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Auf die Straße, fertig, los!

Besser Esser Auf die Straße, fertig, los!

Es sind prächtige Umbauten – mal bunt, mal elegant. Foodtrucks und Straßenstände liegen im Trend und bieten kulinarische Überraschungen. Fleischgelüste werden ebenso befriedigt wie die Wünsche von Veganern und Vegetariern.

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Dominik Fuchs vor seinem "Veggiewerk"-Truck.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. Sonntag, 12 Uhr Mittags. High noon sozusagen. Die Sonne steht hoch am Himmel. Von den Ständen und umgebauten Bussen ziehen Rauchwolken über das Messegelände. Sie tragen verschiedenste Düfte über die zugegebenermaßen nicht besonders ansehnliche Schotterlandschaft. Auf das Gelände angesprochen, verschieben sich auch die Mundwinkel von Dominik Fuchs ein klein wenig nach unten. Lieber wäre dem „Mädchen für alles“, wie er sich selbst bezeichnet, ein Platz, der näher an der Marburger Innenstadt liegt. So müssen die Besucher zumeist mit dem Auto anreisen. Passanten, die zufällig auf dem Gelände landen, gibt es so gut wie gar nicht. Dominik Fuchs, der hier jeden Verkäufer persönlich kennt, hat es sich auf einer Bierbank in der Mitte des kreisförmig angeordneten Festival-Geländes gemütlich gemacht und blickt auf einen der Eingänge. Noch ist der Andrang überschaubar.

Fuchs wirkt jedoch alles andere als nervös. „Das Wetter ist perfekt“, sagt er. Und nicht nur die meteorologischen Voraussetzungen stimmen. Der 33-Jährige hat einige Erfahrung in Sachen „Streetfood“. An 24 Wochenenden im Jahr ist er mit seinem eigenen Wagen „Veggiwerk“ unterwegs und kümmert sich als Mitorganisator um die Platzbelegung und technischen Belange während der „Streetfood Festival Tour“. Zu seinen Aufgaben gehört unter anderem die Versorgung der Stände mit Wasser, Gas und Strom.

Koch Christoph Müller.

Gerade wirkt Fuchs sogar entspannt. Der zweite Festival-Tag sei immer einfacher, weil die Technik ja schon steht und alle Anbieter ihren Platz gefunden haben, erklärt er. Am gestrigen Samstag ging es auch erst gegen 17 Uhr so richtig los. Es bleibt also Zeit für einen kurzen Rundgang:

Ein paar Meter entfernt steht Christoph Müller unter seinem weißen Pavillion. „Alles selbst erlegt im eigenen Revier“, ruft er über die Theke hinweg, auf der kleine Geweihe drapiert sind. „Mehr Wild geht nicht“, sagt Müller. Unter anderem steht ein Wrap mit gezupftem Wildfleisch und mariniertem Rotkraut auf der Karte. Fuchs und Müller erklären im Folgenden, dass die natürliche Behandlung der Zutaten zum Streetfood-Konzept gehört. „Es soll möglichst alles handgemacht sein“, sagt Fuchs und Müller ergänzt. „Ja, ich verwende nur frische Produkte ohne E- oder Farbstoffe“.

Insekten schmecken unerwartet

Etwa zehn Schritte entfernt von Müllers Stand geht es rund. Naan-Brot-Rollen stehen auf der Karte der Nanbro´s. Feine Zutaten verpacken hier Sven Fischer und Svenja Schaffir in dem Hefe-Teig. Auch hier hat sich mittlerweile eine stattliche Schlange gebildet. Die Temperaturen auf dem Gelände steigen weiter. Viele suchen schon jetzt Schutz vor der Hitze unter einem der aufgespannten Zelte. Beim Rundgang geht es nun vorbei am Getränkestand.

Die Nanbro´s Sven Fischer und Svenja Schaffir aus Köln.

Dann wird es plötzlich ein wenig kribbelig. Nicht weil die Insekten am „What the bug“-Stand noch leben würden, sondern vielmehr weil die Auslage doch eher ein ungewohnter Anblick ist. Was die Experimentierfreudigkeit betrifft, sei jeder Tag und jede Stadt anders, sagt Desiree Niehauss hinter der Theke stehend. Die angebotene Insektenmischung werde hier fertig geröstet angeboten. Ein Hingucker ist der Stand allemal - für viele bleibt es allerdings bei einem neugierigen Blick auf wunderliche Köstlichkeiten. Aber was soll‘s? Wann tut sich schon mal die Chance auf, Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken mit Nutella, Knoblauch, Chili oder Karamell zu probieren?

Der Biss auf die Heuschrecke bringt die Erkenntnis, dass der Geschmack keineswegs eklig ist. Eher knusprig nussig. Standbetreiber Stan van Triest beobachtet bei seinen Kunden häufig ein erleichterten Gesichtsausdruck nach dem ersten Genuss: „Erst denken sie ´Oh Gott, oh Gott´ und dann ist es meist nicht wie erwartet“, sagt Triest. Aber natürlich gibt es auch diejenigen, die sich nicht überzeugen lassen, stimmen Niehuss und van Triest überein.

Desiree Niehauss und Stan van Triest von "What a bug".

Für Veganer Dominik Fuchs liegt diese Art tierischer Produkte noch am nächsten zu seinen eigenen Prinzipien. Die Insekten werden in speziellen Zentren in den Niederlanden gezüchtet, wobei die verbrauchte Energie minimal sei. „Und es wird längst nicht so viel Wasser aufgewendet wie bei der Massentierhaltung“, erklärt Fuchs die ökologischen Vorteile der „Insekten-Zucht“.

Weiter wandern wir quer über das Festival-Gelände zum Stand von Guna Upal Semante. Hier gibt es Köstlichkeiten aus dem fernen Sri Lanka unter dem klangvollen Namen „Hase im Mond“. Semante ist wie Christoph Müller heute als „Einzelkämpfer“ unterwegs und trotz der langen Schlange vor seinem Stand bester Laune. „Er war im letzte Jahr auch schon hier und die Leute scheinen sich gemerkt zu haben, dass es hier lecker war“, deutet Dominik Fuchs die geduldig wartende Menschentraube vor dem Stand als Zeichen der Anerkennung.

Guna Upal Semante.

So geht es noch bis in die Abendstunden weiter. Hinter den Theken wird fleißig geschnippelt, gebrutzelt und serviert. Davor drücken sich die Besucher aneinander vorbei, um einen Blick auf die Köstlichkeiten zu bekommen.

„Wir machen das höchstens zweimal im Jahr in einer Stadt“, sagt Fuchs. Wenn die Besuche häufiger seien, ginge auch der Reiz verloren, meint der 33-Jährige. Marburg wird aller Voraussicht nach im nächsten Jahr wieder in den Genuss eines „Street-Food-Festivals“ kommen. Vielleicht ja dann im Grünen.

von Dennis Siepmann

 
Fakten

Essen von der Straße?
„Street-Food“ – was ist das eigentlich? Per Defintion eine „Zwischenmahlzeit von einem fahrbaren Verkaufsstand auf einer öffentlichen Verkehrsfläche“. So weit so gut. Der Trend, mehrere dieser fahrbaren Stände auf einem Gelände zusammen zu bringen, stammt aus den Großstädten, erklärt Streetfood-Gastronom Dominik Fuchs. „In Berlin gibt es diese Art Festivals schon seit ein paar Jahren. Sogenannte Foodtrucks sind in Nürnberg sehr beliebt“, erklärt Fuchs. Die fränkische Stadt gilt als deren Hochburg. Die Darreichung der Speisen ist meist so, dass man das Gericht sofort und ohne Besteck (als „finger food“) bekommt – beispielsweise auf einem Pappteller, auf oder in einem Pflanzenblatt, in Papier oder in eine Papierserviette eingewickelt oder auf Holzstäbchen aufgesteckt.  

Voll im Trend
Und was ist so angesagt auf den Foodfestivals? „Alles was neu, hochwertig, hip oder modern ist“, sagt Dominik Fuchs: „Bei diesen Veranstaltungen legen wir Wert darauf, dass alles selbst gemacht ist – beispielsweise die Soßen zu den einzelnen Gerichten“. Fertigprodukte seien bei der Zubereitung verpönt. „Das Gericht sollte auch nicht zu standardmäßig sein, also keine Wurst für 2,50 Euro“, sagt Fuchs und verweist auf weitere Trends aus der Szene. Unter anderem auf die sogenannte „Fusions-Küche“, die  unterschiedliche Esskulturen und Kochkünste, aber auch scheinbar nicht zusammen passende Zutaten in einem Gericht kombiniert.

Schwedisches Heimspiel
Streetfood ist oft einzigartig und typisch für die Region und wird meist an Ständen oder Wagen verkauft, die von Kleinunternehmern betrieben werden. In Marburg hatte bespielsweise „Svensk Catering“ ein echtes Heimspiel. Die Marburger brachten an ihrem Wagen schwedische Spezialitäten unter die Besucher. Viele andere Anbieter haben jedoch weite Wege auf sich genommen, um in Marburg dabei sein zu können.  Teilweise reisen sie aus dem gesamten Bundesgebiet an, in einer Besetzung von ein  bis vier Personen. Zwei Anbieter sind sogar extra aus den Niederlanden gekommen.

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Frisch, unbehandelt und aus der Region haben es immer mehr Verbraucher am liebsten: Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt und das Bewusstsein für die Herkunft der Waren wächst. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es eine Vielzahl von Direktvermarktern. Die OP stellt sie in dieser Serie vor. 

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