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Das rollende Restaurant

Pasta Das rollende Restaurant

Für Marc Glösemeier ist es mehr als ein Bus. Es ist seine Arbeitsstätte und seine Zukunft. Mit dem rollenden „Nudelmobil“ möchte der Koch nicht nur seine Kundschaft versorgen, sondern auch seinen eigenen Lebensunterhalt sichern.

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Marc Glösemeier im Foodfabrik-Wagen.

Quelle: Tobias Hirsch

Kirchhain. Eine Weltreise machen. Das eigene Haus bauen. Den Mount Everest bezwingen - es gibt so viele Ziele und Wünsche, die Menschen zum Träumen bringen. Marc Glösemeiers Traum ist schwarz. Zumindest von außen. Wichtig ist aber, was sich hinter der schwarzen Hülle verbirgt. Öffnet der 32-Jährige die Tür des dunkel lackierten Busses, kommt eine Küche zum Vorschein. Ein Herd, Kühlschrank, Arbeitsplatte und Verkaufsklappe, unzählige ­Küchenutensilien und sogar eine elektronische Kasse findet sich darin. Sichtlich stolz ist Glösemeier auf sein kleines Reich, das er in dreimonatiger Heimarbeit geschaffen hat. Sein fahrender Traum. Man muss schon ganz genau hinsehen, um zu erkennen, dass es sich dabei um einen ehemaligen Postbus handelt. Gelbe Farbspuren gibt es nur noch wenige im Innenraum. Auf der schwarzen Grundierung prangt in weißer Schrift der Name „FoodFahrbrik“.

Die Idee, ein eigenes, fahrendes Geschäft zu eröffnen habe er schon lange mit sich herum getragen, sagt Glösemeier. Der gelernte Koch ließ sich in Marburg zum Hotel- und Betriebswirt ausbilden. Es folgte eine zunächst typische Küchenkarriere in heimischen Gastronomiebetrieben.

Doch etwas brachte den jungen Koch dazu, aus dem Standard auszubrechen. „Ich wollte mein eigener Chef sein“, sagt Glösemeier. Seit vier Wochen tourt er nun mit seinem „Pasta-Laster“ umher und bietet seiner Kundschaft vor allem Nudel-Spezialitäten. Zum Sortiment gehören aber auch selbstgebackene Pizzabrötchen und frisch zubereitete Salate. Die Idee für seine Selbstständigkeit hat sich Glösemeier in den USA abgeschaut. Dort gehören die sogenannten Food-Trucks mittlerweile in Großstädten zum ganz normalen Straßenbild. Die mobilen Restaurants versorgen ihre Kunden mit Leckereien - zum Beispiel Cupcakes, Empanadas, Tacos, Crêpes und Kebabs.

Glösemeier hat sich bei seinem Truck für Nudeln entschieden, weil er meint, damit eine große Zielgruppe abzudecken. Auch Vegetarier oder Muslime finden etwas in der Angebotspalette, die der Jungunternehmer auch saisonal verändern möchte. „Zur Winterzeit kann ich mir schon vorstellen, auch mal Wildgulasch anzubieten“.  

Zutaten vom Wochenmarkt und aus dem Garten

Da der Platz in seinem rollenden Restaurant natürlich begrenzt ist, bereitet Glösemeier soviel als möglich zu Hause vor. Das betrifft die Saucen, aber auch die Gemüsebrühe mit Karotten und Lauch oder das „al dente“-Kochen der Nudeln. Die frischen Zutaten bezieht Glösemeier aus dem heimischen Garten und auch vom Wochenmarkt in Melsungen, wo er seine Gerichte ebenfalls an den Mann zu bringen versucht.
Im Bauch der „Foodfahrbrik“ geht dann alles ganz fix. Schließlich wollen die Kunden ja nicht zu lange auf ihre Bestellung warten. Geschwindigkeit hat laut Glösemeier aber nichts mit mangelnder Qualität zu tun: „Ich will ja kein schlechtes Fastfood anbieten – bei mir ist alles selbstgemacht. Das ist auch ein Anspruch, den ich als Koch habe“.

Zum Beweis kramt er sein selbst zubereitetes Pesto aus dem Kühlschrank. Alle weiteren Zutaten, die der 32-Jährige für seine Gerichte benötigt, sind akkurat in der kleinen Küche angeordnet. Basilikum und andere Kräuter hängen von der Decke – die Gewürze stehen darunter. Der Koch greift schnell und präzise zu den einzelnen Zutaten.

Der große Topf mit dem Nudelwasser steht bereits auf dem Herd, in der Pfanne brutzeln Pinienkerne und Cocktailtomaten im Olivenöl. Die vorgekochten Nudeln wandern im Sieb ins heiße Wasser und sind wenige Minuten später servierbereit. Glösemeier schmeckt alles mit dem Pesto ab und wenige Sekunden danach steht das fertige Menü in der obligatorischen Pappschachtel bereit.

Wagen bietet Kapazität, für 500 Gäste zu kochen

Organisation spielt derzeit die entscheidende Rolle im Leben von Marc Glösemeier. Und ein 14-Stunden-Arbeitstag in einer 7-Tage-Woche keine Seltenheit. Mittwochs Mittags steht die „FoodFahrbrik“ derzeit immer im Kirchhainer Industriegebiet – weitere Standpunkte sollen demnächst hinzukommen. Die Marburger Innenstadt sei extrem interessant. Einen geeigneten Stellplatz zu finden, ist dafür umso schwieriger. Gewinne möchte Glösemeier vor allem am Wochenende über Privat- und Firmenveranstaltungen erzielen.

Nach seinen Angaben kann er bis zu 500 Gäste versorgen. Bei größeren Festen braucht aber selbst der engagierteste Koch Unterstützung. Dann hilft ihm seine Freundin. Sie war es auch, die Marc Glösemeier darin bestärkt hat, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Alle Konzentration liegt nun auf dem Erfolg des rollenden Nudel-Restaurants – Glösemeier schmiedet aber schon jetzt Pläne für weitere Food-Trucks mit einem abweichenden Angebot, die er gerne auf die Reise schicken würde.
Was dem Koch dabei genau vorschwebt, will er jetzt noch nicht verraten. „Das bleibt vorerst mein Geheimnis.“   

Die Standorte des rollenden Restaurants von Marc Glösemeier und Möglichkeit zur Kontaktaufnahme gibt es auf www.foodfahrbrik.de.

von Dennis Siepmann

Das Rezept

Basilikum-Pesto mit Nudeln

von Marc Glösemeier
Pesto:

  • Basilikum (frisch gezupft und gewaschen)
  • Olivenöl
  • Pinienkerne und Parmesan-Stücke  in den Mixer (nicht vollständig zerkleinern)
  • Meersalz
  • Alle Zutaten vermengen, sodass eine dickflüssige Masse entsteht.

Zubereitung:
Weitere Pinienkerne in der Pfanne bei hoher Temperatur anrösten. Cocktailtomaten aufschneiden und dazugeben. Anschließend das Pesto hinzugeben. Die gekochten Nudel abtropfen lassen und in die Pfanne geben. Alles zusammen unter kräftigem Umrühren erhitzen.

Die Fakten

Wissenswertes zu Basilikum

Basilikum (Ocimum basilicum) stammt ursprünglich aus Indien – in den heimischen Breitengraden ist es der temperaturempfindlichen Gewürzpflanze im Winter daher viel zu kalt, erklärt Franziska Kleinschmidt, die als Floristikmeisterin bei „Garten und Genuss“ in Buchenau tätig ist. Die im Handel als „winterhart“ angepriesenen Sorten seien meist nur ein wenig robuster als die verkaufsüblichen Pflanzen. „Zu diesen robusteren Sorten zählt zum Bespiel das rotblättrige Basilikum“, erläutert Kleinschmidt. Basilikum wachse hierzulande in der Regel nur einjährig und müsse zum Frühling neu gesetzt werden. „Der heimische Basilikumtopf sollte spätestens im Herbst von draußen auf die Fensterbank im Haus wandern, wo er dann bei mindestens 15 Grad überwintern kann“, erklärt Kleinschmidt. Basilikum gibt es in den verschiedensten Gewürznoten – zum Beispiel Zitronenbasilikum oder Zimtbasilikum. Diese seien oft jedoch etwas schwieriger in der Pflege, laut Kleinschmidt.

Kontakt und weitere Informationen zum Thema gibt „Garten und Genuss“ in Buchenau oder unter www.garten-und-genuss.de.

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