat Siegel ihre Selbstständigkeit in Deutschland reduziert. Ihre Taschen verkauft sie aber weiterhin zum Beispiel im Friseursalon ihrer Mutter Liese­lotte Siegel in der Frankfurter Straße in Marburg

In deren Küche in Schröck kocht Jeanette Siegel auch einen großen Topf mit Tofu-Curry. „Das ist eigentlich ziemlich einfach“, sagt die 37-Jähri­ge. Beim Pürieren der Paste mit dem Stabmixer sei das Wasser sehr wichtig, sonst werde die Masse zu fasrig, erklärt Siegel. Auf Bali kaufe sie gerne eine frische Kokosnuss auf dem Markt, die vor Ort zerkleinert wird.

Zuhause mische sie dann das Kokosnussfleisch mit Wasser und knetet alles kräftig durch, so dass sie eigene Kokosnussmilch erhalte. Daher mischt sie die fertige Kokosnussmilch aus dem Asialaden mit Wasser, damit diese nicht flockig wird.

Kochen über Feuer: „schlicht und einfach“

Dann kommt die Gewürz­paste hinzu und nach und nach verschiedene kleingeschnittene Gemüse, je nachdem, wie lange sie zum Garkochen braucht. „Es ist ein Experiment“, sagt Jeanette Siegel über das Kochen in Deutschland mit dem Elektroherd. Ihre Schwiegermutter koche etwa über richtigem Feuer, ganz „schlicht und einfach“.

Dafür schmeckt das Essen dann auch anders – viel herzhafter, beschreibt Siegel. Das Tofu-Curry wird mit Reis serviert. Die Gerichte der indonesischen Küche seien so stark gewürzt, dass der Reis dann wieder neutralisiert, erklärt Siegel. Und das kann sich schmecken lassen.

von Mareike Bader

 
 
Das Rezept
Tofu-Curry

Grundzutaten

  • 500 g Basmatireis
  • 5 kleine Kartoffeln
  • 500 g Tofu
  • 2 Stangen Zitronengras
  • 300 g Brokkoli
  • 4 Karotten
  • 2 Paprika
  • 5 Champignons
  • 4 Langbohnen

Zutaten Currypaste:

  • ½ rote Zwiebel
  • 4 kleine scharfe Chilischoten
  • 3 Knoblauchzehen
  • 1 fingerlanges Stück Kurkumawurzel
  • 4 TL Koriandersamen
  • 1 ½ TL Pfefferkörner
  • 1 TL Salz

Weitere Zutaten

  •  500 ml Kokosmilch
  • 1 Liter Wasser

Zubereitung:

Reis zwei Mal mit der Hand kräftig auswaschen und dann kochen. Nun wird das Gemüse geputzt und in kleine Würfel geschnitten, ebenso der Tofu. Anschließend kommen die Zutaten für die Currypaste mit ein bisschen Wasser in ein enges Gefäß und werden mit dem Stabmixer püriert. Wer die Möglichkeit hat, kann die Zutaten auch mit dem Mörser zerkleinern und mischen.

In einem Topf wird schließlich die Kokosmilch mit Wasser gemischt und erhitzt. Hinzu kommt die Currypaste – es muss immer wieder gut umgerührt werden. Dann kommen nacheinander die Würfel in das Curry und alles wird so lange gekocht, bis das Gemüse gar ist. Die Zitronengrasstangen werden mit dem Griff eines großen Küchenmessers aufgeschlagen und dann miteinander verknotet, damit die Fasern nicht ins Curry gelangen, und schließlich mitgekocht. Zum Curry wird als Beilage Reis serviert.

von Jeanette Siegel

 
 
 

Die Fakten

Indonesien

Die Republik Indonesien besteht aus über 17 000 Inseln entlang des Äquators, darunter die Inseln Bali, Java, Sumatra oder West Papua. Damit bildet Indonesien das größte Inselreich der Erde. Als
Urlaubsgebiet eignen sich die Inseln besonders zum Surfen, Tauchen oder Golfen. Die menschliche Besiedelung reicht über 6 000 Jahre zurück. Indonesien zählt zu den ältesten bewohnten Gebieten der Erde. Vor rund 500 000 Jahren soll hier der Homo erectus, auch Javamensch genannt, gelebt haben.

Im 16. Jahrhundert florierte in Europa der Handel mit Gewürzen, weswegen einige Inseln zuerst von der portugiesischen, schließlich von der niederländischen Kolonial­macht übernommen wurden. Diese Einflüsse fremder Ländern fanden auch ihren Weg in die indonesische Küche, die sehr abwechslungsreich ist. Um 1600 gründete sich in den Niederlanden die Ostindische Kompanie, die bis zum Ende des 18. Jahrhundert dort exklusiv den Handel mit Gewürzen betrieb. Erst 1927 formte sich unter Achmed Sukarno eine erste nationale Bewegung. Nach der Besetzung durch Japan im zweiten Weltkrieg verkündete der spätere erste

Präsident Sukarno die Unabhängigkeit und damit das Ende des kolonialen Niederlande-Indiens. Die endgültigen Grenzen Indonesiens standen aber erst Ende der 1960er Jahre fest. Der Unabhängigkeitskampf bedeutete auch heftige militärische Auseinandersetzungen. Die meisten Auswanderer zog es in die Niederlande.
 
Quelle: www.indonesien.net, www.laender-lexikon.de, www.tourismus-indonesien.de

 
 
Das Rezept
Nasi Goreng

Zutaten:

  • 200 Gramm kalter Reis vom Vortag
  • zwei Schalotten (oder Zwiebeln)
  • zwei scharfe Chilischote
  • drei Knoblauchzehen
  • drei Karotten
  • 100 Gramm Erbsen
  • Sesamöl
  • eventuell Eier

Zubereitunug:

Die Schalotten, Chili und Knoblauch fein würfeln und auch die Karotten grob schälen und klein schneiden. Danach die Erbsen in heißem Wasser abkochen.
Zuerst werden Zwiebeln, Chili und Knoblauch in Sesamöl angebraten, dann kommt das Gemüse dazu. Nun den Reis mit der Hand über die Menge bröseln, um ihn nochmals aufzu­lockern, und alles gut durchmischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und auf einem Teller servieren oder das Nasi Goreng in eine Tasse drücken und hübsch dekoriert servieren.
Für das Nasi-Goreng-Special
wird pro Portion ein Spiegelei über die Reismenge gelegt, wobei hier das Eigelb in der Pfanne durchgebraten wird.
Der Name Nasi Goreng rührt übrigens von nasi (indonesisch: gekochter Reis) und goreng (indonesisch: gebraten) her. Traditionell wird es als Rest vom Vortag meist schon morgens warm verspeist.

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Frisch, unbehandelt und aus der Region haben es immer mehr Verbraucher am liebsten: Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt und das Bewusstsein für die Herkunft der Waren wächst. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es eine Vielzahl von Direktvermarktern. Die OP stellt sie in dieser Serie vor. 

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