Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
Ein Eintopf voller Erinnerungen

Suppe aus dem Iran Ein Eintopf voller Erinnerungen

Ein Tomateneintopf mit Hackbällchen nach iranischer Art überzeugte die Fachjury beim Internationalen Marburger Suppenfest. Gekocht hat ihn Noushin Hamidzadeh nach dem Rezept ihrer Großmutter.

Voriger Artikel
Grünkern statt Hackfleisch
Nächster Artikel
Genuss vom Mittelmeer

„Asch-e Gojeh farangi“ – ein Gericht, das für Noushin Hamidzadeh mit zahlreichen Erinnerungen verbunden ist.

Quelle: Fotos: Ktahrina Kaufmann, Collage: Sven Geske

Marburg. Wenn Noushin Hamidzadeh in ihrem Cappeler Reihenhaus „Asch-e Gojeh farangi“ kocht, kocht sie auch immer mit Erinnerungen. Erinnerungen an ihre unbeschwerte Kindheit im Iran, Erinnerungen an ihre Großmutter, Erinnerungen an das persische Neujahrsfest.

„Meine Oma hat den Tomateneintopf mit Hackbällchen nur einmal im Jahr gekocht – immer am letzten Mittwoch vor Neujahr“, berichtet die 40-Jährige. Die ganze Familie sei dann zusammengekommen, habe gemeinsam gegessen, gefeiert und sei über die Feuer gesprungen (siehe Infos).

Heute springt Noushin Hamidzadeh nicht mehr über die Feuer, das gemeinsame Essen mit der Familie ist der Mitarbeiterin des Marburger Studienkollegs dennoch sehr wichtig. „Ungefähr einmal pro Woche koche ich typisch persisches Essen. Mein Sohn isst das allerdings nicht so gerne“, erklärt sie, während sie Zwiebeln und Tomaten klein schneidet.

Erbsen und Graupen in Wasser einweichen

In einen großen Kochtopf hat sie bereits einen großzügigen Schluck Olivenöl gegeben. Während sie die Zwiebel darin goldgelb anbrät, erzählt sie von ihrer Kindheit am Kaspischen Meer, dem Englisch-Studium in Teheran und wie sie vor 15 Jahren schließlich den Schritt wagte und nach Deutschland ging. „Ich bin hergekommen, weil ich hier studieren wollte“, sagt Hamidzadeh. Statt ihr Englisch fortzuführen, entschied sie sich für Germanistik und Deutsch als Fremdsprache. Gerade arbeitet sie am Studienkolleg in Marburg und an ihrer Promotion.

Im Kochtopf arbeitet derweil die Suppe: Perlgraupen, Halberbsen und Linsen wollen gar gekocht werden. „Wichtig ist, dass die Graupen und Erbsen gut zwölf Stunden in Wasser eingeweicht wurden“, sagt Hamidzadeh. Und wichtig sei auch, das Wasser der Halberbsen nicht zum Kochen zu verwenden, „es sei denn, man will Blähungen bekommen“.

Für den typisch orientalischen Geschmack sorgen Zimt und Kurkuma. Es beginnt verlockend zu duften in der kleinen Küche, als die Gewürze ihr Aroma entfalten. „Der Tomateneintopf ist eine sehr gesunde Suppe“, betont Hamidzadeh. Er enthalte nur wenig Fett, dafür aber Tomaten, Hülsenfrüchte und sehr viele Kräuter.

Eine zweite Heimat in Marburg

Die insgesamt gut 700 Gramm Schnittlauch, Spinat, Koriander und Petersilie hat die 40-Jährige bereits ganz fein geschnitten. Während die Suppe im Topf so vor sich hin brodelt, brät die gebürtige Iranerin noch die Hackbällchen aus Lamm und Rindfleisch in Öl an (Foto: Kaufmann). Gemeinsam mit den Kräutern wandern diese später in den Eintopf. Ihnen folgen die im Mixer pürierten Tomaten.

Alle zwei Jahre fährt Hamidzadeh mit Ehemann und Sohn die Familie im Iran besuchen. „Eigentlich wollte ich ja nach dem Studium in die Heimat zurückkehren, aber daraus ist irgendwie nichts geworden“, sagt sie und lacht. Mittlerweile habe sie in Marburg eine zweite Heimat gefunden. Und Freunde: Denn ihren siegreichen Eintopf hat sie beim Internationalen Marburger Suppenfest für den Verein Freundeskreis Marburg-Sfax gekocht.

Apropos Kochen: Der Tomateneintopf ist fast fertig. Zum Schluss geht es noch um die Feinheiten – das Topping. Dafür werden sowohl Zwiebeln wie auch Knoblauch kurz in heißem Öl angebraten. „Wer keinen Knoblauch mag, kann ihn einfach weglassen“, betont Hamidzadeh. Entscheidend für den Geschmack des Gerichts sei vielmehr die in Olivenöl angebratene Pfefferminze. Die wird nachher im Teller auf die Suppe gestreut. Dann kommt die Familie an den Tisch – und die Erinnerung.

von Katharina Kaufmann

Asch-e Gojeh farangi (Tomateneintopf mit Hackfleisch)

von Noushin Hamidzadeh  

Für die Hackfleischbällchen :

  • 500 Gramm Hackfleisch (vom Rind oder halb Rind, halb Lamm)
  • eine Knoblauchzehe fein gehackt
  • eine Zwiebel fein gehackt
  • zwei Scheiben Toastbrot (kurz eingeweicht in Wasser)
  • Salz, Pfeffer, ein Teelöffel Kurkuma, ein halber Teelöffel Zimt  

Für die Suppe:

  • zwei bis drei Esslöffel Öl
  • eine große Zwiebel fein gehackt
  • 250 Gramm Perlgraupen (eingeweicht im Wasser am Abend vorher)
  • 100 Gramm Halberbsen
  • vier Esslöffel Linsen oder gelbe Linsen
  • drei Liter Hühnerbrühe
  • zwei Teelöffel schwarzer Pfeffer
  • ein Teelöffel Kurkuma
  • Salz
  • eine Stange Zimt
  •  100 Gramm Schnittlauch sehr klein geschnitten
  •  200 Gramm Spinat sehr klein geschnitten
  •  200 Gramm Koriander sehr klein geschnitten
  •  200 Gramm Petersilie sehr klein geschnitten
  • ein Kilo Tomaten in der Küchenmaschine püriert
  • eine halbe Packung passierte Tomaten

Für das Topping:

  • vier Esslöffel getrocknete Minze, ganz kurz (fünf bis sieben Sekunden) in fünf bis sieben Esslöffeln Olivenöl anbraten
  • drei Zwiebeln klein geschnitten und angebraten im Öl
  • eine Knoblauchknolle, fein gehackt und kurz angebraten
  • griechischer Sahnejoghurt

Für die Fleischklößchen alle Zutaten gut vermischen, haselnussgroße Bällchen daraus formen und kalt stellen. Für die Suppe Öl erhitzen, die Zwiebelstücke darin braten, bis sie gelb werden. Knoblauch hinzufügen und eine Minute mitbraten. Dann Perlgraupen, Halberbsen und Linsen zugeben und kurz braten. Hühnerbrühe, Salz, Pfeffer, Kurkuma und Zimt zugeben und aufkochen lassen. Bei geringer Hitze etwa 45 Minuten weiter köcheln lassen.
In dieser Zeit die Hackbällchen in einer Pfanne braten. Die Fleischbällchen und die gehackten Kräuter in die Suppe geben und 30 Minuten bei kleiner Hitze köcheln lassen. Die Tomaten in den Topf geben, gut verrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und 15 Minuten weiter köcheln lassen. 

In einer kleinen Pfanne sieben bis acht Esslöffel Olivenöl erhitzen und darin vier Esslöffel getrocknete Minze etwa zehn Sekunden anbraten. Die drei Zwiebeln klein schneiden und in Öl anbraten, nach zehn Minuten den Knoblauch hinzufügen und noch drei bis vier Minuten mitbraten.
Den Eintopf in Tellern anrichten, die gebratene Minze darüber träufeln und die Zwiebel-Knoblauch-Mischung sowie einen Esslöffel griechischen Sahnejoghurt darauf verteilen.

 Fotos: Katharina Kaufmann

Nouruz – Iranisches Neujahr

  • Mit Nouruz beginnt im Iran das neue Jahr. Die Zählung des neuen Jahres richtet sich im Iran als Land des indo-iranischen Kulturkreises nach dem Sonnenkalender. Es beginnt mit der Frühlings-Tag-und-Nacht-Gleiche zwischen dem 19. und 21. März.
  •  Wörtlich übersetzt heißt Nouruz „Neuer Tag“.
  • Am Vorabend des letzten Mittwochs im Jahr wird das „Tschahar Schanbe Suri“ (Mittwochsfeuer) angezündet. Dieser Brauch gehört zu den wichtigsten Ritualen des Neujahrfestes. „Dabei werden sieben Feuer angezündet, über die die Leute dann springen“, erklärt Noushin Hamidzadeh. Das soll Glück bringen.Vor allem bei Kindern sei dieser Brauch sehr beliebt, so die gebürtige Iranerin.

Fakten

Comeback im Topf
Lange Zeit waren Hülsenfrüchte als schwerverdauliches „Arme-Leute-Essen“ verschrien. Doch mittlerweile feiern Hülsenfrüchte ihr Comeback in der Küche.

Haltbarkeit
Hülsenfrüchte sollten – das empfehlen Experten – nicht länger als ein Jahr dunkel und luftig gelagert werden.

Gute und Schlechte
Wer die Guten von den Schlechten unterscheiden möchte, der sollte die Hülsenfrüchte mit viel kaltem Wasser in eine Schüssel geben. Die, die oben schwimmen, könnten von Schädlingen befallen sein.

Vorm Kochen einweichen
Mindestens sieben bis acht Stunden, besser zwölf, sollten ungeschälte Hülsenfrüchte eingeweicht werden, damit sie später gar werden. Eine Ausnahme bilden Linsen. Am besten nimmt man zum Einweichen abgekochtes Wasser, raten Experten im Internet. Vorher sollten die Hülsenfrüchte in lauwarmem Wasser gründlich gewaschen werden.  

Linsen machen glücklich
Hülsenfrüchte sind wahre Kraftpakete und prall gefüllt mit wertvollen Nährstoffen wie Vitaminen, Ballaststoffen und Eiweiß. Linsen sind außerdem wahre Glücklichmacher: Kombiniert man sie mit Fleisch, Fisch oder Jogurt, wird die Produktion des Glückshormons Serotonin angeregt. Das teilen die Excellence Kochschulen – das bundesweite Netzwerk der besten Kochschulen Deutschlands – in einer Pressemitteilung mit.

Kichererbsen machen schlank
Auch Kichererbsen entpuppen sich der Pressemitteilung zufolge als kulinarische Überraschung: Sie werden aufgrund ihres hohen Anteils an Eiweiß und Ballaststoffen von Köchen geschätzt. Zudem seien sie wahre Schlankmacher, die gleichzeitig mit ihrem nussigen Geschmack punkten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Direktvermarkter

Frisch, unbehandelt und aus der Region haben es immer mehr Verbraucher am liebsten: Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt und das Bewusstsein für die Herkunft der Waren wächst. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es eine Vielzahl von Direktvermarktern. Die OP stellt sie in dieser Serie vor. 

Klicken Sie sich durch die folgende Karte, um Direktvermarkter in Ihrer Nähe zu finden. Unter der Karte finden Sie bereits erschienene Artikel zu dieser Serie.