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Frisch vom Markt auf den Tisch

Besser-Esser Frisch vom Markt auf den Tisch

Die Familie Jung aus Biedenkopf versorgt seit Jahrzehnten Marktbesucher in Marburg, Gladenbach und Biedenkopf mit frischem Obst und Gemüse.

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Paul Jung bei der Arbeit hinter seinem Markstand.

Quelle: Hartmut Berge

Marburg. „Wenn morjens früh de Wegger rasselt, is schon der ganze Daach vermasselt“, sang dereinst die hessische Kultband „Adam & die Micky’s“. Über solche Liedtexte kann Paul Jung nur lachen. Denn der Wecker des Biedenkopfers rasselt nicht frühmorgens, sondern mindestens viermal in der Woche bereits um 23.45 Uhr. Dann beginnt der Arbeitstag des 69-jährigen Markthändlers. Im Gespann mit seiner Frau Gisela und dem Verkaufsteam ist „Früchte Jung“ mittwochs und samstags auf dem Markt in der Marburger Oberstadt, donnerstags auf dem Wochenmarkt in Gladenbach und freitags in Biedenkopf präsent. Auf den jeweiligen Marktplätzen bietet Jung eine reichhaltige Auswahl an Gemüse und Obst an. Und das stammt frisch vom Großmarkt in Frankfurt. Den fährt der gelernte Einzelhandelskaufmann mindestens viermal in der Woche an – in der Regel an den Markttagen.

Um 6 Uhr gehst auf den Märkten los

Kurz nach Mitternacht ist er mit dem Transporter auf der Straße, ob’s stürmt oder schneit. Nach etwas über einer Stunde Fahrzeit erreicht er die Großmarkthalle. Paul Jung kennt die Händler, weiß genau, wo er welche Ware bekommt. Gleichwohl dauert es eine ganze Weile, bis die Geschäfte erledigt sind, er sich wieder auf den Heimweg machen kann. „Wenn er nicht bis 4 Uhr losfährt, kommt er in den Berufsverkehr, ist dann bis zu zwei Stunden unterwegs“, weiß seine Frau Gisela. In solchen Fällen wird‘s eng, denn in der Regel beginnt gegen 6 Uhr der Aufbau auf den Märkten. Vor den Markttagen geht Paul Jung früh zu Bett: „Um 19 Uhr, spätestens 19.30 Uhr“, berichtet er.  Montags und dienstags ist er auf den Dörfern rund um Biedenkopf unterwegs, um dort vom Wagen aus Obst und Gemüse an den Mann, meist an die Frau, zu bringen.„Früher kamen die Leute zu uns, heute kommen wir zu ihnen“, sagt er und beschreibt, dass sich insbesondere die nicht mehr mobile ältere Kundschaft freue, frische Ware vor der Haustür kaufen zu können.

Familie unterstützt das Ehepaar

„Manche Kunden wollen ganz bestimmte Ware haben, bestellen sie, und mein Mann bringt sie von Frankfurt mit.“ Aber das sei mehr Service als Geschäft, berichtet Gisela Jung. Und sie erzählt von Stammkunden, die mit frischer Ware beliefert werden, wie die Restaurants Haferkiste in Bad Laasphe und Da Giovanni in Gladenbach-Weidenhausen.  Sie selbst muss seit ein paar ­Jahren aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten, ist beim Verkauf nicht mehr mit dabei, hilft nun aber, nach einem Jahr Zwangspause, morgens wieder beim Aufbau der Ware. Auf den Märkten wird Paul Jung abwechselnd von seinen drei Töchtern und weiterem Verkaufspersonal unterstützt.

Seit 32 Jahren sind die Jungs in Gladenbach vertreten, zählen zu den Marktbeschickern der ersten Stunde, seit drei Jahrzehnten verkaufen sie ihre Waren auch auf dem Marburger Marktplatz. Und den Markt in Biedenkopf hoben die Jungs 1993 mit aus der Taufe. Bis sie zu reinen Markthändlern wurden, führten sie – von 1973 an – in Biedenkopf ein Geschäft. In allen drei Städten haben sie viele Stammkunden, und es sind nicht gerade wenige, mit denen man sich duzt. „Wir verkaufen so viel deutsche Ware wie möglich, möglichst aus der Region“, beschreibt die Chefin die Philosophie von „Früchte Jung“. Nicht zuletzt wegen der Riesenpalette an Obst und Gemüse sei  eine gute Beratung sehr wichtig, betont Gisela Jung und erklärt: „Wir haben alleine bis zu 15 Sorten Äpfel und sechs Sorten Pilze im Sortiment.“Besonders beliebt seien das ganze Jahre über die frischen Kräuter. „Die hat nicht jeder Gemüsehändler im Angebot“, sagt sie.

Früchte müssen gesucht werden

Zu Gladenbach hat Gisela Jung, neben dem Wochenmarkt, eine ganz besondere Beziehung. Während des Kirschenmarktes verkaufte sie 25 Jahre lang Kirschen, in den besten Zeiten von freitags bis sonntags. 2012 war sie zum letzten Mal mit dabei. „Ich muss mich langsam entscheiden, was vorgeht: arbeiten oder Gesundheit“, sagte sie damals im Gespräch mit der OP. Ihr sei die Entscheidung sehr schwergefallen. Die Kirschen beziehen die Jungs ab Juni nach wie vor fast ausnahmslos aus der Wetterau, „aus Ockstadt, immer vom gleichen Obstanbauer“, berichtet sie. Nur wenn die Ernte mal ganz in die Binsen ging, musste man sich die Früchte für den Kirschenmarkt regelrecht zusammensuchen. Bis nach Heidelberg sei ihr Mann gefahren, erinnert sie sich und betont: „Die Qualität muss stimmen, sonst bleibt die Kundschaft weg. 

Was samstags gepflückt wurde, haben wir sonntags verkauft.In dieser Zeit haben wir alleine freitags 25 Kisten à 12,5 Kilogramm verkauft. „Nachmittags habe ich oft meinen Mann angerufen und nachgeordert“, erinnert sie sich. Doch diese goldenen Zeiten für Obsthändler sind längst vorüber. Das hänge sicher auch am Preis, vermutet Gisela Jung. „In unseren ersten Jahren haben wir auf dem Fest Kirschen höchster Qualität für maximal fünf Mark je Kilo verkauft, heute muss man bis zu neun Euro verlangen, damit wir auf unsere Kosten kommen.“ Es gebe immer mehr Publikum, das sich solche Ausgaben schlichtweg nicht mehr leisten könne, so die Einschätzung der Biedenkopferin. An die schönen Tage auf dem Volksfest denkt sie mit Wehmut zurück.

Entspannt, auch wenn es Backsteine regnet

Die Atmosphäre auf dem Kirschenmarkt sei etwas ganz Besonderes, das könne man nur schwer beschreiben, sagt Jung. „Die Leute sind entspannt, einfach nur gut drauf. Da kann es Backsteine regnen.“ Und sie schwärmt weiter: „Die Marktbesucher sind freundlich, Stammkunden kamen oft mit lautem Hallo auf unseren Stand zu.“ Da bereite das Arbeiten Freude.
Das alles, auch den Verkauf auf den Wochenmärkten vermisst Gisela Jung. Gleichwohl wird ihr nicht langweilig. Hinter den Kulissen zieht sie mit die Strippen und ist auch als Großmutter gerne für die Enkelkinder da.
Sie ist ein Jahr jünger als ihr Mann, der wird in diesem Jahr 70. „Er will möglichst bis zum 80. Lebensjahr auf den Märkten präsent sein“, berichtet die Chefin und betont: Das sei auch gut so. Dass er vorher zu Hause ein Leben als Rentner friste, kann sie sich nicht vorstellen. „Dann wandere ich aus“, sagt sie lachend.

von Hartmut Berge

 
 
Kirschenmichel
Das Rezept

Zutaten:

  • acht alte Brötchen
  • etwa ¾ Liter Milch (je nach Alter der Semmeln)
  • eine Prise Salz
  • Zitronenschale
  • 60 bis 80 Gramm Zucker
  • zwei bis drei Eier
  • ¾ bis 1 Kilogramm Kirschen, Äpfel oder Zwetschgen
  • 50 Gramm Rosinen (bei Äpfeln)

zum Backen:

  •   30 g Butter

Zubereitung:

Brötchen in Scheiben schneiden, Milch, Salz, abgeriebene Zitronenschale, Zucker und Eier gut verschlagen, über geschnittene Brötchen gießen, durchziehen lassen.

Äpfel schälen, in feine Scheiben schneiden oder Kirschen bzw. Zwetschgen gut waschen, abtropfen lassen,  entsteinen; Rosinen wa­schen, brühen, abtropfen lassen. In gefette­te  Auflaufform abwechselnd eine Lage eingeweichte Brötchen, eine Lage vorbereitetes Obst und eventuell Weinbeeren geben, oberste Lage Brötchen; oder Brötchenmasse mit Obst gemischt einfüllen.

Rest der Eiermilch darübergießen, mit Butterflocken belegen, in vorgeheizter Röhre (200° C)  etwa ½ bis ¾ Stunde backen.
Kirschenmichel ist eine traditionelle Süßspeise der deutschen Küche. Die Rezepte sind regional unterschiedlich.

 
 
 
Marktplätze

Geschichte

Den Titel „Marktplatz“ tragen Plätze innerhalb einer Ortschaft, auf denen Waren ver- und gekauft wurden oder werden. Diese Art des Handels hatte ganz wesentlich zum Aufschwung der Städte im Mittelalter beigetragen. Seit den Anfängen der Stadtbildung waren Märkte die Zentren städtischen Lebens.

Entsprechend ihrer Funktion liegen sie häufig im Zentrum historischer Stadtkerne. Die Geschichte der Marktplätze in Deutschland geht bis in das 10. Jahrhundert zurück.

Bis zum 12. Jahrhundert vervielfachte sich die Zahl der Orte, an denen regelmäßig Märkte stattfanden. Dort handelte man mit Lebensmitteln einerseits – mit Brot, Mehl, Milchprodukten, Fleisch und Feldfrüchten – und andererseits mit den verschiedensten Handwerkserzeugnissen.

Gegenwart

Im Zeitalter von Supermärkten und Einkaufszentren haben Marktplätze ihre Funktion als unverzichtbare Versorgungseinrichtungen wohl endgültig verloren. Gerade in größeren Städten entwickelten oder hielten sich aber spezielle Erscheinungsformen des traditionellen Marktgeschehens.

Bio-Märkte bieten Produkte an, die als garantiert naturbelassen deklariert sind, auf Umlandmärkten werden Erzeugnisse ausschließlich aus der näheren ländlichen Umgebung verkauft. Weihnachts-, Trödel-, Blumen- und Kleintiermärkte benutzen die alten Plätze. Insgesamt ­haben sich Marktplätze als erstaunlich lebensfähig erwiesen.

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Direktvermarkter

Frisch, unbehandelt und aus der Region haben es immer mehr Verbraucher am liebsten: Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt und das Bewusstsein für die Herkunft der Waren wächst. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es eine Vielzahl von Direktvermarktern. Die OP stellt sie in dieser Serie vor. 

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