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Alles Frisch in der Braustube

Besser Esser Alles Frisch in der Braustube

Über Generationen hinweg konnte man in Wolzhausen frisch gebrautes Bier trinken und gut essen. Das Brauhaus ist Geschichte. Dieter Welter sorgt dafür, dass zumindest die kulinarischen Freuden nicht abreißen.

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Die Zahl 29 und eine große Leidenschaft

Das "Braustuben Spezial" zählt zu den beliebten Gerichten auf der Speisekarte der Hinterländer Braustube in Wolzhausen.

Quelle: Tobias Hirsch

Wolzhausen. Der 54-Jährige betreibt in der Straße „Zum Bolzenbach“ die Hinterländer Braustube. Im Ausschank hat er zwar kein Wolzhäuser Bier, aber aus den Zapfhähnen fließt Gerstensaft, den es nicht in jeder Gaststätte gibt. Gemeinsam mit seinen Schwestern Kerstin Theis, der Köchin Rita Schneider und Aushilfskräften sorgt er nicht nur dafür, dass die Gäste keinen Durst leiden müssen: Sie sollen auch satt und zufrieden sein.

Küche ist klein und blitzblank

Auf der Speisekarte der Braustube sind 13 Menüs aufgelistet. Die Auswahl reicht von diversen Schnitzel-Variationen über Cordon Bleu und Hackbraten bis hin zum halben Hähnchen nach Braustuben Art. Unter dem Namen „Cheffe“ gibt es einen hausgemachten Camembert in Schinken, auf Toast mit Salat und Preiselbeeren.

Wer auf Fleisch verzichten will, bestellt ihn ohne Schinken oder entscheidet sich für ein vegetarisches Schnitzel. Für den kleinen Hunger gibt es etwa Currywurst und Chicken Nuggets. Zu den beliebten Leckereien des Hauses zählt ein Wildkräutersalat.

In der kuscheligen und blitzblanken Küche zeigen uns Dieter Welter und seine Schwester Kerstin Theis, wie man ein „Braustuben Spezial“ zubereitet. Hauptbestandteil des Gerichts ist neben Fleisch aus der Lachsrolle des Schweins jede Menge Gemüse. Kerstin Theis gibt etwas Öl in die Pfanne und brät darin die frischen Möhren, Zwiebeln und ­Pilze an. Zum ­Gemüsepotpourri zählen auch Paprika und Zucchini. „Und ein Saisongemüse“, sagt die Köchin.

Zwei vom Braustubenteam: Chef Dieter Welter und seine Schwester Kerstin Theis

In die Pfanne gibt sie diesmal Kürbis. Bevor sie das Gemüse weiter dünstet, gibt sie ihre selbstgemachte Gemüsebrühe in die Pfanne. Deren Zusammensetzung gibt sie nicht preis. „Wir verwenden keine Geschmacksverstärker, kein Salz, keine Chemie“, betont sie. Unter strenge Geheimhaltung fällt auch die selbst kreierte Gewürzmischung.

Sie klopft das Fleisch nach alter Köche Sitte und paniert es. Dieter Welter gibt das Fleisch in seinen Schnitzel-Bräter, den er als „Attacke-Ofen“ bezeichnet. Der verrichtet seine Arbeit zwar schnell und gut, ist aber ein Stromfresser und soll alsbald ausgetauscht werden. „Eins der Windräder dreht sich nur für mich“, scherzt der Chef in Anspielung auf den nahen Windpark und seinen Ofen.

Freistil-Kochen selbst beigebracht

Die Schwester platziert das Schnitzel auf einem Teller, gibt das gedünstete Gemüse hinzu und garniert das Ganze mit frischen Pilzen, Salatblättern und fein geschnittenen Ringen aus Zwiebelschlotten. Für die Gäste ist die einzige Variable das Saisongemüse.

Dieter Welter bezeichnet sich selbst am Herd als „Freestyler“. Das Freistil-Kochen hat er sich selbst beigebracht. „Zur Küche bin ich gekommen, weil ich einen Teil meines Arbeitslebens im Ausland verbracht habe, davon fast drei Jahre in Schottland“, erzählt der 54-Jährige. Er wohnte und kochte ­zusammen mit Kollegen. Und Welter, der für ein Biedenkopfer Unternehmen als Polier im Hochbau arbeitet, kocht auch gerne zu Hause.

Das Anwesen, in dem sich die Gaststätte befindet, ist seit 2005 in seinem Besitz. Für das heute nicht mehr existierende Hinterländer Brauhaus, den Nachfolger der Thome-Brauerei, baute er einen Metzgerladen in eine Braugaststätte um, die er 2007 übergab. „Ich habe mich breitschlagen lassen“, sagt er rückblickend und scherzt: „Hier hätten drei bis vier Hebebühnen reingepasst.“

In der Hinterländer Braustube in Wolzhausen wird der Teamgeist großgeschrieben. Freundlich geht man miteinander und mit den Gästen um.

Damit kommt er auf eine weitere Leidenschaft zu sprechen, die ihn schon sein ganzes Erwachsenenleben begleitet: das Motorradfahren. Auf diversen Maschinen war er unterwegs. Heute nennt der Biker zwei Harleys und eine 1200er Suzuki Bandit sein eigen. Dieter Welter ist Präsident des Motorradclubs Geronimo MC Germany A-K-Biedenkopf mit Sitz in Niederhörlen.

Es versteht sich von selbst, dass vor der Hinterländer Braustube des öfteren Motorräder stehen. Der freundliche Tausendsassa freut sich über den Besuch von Bikern genauso wie über Wanderer, Mountainbiker, Reiter und Kutschen, die dort Halt machen. Für Pferde steht auf dem 3 500 Quadratmeter großen Areal eigens eine eingezäunte Wiese bereit.

Aber zurück zur ­Geschichte der Braugaststätte: Als das Hinterländer Brauhaus zumachen musste, schien auch deren Schicksal besiegelt. Dieter Welter entschloss sich aber, in eigener Regie weiterzu­machen. Er betont, dass er die Gaststätte nur im Nebenerwerb betreibe. An erster Stelle stehe für ihn sein Beruf.

Montags legt auch der Chef einmal die Beine hoch

Gleichwohl nimmt die Arbeit als Wirt einen großen Teil seiner Freizeit in Anspruch. Im Lokal gibt es rund 50 Sitzplätze. Der angrenzende 160 Quadratmeter große Biergarten ist nicht nur im Sommer beliebt. In der kühlen Jahreszeit ist er mit einem beheizten Zeltbau überdacht.

Die Geschwister freuen sich, dass auch die Woche über ordentlich Betrieb in der Braustube herrscht, an den Wochenenden brummt der Laden sowieso. Besonders stolz ist Dieter Welter auf einen runden Tisch in seinem Lokal, den er extra anfertigen ließ. Die Tischplatte ruht auf einem original Holzfass der Thome Brauerei. Deren früherer Chef, Fritz Thome, feierte an dem Tisch seinen 80. Geburtstag und weihte ihn damit quasi ein. „Vorher durfte niemand an ihm sitzen“, betont der gebürtige Wolzhäuser.

Und was macht Dieter Welter in seiner Freizeit, wenn er nicht mit dem Motorradclub unterwegs ist, in der Küche, am Tresen steht, im Service mithilft oder frische Ware einkauft? „Der Montag ist mein heiligster Tag, da entspanne ich mich in der Bad Endbacher Therme, gehe dort in die Sauna“, verrät er.

von Hartmut Berge

Das Rezept

von Kerstin Theis
Zutaten für zwei Personen 100 Gramm Möhren

  • 100 Gramm Zwiebeln
  • 100 Gramm Pilze
  • 150 Gramm Paprika
  • 120 Gramm Kürbis (Saisongemüse)
  • 100 Gramm Zucchini
  • Öl zum Braten
  • Zwei Stücke Schweinelachs (Schnitzel)
  • Panade nach eigener Wahl
  • Beilagen: Pommes oder Rösti

Zubereitung
Von dem frischen ­Gemüse werden zunächst Möhren, Zwiebeln und Pilze gedünstet, nach und nach wird das übrige Gemüse hinzugegeben. Hinzu kommt die Gemüsebrühe, das Ganze wird so gedünstet, dass das Gemüse noch bissfest bleibt. Die Fleisch von der Schweine-Lachsrolle in der Pfanne braten, das Gemüse wird am Schnitzel angerichtet, auf einem Teller serviert.

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