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Eine schlanke Alternative

Nudeln und Reis ohne Kohlenhydrate Eine schlanke Alternative

Was sogenannte „Low Carb“-Diäten versprechen ist fast zu schön, um wahr zu sein: Abnehmen ohne Hungergefühl. Was dahinter steckt und wie es sich kohlenhydrat­arm kocht, hat die OP getestet.

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Abnehmen ohne Hungergefühl – geschmacklich bleiben aber Fragen offen.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. In den USA ist es längst Modeerscheinung: Low Carb. Allmählich schwappt der Trend der kohlenhydratreduzierten Nahrung auch nach Deutschland herüber. Doch allzu oft scheitern die hochgesteckten Diät-Pläne dann doch daran, dass man auf sein Lieblingsgericht verzichten muss. Pasta ade? Reis ade?

Firmen versprechen nun aber: Wer sich konsequent kohlenhydratarm ernähren möchte, muss sich nicht mit einem einsamen Stück mageren Fleisch begnügen. Sogar auf Reis- und Nudelgerichte soll man nicht verzichten müssen. Wir haben die Low-Carb-Alternativen auf die Geschmacksprobe gestellt.

Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein: eine Nudel ohne Kohlenhydrate, ohne Zucker und mit nur 0,2 Prozent Fettanteil. Dementsprechend ist in der Info-Broschüre auch von einer „Sensations-Pasta“ die Rede. Vegan sei sie, gluten- und laktosefrei. Perfekt für alle, die abnehmen wollen und sogar für Diabetiker geeignet.

Ich merke beim Durchlesen, wie meine Zweifel steigen, dass diese Alternative auch wirklich mit Geschmack überzeugen kann. Vertrieben wird die „Wunder-Nudel“ von der Firma „kajnok“. Erhältlich sind die kleinen Pasta-Päckchen seit kurzem auch in einer hessischen Lebensmittelkette. Gerade jetzt in der Fastenzeit also die ideale Gelegenheit, die „schlanke Nudel“ zu testen.
Nudeln schwimmen in Calciumhydroxid

Um ja nichts falsch zu machen, halte ich mich beim Kochen an den Rezeptvorschlag der Firma kajnok für Bratnudeln. Die Zutaten sind schnell eingekauft. Zuhause angekommen macht das Gemüseschneiden noch die meiste Arbeit.
Der erste spannende Moment ist beim Öffnen der Nudel-Packung gekommen. Denn diese Nudeln sind nicht wie andere trocken verpackt, sondern schwimmen in Wasser mit Calciumhydroxid. Nicht mal kochen muss man die Nudeln. Packung öffnen, Wasser ausgießen und Pasta kurz abspülen. Klingt einfach. Also ran ans Werk.

Nachdem das Gemüse in der Pfanne angedünstet ist, kommen die Nudeln hinzu (Foto: Siepmann). Diese fühlen sich irgendwie glibberig an. Ich fühle mich ein wenig an Kindheitstage erinnert, an denen ich im Schwimmbad-Kiosk bunte essbare Schnüre gekauft habe. Denn die Nudeln haben die selbe Konsistenz – nicht nur beim Anfassen, sondern auch beim Draufbeißen. Positiv ausgedrückt – sie sind bissfest.

In Sachen Gaumenfreude habe ich sowieso nicht viel erwartet, da kajnok selbst damit wirbt, dass die Nudeln keinen Eigengeschmack haben. Das liegt nachweislich an der Zusammensetzung der Nudel-Alternative: sie besteht zu 97 Prozent aus Wasser und zu drei Prozent aus Mehl der Konjak-Wurzel. Die Nudel soll jedoch, so steht es in der Werbebroschüre, dadurch punkten, dass sie den ­Geschmack der mitgekochten Soße aufnimmt.

Das fertige Essen schmeckt auch wirklich nach einem asiatischen Gericht, was aber nicht unbedingt an den Nudeln liegt. Mein Fazit: die „Low-Carb-Pasta“ kann vielleicht eine „schlanke Variante“ sein, eine echte ­Geschmacks-Alternative zu herkömmlichen Teig-Nudeln ist sie für mich jedoch nicht.

von Dennis Siepmann

Auch ich habe mich an einem Low-Carb-Essen probiert. Dabei handelt es sich um eine Hähnchen-Curry-Soße, zu der ein zu 97 Prozent aus Wasser bestehender „no-carb“ Reis empfohlen wurde. Das tolle: der Reis ist bereits verzehrfertig. Das heißt: Packung auf, Wasser abgießen, den Reis kurz abspülen und in der Soße mitkochen.
Je länger man ihn mitkocht, so verspricht der Hersteller, desto mehr nehme er das Aroma der Soße auf und bleibe dabei gleichzeitig bissfest. Im Selbsttest habe ich den Reis gut zehn Minuten gekocht. Zwar war er danach, wie versprochen, immer noch bissfest, doch einen Eigengeschmack hatte er nicht entwickelt (Foto: Korte).

Letztendlich war die Soße das schmackhafteste am Gericht. Da sie ohnehin wenig Fett, dafür aber Gemüse und mageres Fleisch enthält, lässt sie sich meiner Meinung nach auch ohne Reue mit kohlehydratreicheren Beilagen, wie zum Beispiel Basmati-Reis, fremdkochen.

von Ruth Korte

Asia-Bratnudeln

Zutaten für 1 bis 2 Portionen:

  •  200 Gramm Pasta
  •  1 Paprika, in schmale Streifen geschnitten
  • 1 Karotte, in schmale Streifen geschnitten
  • 1 Zucchini, in schmale Streifen geschnitten
  • 1 rote Zwiebel, in Spalten geschnitten
  • 1 gehackte Knoblauchzehen
  • 3 EL Olivenöl
  • 2 bis 3 EL Sojasoße
  • Salz und Pfeffer
  • Etwas Zitronensaft

Optional:

  • 1 kleines Stück Ingwer, gehackt
  • eine halbe bis eine Chilischote, entkernt und gehackt

Zubereitung:
Öl in einem Wok oder in einer Pfanne erhitzen, die Zwiebelspalten und den Knoblauch (sowie Chili und Ingwer) hinzugeben und sie für 20 bis 30 Sekunden im Öl schwenken. Das Gemüse hinzugeben und alles für etwa zwei Minuten braten.
Nudeln in den Wok geben, mit dem Gemüse vermengen und die Sojasoße hinzugeben und alles für eine Minute anbraten. Abschließend alles mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Bratnudeln mit einem Spritzer Zitronensaft servieren, solange sie noch heiß sind.

Hühnchen-Curry-Soße

Zutaten für 2 Personen:

  • 200 Gramm kohlenhydratarmer Reis n zwei Hühnerschenkel (ohne Haut)
  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 3 Nelken
  • 1 kleines Stück Ingwer
  • 0,5 TL Kurkuma
  • Etwas Chilipulver
  • 2 mittelgroße Tomaten
  • 0,5 TL Garam Masala
  • 2 EL Öl
  • Pfeffer und Salz

Zubereitung:
Ingwer und Knoblauch schälen und zerkleinern anschließend beides in etwas Öl in einer Pfanne anbraten lassen. Etwas Zucker hinzugeben und karamellisieren lassen. Nun auch die zerkleinerte Zwiebel hinzugeben und goldbraun anbraten lassen. Mit Kurkuma und Chilipulver würzen und etwa zwei Minuten braten.
Dann die Tomaten darunterheben und alles bei geringer Hitze für fünf Minuten kochen lassen. Die Hühnerschenkel hinzugeben und dazu etwas Wasser, bis die Schenkel bedeckt sind. Die Hitze verringern und ab und zu umrühren, während das Hühnchen gar wird. Für die letzten drei Minuten den vorher mit Wasser abgespülten Reis mitkochen lassen. Mit Garam Masala, Pfeffer und etwas Salz abschmecken. Fertig.
 Archivfoto, Rezept: kajnok

Die Fakten

Low Carb

- Was es bedeutet

Bei Low Carb handelt es sich um eine moderne Ernährungsform, bei der der Anteil der Kohlenhydrate (Carbohydrates, Carb) in der Nahrung so gering (low) wie möglich ist. Bei den täglichen Mahlzeiten wird deshalb weitestgehend auf Produkte wie Kartoffeln, Reis, Brot und Nudeln verzichtet und stattdessen nur kohlenhydratarme Produkte wie Gemüse, Milchprodukte, Fisch und mageres Fleisch verwendet.

- Wie es funktioniert

Low-Carb-Vertreter gehen davon aus, dass sich eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Kohlenhydraten negativ auf die Gesundheit auswirkt und zu Übergewicht führt. Eine kohlenhydratarme Ernährung hingegen führe zu einer Umstellung des Stoffwechsels, bei der der Organismus aus den Fettreserven körpereigene Energieträger (Ketone) erzeugt, die er seinen Zellen als alternative Energielieferanten zur Verfügung stellt. Auf diese Weise wird der Körper gezwungen, seine eigenen Fettreserven als Energielieferant zu nutzen, was längerfristig zu einer Gewichtsreduktion führt.

-  Herkunft

Das Prinzip der kohlenhydrat­armen Ernährung wurde bereits im 19. Jahrhundert von dem Engländer William Banting (1797–1878) beschrieben, der, nach einer ihm von seinem Arzt verordneten fleischbetonten Kost, innerhalb eines Jahres 23 Kilogramm abnahm. Die „Fleisch-Fett-Diät“­ und der weitgehende Verzicht auf Kohlenhydrate wurde auch in Deutschland bei der sogenannten „Banting-Kur“ weiterempfohlen.
Populär wurde die Low-Carb-Ernährung schließlich in den 1970er Jahren durch die von dem US-amerikanischen Arzt Robert Atkins publizierte „Atkins-Diät“. Seine Devise: erlaubt sind Fett und Protein, verboten ist eine Menge von über 20 Gramm Kohlenhydrate pro Tag während der Diät. 2004 erreichte der Low-Carb-Trend seinen Höhepunkt – vor allem in den USA: Geschätzte 44 Millionen Amerikaner achteten auf eine reduzierte Kohlenhydratmenge.

-  Kritik

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kritisiert Low Carb als Fehlernährung. Kritisiert wird auch die aufgrund der Vermeidung von Kohlenhydraten und der in Relation dazu vermehrten Aufnahme von Eiweißen und Fetten einseitige Ernährung.

 Fotos: Dennis Siepmann und Ruth Korte

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Frisch, unbehandelt und aus der Region haben es immer mehr Verbraucher am liebsten: Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt und das Bewusstsein für die Herkunft der Waren wächst. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es eine Vielzahl von Direktvermarktern. Die OP stellt sie in dieser Serie vor. 

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