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Drei Jungs freuen sich aufs Baby

Geschwisterkinder Drei Jungs freuen sich aufs Baby

Janne sowie die Brüder Noah und Jona erzählen, wie es für sie ist, bald ein Geschwisterchen zu bekommen. Noah und Jona sind die Söhne des Ehemanns von Anna Ntemiris.

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Die einen wollen es diskret, die anderen öffentlich

Jona (9, links) und Noah Weirich (11, rechts) sowie Janne Hirsch (4) bekommen bald ein Geschwisterchen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. OP: Janne, streichelst Du den Bauch Deiner Mama?
Janne Hirsch (4): Ich streichele oft das Baby.
Jona Weirich (9): Ich rede mit dem Baby. Ich sage ihm, beweg dich mal.

OP: Wie war das für Euch, als Ihr erfuhrt, dass Ihr ein Halbgeschwister bekommen werdet?
Noah Weirich (11): Ich war erst einmal kurz geschockt. Als Papa beim Abendessen sagte, Anna und ich wollen Euch was sagen, habe ich nicht gewusst, was jetzt kommt.
Jona: Ja, ich auch nicht. Ich war aufgeregt.
Noah: Ich habe auch gesagt, dass ich erst mal geschockt bin. Dann haben wir geredet und ­gelacht, fragten uns, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird.
Jona: Es ist erst ein Schock, dann eine Art Geschenk.

OP: Also Ihr freut Euch?
Janne: Ich habe mich so ­gefreut, dass ich das im ganzen Kindergarten weitererzählt ­habe.
Jona: Und ich in der ganzen Schule.
Noah: Na, die ersten Tage sollten wir das nur unseren besten Freunden erzählen. Damit es erst einmal Freunde und Familie erfahren.

OP: Wolltet Ihr lieber einen Jungen oder ein Mädchen haben?
Noah: Wir haben uns einen Bruder gewünscht, weil wir dann nicht die ganzen Barbiepuppen im Haus hätten. Aber wenn es ein Mädchen werden würde, wäre ich ja schon 17, wenn es in die 1. Klasse kommt. Also ist das im Endeffekt egal.
Jona: Ja, ich habe auch erst gesagt, es soll ein Junge werden. Aber es ist doch egal. Viele­ Mädchen in meiner Klasse sagten, ich bekomme bestimmt eine­ Schwester. Die Jungs dachten, es wird sicher ein Bruder. Jetzt wissen wir: Wir bekommen ­einen Bruder.
Janne: Ich will, dass erst ein Mädchen kommt, dann ein ­Junge.
Jannes Mutter, OP-Redakteurin Katharina Kaufmann-Hirsch, schaltet sich ein: Aber wir bekommen doch nur ein Baby, wahrscheinlich ein Mädchen.
Janne: Ja, erst ein Mädchen. Später will ich noch einen Bruder haben.
Jona: Anna verrät uns noch nicht den Namen. Wir denken uns Tricks aus, damit wir den Namen herausfinden können.
Katharina Kaufmann-Hirsch: Wir verraten den Namen auch noch nicht.

OP: Wie erlebt Ihr jetzt diese Zeit?
Jona: Ich bin aufgeregter als sonst. Ich spreche auch in der Schule oft darüber. Es ist ja ­etwas ganz Neues für mich. Als meine Cousine geboren wurde, war ich auch schon aufgeregt.
Janne: Ich freue mich nur.

OP: Was ist jetzt anders als vorher?
Noah: Wir achten darauf, dass Anna nicht zu viel trägt oder schwere Sachen hebt.
Jona: Ja, ich will, dass es meinem Geschwisterchen im Bauch gut geht.

OP: Was ist noch anders?
Jona: Ich glaube, Anna ist jetzt mehr wach, sie schläft nachts nicht so viel.
Noah: Sie ist manchmal gestresster.

OP: Was meinst Du damit?
Noah: Sie reagiert heftiger, wenn sie etwas stört. Früher hat sie gesagt, Papa soll nicht so schnell Auto fahren. Jetzt schimpft sie im Auto ganz laut und sagt, er soll sich entschuldigen.
Jona: Mir ist noch aufgefallen, dass sie mehr isst - sie nascht mehr und isst jetzt auch Sachen, die sie vorher nicht gegessen hat. Zum Beispiel Gummibärchen.

OP: Was denkt Ihr, wird sich ändern?
Jona: Wird die Wohnung zu klein? Wir wohnen ja bei unserer Mama, haben aber auch ein Zimmer beim Papa.
Noah: Jona, für Dich ändert sich doch nichts. Der Platz reicht doch.
Janne: Das Baby kommt in mein Zimmer.

OP: Wirst Du aufs Baby aufpassen, Janne?
Janne: Die Mama und der ­Papa passen auf das Baby auf. Und die Mama muss auf mich aufpassen.
Jona: Ich mag kleine Kinder. Ich werde aufs Baby aufpassen. Das ist schon eine kleine Lebensveränderung.

OP: Wart ihr auch schon mal mit beim Arzt?
Noah: Nein. Wir haben nur diese Bilder vom Arzt gesehen.
Janne: Ich war mit beim Arzt. Das Baby hat gewunken. Ich ­habe mich kaputtgelacht.
Kaufmann-Hirsch: Wir sahen beim Ultraschall, dass das Baby einen Arm hoch hielt.
Noah: Wir lachen auch, wenn der Bauch so wackelt. Das sieht witzig aus.

Kurze Eifersuchtsphase ist kein Grund zur Panik

Eltern machen sich heutzutage sehr viele Gedanken darüber, wie ihr Kind auf die Nachricht reagiert, dass es ein Geschwisterchen bekommt. „Manchmal zu viele“, weiß ­Renate Reddemann, Geschäftsführerin und Schwangerenberaterin bei Pro Familia Marburg. Wichtig sei, dass man den Kindern frühzeitig, sobald die Entscheidung für die Geburt gefallen sei, mitteile, dass ein Baby erwartet wird. Mütter und Väter üben sich vorher in Formulierungen, wie sie es ihrem Kind sagen und nehmen die Reaktion dann sehr ernst. „Dabei ist sie ja manchmal nur eine Momentaufnahme“, gibt Reddemann zu Bedenken. Kleineren Kindern sollte man die bevorstehende Geburt öfter erklären, Bilderbücher zu dem Thema seien eine gute Hilfe.

„Es kann trotzdem böse Konkurrenzgefühle geben. Davor fürchten sich Eltern.“ Den Kindern sollte erklärt werden, dass es keine Alternative gibt – das Geschwisterchen kommt dennoch. „Die Bosse sind immer noch die Eltern.“ Und wenn tränenreich erklärt wird, das Baby­ „will ich nicht haben“, dann sei das manchmal nur die Frage: „Hat mich denn noch jemand lieb?“ Wenn sich in den ersten Tagen nach der Geburt Eifersucht und Aggression beim Bruder oder bei der Schwester bemerkbar machen, dann sollten Eltern keine Panik haben, sagt Reddemann.

Vielleicht träfen die Emotionen auch mit einer anderen Phase zusammen. Vier- bis Fünfjährige oder Ein- bis Zweijährige haben schon mal ihre „Rumpelstilzchen-Phase“, erklärt die Expertin. Natürlich sollte man die Kleinen fragen, wie es ihnen geht und sie aufmuntern, aber man müsse den Wutausbruch nicht zum großen Thema machen. Hören Aggressionen und Eifersucht aber nicht auf, sollte man eine Erziehungsberatungsstelle aufsuchen, rät sie.

Wie sehr sollten werdende­ Mütter ihr erstes Kind beim Thema Schwangerschaft einbeziehen? „Das kommt auf die Frau an, auf ihren Typ, auf ihren Beruf“, erklärt Reddemann. Sie selbst habe früher Geburtsvorbereitungskurse gegeben. Die Thematik sei ihren Kindern also von Klein auf vertraut gewesen. Andere Frauen seien verschlossener und erzählen nicht viel über ihre Schwangerschaft. Der Familienzuwachs sei eine Lernphase für Kinder und Erwachsene. „Die größeren Kinder lernen soziales Verhalten, sie lernen, dass sie nicht immer der Prinz oder die Prinzessin sind.“ Sie lernen, zu verzichten und zu teilen. Und wenn größere Geschwister auch mal einen Babysitter-Dienst übernehmen oder Verantwortung für das Kleine, freue das doch alle.

Zu viele Geschenke sind nicht ratsam

In den ersten Lebensmonaten des Babys verbringe die Mutter sehr viel Zeit mit dem Neugeborenen, in dieser Zeit kümmern sich daher Väter oft bewusst um die Geschwister. Zu beobachten sei, dass zur Geburt nicht nur die Babys beschenkt werden, sondern auch die Geschwisterkinder. Das sei sicherlich eine gute Geste an das erste Kind, aber zu viele Geschenke seien auch nicht ratsam.

In Patchwork-Familien sollte allen Kindern bewusst gemacht werden, dass sie geliebt werden, betont Reddemann. Ob Kinder­ sich über ihren Halbbruder oder ihre Halbschwester freuen, hänge auch damit zusammen, wie sich die Ex-Partner verstehen. Es gäbe Ex-Partnerinnen,­ die das Baby ihres früheren Ehemanns mit nach Hause nehmen, weil es ja das Halbgeschwisterkind ihres eigenes Kindes sei, weiß Reddemann.

„Grundsätzlich sollte der Ex-Partner oder die Ex-Partnerin nicht in Gegenwart der Kinder schlecht gemacht werden. Die Kinder sollten bei Streit außen vor gelassen werden“, betont die Familienberaterin. Klare Absprachen, wer wann die Kinder übernimmt, und Fairness sind für Kinder wichtig. Dass Papa und Mama nicht immer zusammen sind oder sich neue Familienkonstellationen entwickeln, könnten viele Kinder nach einer gewissen Zeit gut akzeptieren. „Hauptsache Mama und Papa zanken sich nicht“.

von Anna Ntemiris

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