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Erste Ausstattung geht ins Geld

Baby-Glück Erste Ausstattung geht ins Geld

Was benötigt ein neugeborenes Kind - und ­was ist am Ende nur rausgeworfenes Geld? Über ­diese Frage können sich Eltern den Kopf zerbrechen - weil das Angebot immer größer wird.

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Kinderwagen und vieles mehr müssen vor der Geburt besorgt werden.

Quelle: pixabay

Marburg. Von Kinderwagen über Möbel bis hin zu Babyphon, Schnuller und Kleidung: Rund um das Wohlergehen der Kleinsten hält der Handel die unterschiedlichsten Produkte für Eltern bereit. 2013 investierten Mütter und Väter in Deutschland rund 6,5 Milliarden Euro in die Ausstattung ihrer Sprösslinge, wie eine Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH Köln) zeigt. Die Ausgaben pro Kind stiegen dabei; im Schnitt geben werdende Eltern insgesamt 2976 Euro für ihr Baby aus. 2000 Euro kommen locker zusammen, schätzen Fachverkäufer aus dem Landkreis. Kauft man die Produkte neu, kosten allein Kinderwagen und Baby-Schlafzimmer schon in etwa soviel.

Was benötigen Eltern für die Erstausstattung?

Kinderwagen: In unserer Region benötigen Eltern einen Wagen, der auch „für Feld, Wald, Wiese“, tauglich ist, erklärt Birgit Brandl, Einkäuferin im ­Modehaus Begro. Ein Stadtflitzer oder ein Wagen mit drei Rädern sei eben nicht so stabil und bei ihrer Kundschaft daher weniger gefragt, sagt sie. Man sollte wissen, auf welche technische Details wie Handbremse oder Umklapp-Funktion man Wert legen möchte, erklärt sie. Und je nach Marke müsse man bei einem Wagen aus der neuen Kollektion mit einer Lieferzeit von sechs bis zehn Wochen rechnen, da manche Firmen jede Bestellung einzeln anfertigen.

Eltern haben die Wahl, ob sie noch die passende Wickel­tasche, einen Regen- oder Sonnenschirm dazukaufen. Als Alternative zur Decke fürs Baby im Kinderwagen empfiehlt Fachverkäuferin Sabrina Hoffmann ein Fußsäckchen. Darin sind die Füße eingepackt und das Kleine hat noch eine Kapuze, im Gegensatz zum Schlafsack ist das Fußsäckchen recht offen und daher nur eine Alternative zur Decke im Wagen, nicht aber zum Schlafsack - der wird für nachts benötigt.

Der Preisspanne für Kinderwagen sind nach oben keine Grenze gesetzt, das wissen die Fachhändlerinnen, die regelmäßig auf Messen die neuesten Modelle der Anbieter sehen. Doch im Kreis könne man keine Luxus-Kinderwagen für 2000 Euro verkaufen, sagen sie.

Zur Erstausstattung gehört auch die sogenannte „Ausfahrgarnitur“, das sind die Kleidungsstücke, die das Neugeborene bereits vom Weg in die Klinik nach Hause benötigt: Strampler, Body, Jäckchen (Größe 50/52 für die ersten Wochen), Söckchen, Mütze. Damit es auch beim Transport stets gut liegt, wird ein Baby-Save oder auch Baby-Schale benötigt. Zwei Schnuller und ein Fläschchen - falls es mit dem Stillen nicht klappt - gehören ebenfalls zur empfohlenen Erstausstattung. Der Schlafsack sollte warm sein und am besten größenverstellbar, raten die Expertinnen. Eine Babywanne und ein Wasser-Thermometer sowie Pflegeprodukte - und Tücher fürs Wickeln gehören ebenfalls auf die Einkaufsliste für werdende Eltern. Welche Farben wählt man? Bei den Wannen oder dem Zubehör ist die Farbe Mint derzeit gefragt. Sie ist hell und neutral, erklärt Brandl. Bei den Kinderwagen tendieren die Eltern zu Dunkelblau oder Grau - klassische, zeitlose und neutrale Farben. Rosa oder hellblaue Kinderwagen werden gar nicht mehr verkauft, so Brandl. Diese Farben kommen dann bei der Kleidung oder bei den Fläschchen wieder zum Vorschein.

Viele Eltern kommen bereits informiert ins Geschäft, zum Teil durch das Internet, stellen Verkäufer im stationären Handel fest. „Viele Firmen-Lieferanten gehen mittlerweile zu Fachhandelsprodukten über, die man im Internet nicht käuflich erwerben kann und somit die Gefahr der Dumpingpreise nicht entsteht“, erklärt Brandl. Der Kunde könne also nicht alles, was er im Fachgeschäft sehe,­ online kaufen. Die persönliche ­Beratung sei bei solchen ­Anschaffungen ohnehin wichtig.

„Als Mutter kenne ich die Fragen der Eltern und kann mich in ihre Situation hineinversetzen“, sagt Hoffmann. Interessant sei, dass im Verkauf meist Frauen­ arbeiten, aber bei den Fachmessen überwiegend Männer im Einsatz seien, um technische Details der Kinderwagen zu ­erklären, sagt Brandl.

Letztendlich gehe es wie bei vielen Kaufentscheidungen um Geschmack, aber bei der ­Sicherheit dürfe nicht zu viel gespart werden, rät sie Eltern.

Geräte, die Hunderte von Euro kosten, und intelligente Temperaturregulierung oder die Überwachung des Schlafs garantieren, könne sie nicht empfehlen. Auch Hightech könne im Baby-Zimmer keine absolute Sicherheit bieten. Ein Babyphone sei nach wie vor beliebt, aber auch das gehöre nicht zur nötigen Erstausstattung.

Die Erstausstattungsliste des großen Fachhändlers BabyOne­ umfasst zirka 80 Produkte, die nach Mahlzeiten, Pflege, Anziehsachen, Kinderzimmer, Unterwegs sowie Bücher und Spiele untergliedert sind. Viele Dinge davon, von Rassel, Spieluhr über Kuscheltier, sind natürlich kein Muss für Eltern - werden aber dennoch häufig verschenkt. Auch solche „kleineren“ Anschaffungen führen dazu, dass Eltern in den ersten Monaten tief ins Portemonnaie greifen. Nach aktuellen Berechnungen der „Zeit“, die auf Basis aktueller Daten des Statistischen Bundesamts basieren, ­geben Eltern 656 Euro im Monat für ihr Kind aus - inklusive Nahrung.

von Anna Ntemiris

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Von Redakteur Anna Ntemiris