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Das Mairübchen: Tausendsassa unter den Gemüsen

Besser-Esser Das Mairübchen: Tausendsassa unter den Gemüsen

Kennen Sie Mairübchen? Nein? Dann erfahren Sie nun, wie vielseitig man das etwas in Vergessenheit geratene, kalorienarme, aber vitaminreiche  Gemüse in der Küche verwenden kann.

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Bettina Böhm bewirtschaftet mit ihrem Mann Arnold Nau-Böhm den Biohof Böhm in Bauerbach.

Quelle: Katharina Kaufmann

Bauerbach. Es summt und brummt in der Luft. Bienen und Hummeln tummeln sich in den Beeten. Bettina Böhm, genannt „Tine“, hockt zwischen den Pflanzen, zeigt hier eine Blüte, dort ein ausgereiftes Gemüse und erklärt, wie es sich am besten zubereiten lässt. Im Saisongarten des Biohofs Böhm im Marburger Stadtteil Bauerbach ist immer Betrieb, egal ob am frühen Morgen, am Mittag oder am Abend.

Die Mairübe ist ein etwas in Vergessenheit geratenes, kalorienarmes, aber vitaminreiches Gemüse und kann in der Küche vielseitig verwendt werden. Angebaut wird das Mairübchen unter anderem auf dem Biohof Böhm im Marburger Stadtteil Bauerbach. Katharina Kaufmann war in dem Saisongarten mit der Kamera unterwegs.

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„Gerade jetzt zur Erntezeit herrscht ein regelrechtes Kommen und Gehen“, weiß „Tine“ Böhm, die Herrin über die Beete und Pflanzen. Die einen rupfen stundenlang Unkraut, die anderen huschen vor dem Mittagessen noch kurz vorbei, um frisches Gemüse für die Mahlzeit zu holen.

Die Mairübchen müssen raus

„Die Mairübchen müssen raus, die schießen sonst und werden ungenießbar“, ruft Böhm einer Saisongärtnerin zu, bückt sich und zieht demonstrativ eine Rübe aus der Erde.
„Mairübchen sind ein jahrhundertealtes Gemüse und in den vergangenen Jahren ein bisschen in Vergessenheit geraten“, erklärt Böhm. Die studierte Agrarwirtschaftlerin weiß, wovon sie spricht: Gemüse – das ist ihre Passion und die Saisongärten ihre Leidenschaft.

Im Jahr 1986 haben Bettina  Böhm und Arnold Nau-Böhm den Hof in Bauerbach übernommen. Seitdem wird die Anlage ständig weiterentwickelt. „Wir haben die Flächen und die Tierhaltung umgestellt und bewirtschaften den Betrieb seit 1992 aus voller Überzeugung komplett biologisch“, erklärt Böhm.
Wichtig sei ihnen der verantwortungsbewusste Umgang mit der Natur und dem Boden. Derzeit bewirtschaften die Böhms rund 60 Hektar Acker- und Grünland. Der Schwerpunkt liegt auf dem Anbau von Getreide und Hülsenfrüchten.

79 Parzellen bewirtschaftet

Die Arbeit im Biogarten – der  den Namen „Querbeet“ trägt – sieht Böhm als ein regionales, bäuerliches Projekt. Fast jeden Tag steht sie selbst im Beet, leitet an, gibt Ratschläge oder erntet in ihrer eigenen Parzelle. Insgesamt 79 Parzellen hat Böhm in diesem Jahr an Hobbygärtner und solche, die es noch werden wollen, vergeben. Die meisten kommen aus Marburg, leben in Mietwohnungen und haben keinen eigenen
Garten, schon gar keinen Gemüsegarten. „Das bekommen sie dann hier bei uns“, berichtet Tine Böhm. Am Jahresanfang hat sie gemeinsam mit ihrem Mann rund 25 verschiedene Gemüsesorten  und Salate in langen Reihen gepflanzt.
Quer werden dann die einzelnen Parzellen abgeteilt. Die Breite variiert je nach Bedarf: ein Meter, 1,50 Meter oder zwei Meter.

25 verschiedene Gemüsesorten

Zu den 25 im Frühjahr gesetzten Gemüsesorten gehört auch das Mairübchen. „Leider war das Frühjahr bei uns ja sehr trocken, das merkt man auch hier im Garten“, sagt Böhm und schildert anschließend, welche Auswirkungen der fehlenden Regen hat: „Fast alle Pflanzen sind nicht richtig groß und dick geworden und werden viel, viel später reif.“

So auch das Mairübchen. Das ist, wie der Name schon sagt, nämlich eigentlich eines der ersten Gemüse, die im Garten geerntet werden können. „Das Praktische an den Mairübchen ist, dass sie – unter normalen Umständen – nur sechs bis acht Wochen brauchen, um reif zu sein“, erläutert die Landwirtin. Und: Man kann sie im Spätsommer noch einmal anpflanzen und dann als Herbstrübchen ernten.

Reif heißt im Falle des Mairübchens eine Knollengröße von acht bis zehn Zentimetern zu haben. „Das ist bei uns jetzt erst der Fall“, ergänzt Böhm. Und deshalb muss es jetzt schnell gehen: „Wenn die Mairübchen schießen, werden sie ungenießbar.“ Schießen bedeutet in diesem Fall – wie auch bei Salaten – dass das Gemüse beginnt zu blühen. „Dann schmeckt es schnell bitter“, so Böhm.

Und wie schmeckt es sonst?  Wie eine Mischung aus Rettich, Kohlrabi und Radieschen. Fein, fast butterweich und wenig faserig. „Und man kann damit so viel machen“, schwärmt Tine Böhm, während sie ein weiteres aus der Erde zieht. So viel mehr  als beispielsweise mit Kohlrabi (siehe Zubereitung).

von Katharina Kaufmann

Die Fakten

Saison
Die Saison für Mairübchen ist kurz – wie der Name schon andeutet, gibt es sie meist ab Mai und je nach Wetterlage oft noch bis in den Juni und Juli hinein. Allerdings: Pflanzt man sie im August/September an, kann man sie als etwas größere kräftigere „Herbstrübchen“ im Oktober/November ernten.
Herkunft
Schon bei den alten Römern veredelte man viele Gerichte und auch Brot mit den Samen des Mairübchenstrauchs. Römische Eroberer hatten diese vor rund 2 000 Jahren im Gepäck, als sie nach Germanien kamen. Ursprünglich allerdings stammt das Mairübchen aus Indien, wo es bis heute angebaut wird.
Geschmack
Mairübchen zeichnen sich durch einen feinen, leicht süßlichen und dabei dezent rettich-ähnlichen Geschmack aus.
Vitamingehalt
Mairübchen haben es nicht nur kulinarisch in sich, sondern enthalten auch ausgesprochen nützliche Stoffe – allen voran sind das vor allem Karotin, Vitamin C, B-Vitamine, Folsäure, Eisen und Zink. Dazu haben sie einen relativ hohen Ballaststoffgehalt, fast kein Fett und nur wenige Kalorien.
Einkauf
Fast immer kommen Mairübchen mit dem Blattgrün auf den Markt. Je zarter und dabei knackiger es wirkt, desto besser sind die Rübchen. Aber auch den Rüben selbst kann man ihre Qualität durchaus ansehen: Sie sollten weiß sein und prall aussehen. Die kleinen (mit einem Durchmesser von etwa fünf Zentimetern) sind die zartesten.
Lagerung
Frische Mairübchen bleiben im Gemüsefach des Kühlschranks drei bis vier Tage  lang knackig, danach verlieren sie an Geschmack und Vitamingehalt. In Sand eingelagert halten sie sich ähnlich wie Möhren oder Rote Bete auch über den Winter.
Zubereitung
Mairübchen sind schnell küchenfertig: Abspülen, trockentupfen und mit einem Sparschäler schälen.

Das Rezept

Mairübchen in Sahnesoße

  • Mairübchen
  • Schlagsahne
  • etwas Butter
  • Pfeffer und Salz

Als schnelle und leckere Beilage lassen sich Mairübchen mit einer Sahnesoße genießen. Dazu werden die Rüben gewaschen, geschält und in dünne Scheiben geschnitten. Anschließend wird in einem Topf ein Stück Butter geschmolzen.
Darin wird das Gemüse leicht angebraten. Vorsicht, nicht zu heiß werden lassen, sonst werden die Mairübchen schnell schwarz. Dann Schlagsahne dazugeben, kurz aufkochen lassen und mit Pfeffer und Salz abschmecken.

von Bettina Böhm 

Zubereitung

roh, gebraten oder gedünstet

Für Mairübchen gibt es die verschiedensten Zubereitungsmöglichkeiten. „Man kann sie roh essen, einfach als kleine Zugabe auf einem Brot mit Frischkäse oder Butter“, erklärt Bettina Böhm. Genauso gut könnten sie zu einer Suppe oder einem Auflauf verarbeitet, gebraten, gedünstet oder gekocht werden. „Mairübchen sind ein Tausendsassa unter den verschiedenenen Gemüsen“, betont die Bio-Landwirtin. Wahrscheinlich gebe es die Sorte deshalb auch schon seit Jahrtausenden. Die weiß-lila oder weiße Rübe ist nämlich eine alte Kulturpflanze, die schon in der Antike
genutzt wurde.
Vor der Einführung der Kartoffel spielte sie eine wichtige Rolle im europäischen Raum. Sie ist reich an verschiedenen Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweiß (siehe Die Fakten).
Auch die Schale kann gekocht und gegessen werden. Sie enthält einen relativ hohen Anteil an Senfölen. Und die Blätter des Mairübchens können wie Spinat verarbeitet werden. „Wichtig ist, dass man sie hackt, bevor man sie püriert“, betont Böhm.
In manchen Gegenden werden laut Lexikon auch nur die Blattstiele des Gemüses als sogenanntes Rübstiel gegessen.

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