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Die Zahl 29 und eine große Leidenschaft

"Bacco's" Die Zahl 29 und eine große Leidenschaft

Im Alter von 29 Jahren eröffnet Stefania Stroh gemeinsam mit ihrem Mann Eugen in Wetter das „Bacco‘s“. Ihr Vater hat sich bereits vor 29 Jahren selbstständig gemacht – und war dabei ebenfalls 29 Jahre alt.

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Viele Auswahl hat das Bacco's für seine Gäste zu bieten.

Quelle: Tobias Hirsch

Wetter. Die Dunstabzugshaube in der neuen, geräumigen Küche läuft auf Hochtouren. Dennoch liegt der Geruch von Essen in der Luft. Denn auf dem Herd schmoren Kalbsbäckchen gemeinsam mit Gemüse und Soße und hinterlassen einen angenehm würzigen Duft von Zwiebeln, Rosmarin und Knoblauch in der sonst noch steril wirkenden Restaurantküche. Fast drei Stunden braucht das Gericht, das im Anschluss mit Kartoffelpüree und einem Glas Rotwein serviert wird.
Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Genauso wie das neueröffnete Restaurant „Bacco’s“ im Herzen Wetters.

Nur etwa einhundert Meter entfernt vom „La Dolce Vita“ tritt Stefania Stroh in die Fußstapfen ihres Vaters Davide Pellolio. Gemeinsam mit ihrem Mann Eugen hat sie sich am 1. November im Erdgeschoss des neuen Ärztehauses in der Bahnhofstraße selbstständig gemacht. Wie schon ihr Vater, der im nächsten Jahr mit dem „La Dolce Vita“ 20-jähriges Jubiläum feiert, wagt sie den Schritt, in Wetters Mitte ein italienisches Restaurant zu eröffnen.

Eugen Stroh: „Er lernt mich mehr oder weniger an“

Doch ganz alleine sind sie und ihr Mann nicht. Jeden Tag schaut Davide Pellolio vorbei, hilft bei den Vorbereitungen und steht auch viel Zeit selbst am Herd. „Er lernt mich mehr oder weniger an“, sagt Eugen Stroh schmunzelnd. Der 32-Jährige verfügt zwar noch über wenige gastronomische Erfahrungen, soll aber nach und nach das Zepter in der Küche übernehmen. Da hilft es, dass die wöchentlich wechselnde Karte im „Bacco’s“ recht klein ist, wie er zugibt. „Da kann man sich besser auf die Arbeit an den einzelnen Gerichten konzentrieren“, sagt Eugen Stroh.

Die Auswahl an Wein wiederum ist im Verhältnis deutlich größer. Kein Wunder, ist Stefania Stroh doch ausgebildete Sommelière. Zudem gibt es im „Bacco’s“ für den kleinen Hunger Käse, Fleisch, Antipasti und weitere italienische Spezialitäten in wechselndem Angebot.

Vieles muss sich noch einspielen, viele Kleinigkeiten angepasst werden. So wird das „Bacco’s“ zukünftig nicht mehr um 10 Uhr öffnen, sondern erst um 11.30 Uhr. „Montag machen wir ab sofort Ruhetag. Dafür haben wir abends länger geöffnet“, fügt Stefania Stroh, die noch nach einer Servicekraft sucht, hinzu.

Erfahrung ist eben alles. Und von der hat ihr Vater genug. Vor fast 30 Jahren machte der mit 16 Jahren nach Deutschland gekommene Italiener sich in Wetter selbstständig. Im Alter von 29 Jahren eröffnete er in Wetter das „Eckchen“. Zehn Jahre später das „La Dolce Vita“. Seit wenigen Tagen ist auch Stefania Stroh 29 Jahre alt – für ihren Vater eine schöne Parallele.

Stefania Stroh würde sich über eine weitere Parallele sicher auch freuen. Nämlich die, dass das „Bacco’s“ ähnlich alt wird wie das „La Dolce Vita“. Dahin ist aber noch ein weiter Weg. Erst einmal stehen die nächsten Schritte an. Der Außenbereich muss noch bepflanzt, die Terrassenmöbel noch bestellt werden. Im Sommer dann, wenn hoffentlich auch das Wetter mitspielt, soll es erst richtig losgehen.

von Tobias Kunz

Das Rezept
Geschmorte Kalbsbäckchen

von Eugen Stroh

Zutaten

  • 600 Gramm Kalbsbäckchen
  • 1 kleine Zwiebel
  • 1 Zweig Rosmarinn 
  • 2 Karotten
  • 2 Selleriestangen
  • 3 Esslöffel Walnussöl
  • 1 Tomate 
  • 1 Knoblauchzehe
  • 300 Milliliter Rotwein
  • 1 halber Liter Gemüsebrühe
  • 2 Zuckerschoten

Zubereitung

Das Öl in einem Topf erhitzen. Die Zwiebel und die Tomate in Würfel schneiden und zusammen mit dem Rosmarin und den Kalbsbäckchen im Topf anbraten. Anschließend mit 100 Milliliter Rotwein ablöschen, mit der Gemüsebrühe bedecken und für zwei Stunden bei niedriger Temperatur mit der Knoblauchzehe schmoren lassen.

Die Karotten und die ­Selleriestangen klein schneiden und mit  etwas Öl anbraten. Das Gemüse im Anschluss mit dem restlichen Rotwein ablöschen und für eine halbe Stunde reduzieren lassen. Das Gemüse zum Fleisch tun und zwei Minuten vor dem Ende die Zuckerschoten hinzufügen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das fertige Gericht auf einem Teller servieren. Dazu passt Kartoffelpüree.

 

Wein und andere berauschende Substanzen

Bacco’s – der Name ist Programm. Denn Bacco ist das italienische Wort für Bacchus, den römischen Gott des Weines und des Rausches. Bacchus wiederum entspricht dem griechischen Gott Dionysus. Den Überlieferungen nach soll sich in der Antike um den Weingott auch in Rom schnell ein Kult gebildet haben. Ihm zu Ehren wurden im Frühjahr die Bacchanalien abgehalten. Ausschweifende Feste, bei denen den Erzählungen nach neben Wein auch andere berauschende Substanzen konsumiert wurden.

Deshalb wurden im alten Rom die Feierlichkeiten 186 vor Christus für rund 100 Jahre verboten. Der Weingott verkörpert auch negative Seiten – in ihrem Restaurant will Stefania Stroh aber nur die Vorzüge des Weingenusses vermitteln. Deshalb hat die 29-Jährige an der Weinschule in Koblenz extra eine Ausbildung zur Sommelière abgeschlossen. Im „Bacco‘s“ werden nicht nur Speisen und Getränke an die Tische serviert, sondern auch ganze Flaschen Wein verkauft. „Auch Käse und Fleisch kann man bei uns kaufen“, erklärt Stefania Stroh. Ursprünglich war dies zwar nicht geplant, sagt sie, die Fläche für das Restaurant sei aber größer geworden, als vorher gedacht, sodass Eugen und Stefania Stroh sich dazu entschieden, eine Ladentheke einzurichten. Das Kerngeschäft bleibt neben dem Lokal aber der Weinhandel.

Und so würde es nicht verwundern, wenn in Wetter in Zukunft vermehrt ein lautes „per bacco!“ zu vernehmen ist. Der Ausspruch ist heute noch in Italien geläufig und bedeutet als Trinkspruch „für Bacchus!“ – oder aber „Donnerwetter!“, wenn es einmal etwas zu viel Wein war. Wie der römische Weingott hat auch der Trinkspruch seine zwei Seiten.

Hintergrund

Richtig schmoren
Deckel drauf und gut ist: Das Schmoren ist die ideale Garmethode für alle, die beim Kochen gerne ihre Ruhe haben. Belohnt werden Hobbyköche mit saftigen Bratenscheiben. Wichtig dafür ist allerdings das richtige Zubehör. Dafür gibt es drei Möglichkeiten, erläutert die Zeitschrift „Beef“:

  1. Der Schmortopf für den Herd: Er sollte dickwandig und geräumig sein sowie einen schweren, exakt aufsitzenden Deckel haben. Das ist wichtig, damit sich im Bräter unterschiedliche Hitzearten und Feuchtigkeitsverteilungen bilden können. Am besten besteht der Schmortopf aus emailliertem Gussmaterial oder Edelstahl mit mindestes drei Millimeter Wandstärke.
  2. Der Dutch Oven: Er wird traditionell am offenen Feuer benutzt. Glutstücke auf dem Deckel führen die Hitze an allen Seiten zu. Zur gefahrlosen Handhabung empfehlen sich Schweißerhandschuhe.
  3. Der Backofen: Er muss für Schmorgerichte mit geschlossenem Deckel keine besonderen Anforderungen erfüllen, solange er die Temperatur hält. Beim Garen mit offenem Bräter ist eine möglichst gleichmäßige Hitzeverteilung bei Umluft wichtig.

Rosmarin
Das Gewürz spielt oft eine Nebenrolle in Rezepten, seine Wirkung ist aber nicht zu unterschätzen. Denn in den Nadeln stecken viele ätherische Öle, sekundäre Pflanzen- sowie Bitterstoffe. Rosmarin regt den Kreislauf an, wirkt gegen Blähungen und sorgt für eine bessere Durchblutung, erläutert der Verbraucherinformationsdienst „aid“. Dank seiner ätherischen Öle duftet und schmeckt Rosmarin sehr intensiv.Es sollte daher vorsichtig dosiert werden.

Wenn die Temperaturen dauerhaft unter fünf Grad minus sinken, sollten Hobbygärtner auch im Kübel wachsenden Rosmarin ins Haus holen. Sollte das nicht gehen, braucht der Rosmarin einen geeigneten Frostschutz.
Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz rät, um ihn herum eine Art wärmenden Kragen aus einer 20 Zentimeter dicken Schicht Laub zu bilden. Dieser schützt die Pflanzen vor gefährlichen Kahlfrösten.

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