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Die einen wollen es diskret, die anderen öffentlich

Baby-Glück:Thema Stillen Die einen wollen es diskret, die anderen öffentlich

Die Mutter schleckt am Erdbeereis, hält einen Plausch mit der Freundin. Ruckzuck wird eine Brust aus dem Shirt hervorgeholt: Auch das Kleine hat Hunger.

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Larissa Waters, Abgeordnete der australischen Grünen, stillte im Juni während einer Sitzung des Parlaments ihre drei Monate alte Tochter. Die einen lobten sie, die anderen warfen ihr Show vor.

Quelle: Lukas Coch

Marburg. Beim Frisör, im Restaurant oder bei einer Geburtstagsparty: Wenn Frauen in der Öffentlichkeit oder Halböffentlichkeit ihre Brust herausholen, um zu stillen, gibt es unterschiedliche Reaktionen. Die einen schauen weg, die anderen freuen sich und wiederum andere rümpfen die Nase.

In einer aktuellen Umfrage des Onlineportals babyclub.de sagten über die Hälfte der Stillenden, dass es ihnen nichts ausmache, in der Öffentlichkeit die Brust zu geben. Das sah vor fünf Jahren anders aus: 2012 waren es nur 39 Prozent, der Rest der Still-Mütter in Deutschland gab ihrem Baby nur dann öffentlich die Brust, wenn es nicht anders ging oder überhaupt nicht. Am lockersten gingen Mütter in 2008 mit dem öffentlichen Stillen um: 62 Prozent fanden es völlig in Ordnung. Heute sagt rund jede Dritte, dass sie nur dann vor den Augen anderer stillen würde, wenn es sich nicht vermeiden ließe und 17 Prozent sagen: „Nein, die Blicke sind mir zu unangenehm.“

Die Marburger Still-Beraterin­ Heike Witzel kennt die Argumente Pro und Contra öffentlichem Stillen. Sobald sie als Lehrerin der Krankenpflege­schule im Unterricht über das Thema Stillen spreche, gäbe es rege Diskussionen. In Marburg gäbe es zu wenig öffentliche Still-Räume, in denen diskretes Stillen möglich sei, sagt sie. In anderen Städten böten Kaufhäuser, Stadtverwaltungen oder Restaurants solche Räume an. Es gibt aber auch Frauen, die nicht die Notwendigkeit einer Diskretion sehen. Die Haltung zu diesem Thema hängt auch von der jeweiligen Erziehung oder Kultur ab.

Parlament kippt Regelung

Im Mai sorgte Larissa Waters als erste Politikerin der australischen Geschichte, die im Parlament von Canberra ihrem ­Baby die Brust gab, für weltweite Schlagzeilen. Später ging sie noch einen Schritt weiter: Die grüne Senatorin stillte ihre drei Monate alte Tochter, während sie eine Rede vor den Abgeordneten hielt. „Das erste Mal, dass ich einen Antrag im Senat eingebracht habe, während ich ­stille“, schrieb sie auf Twitter.

Während Waters von vielen Usern im Netz Zuspruch für ­ihren offenen Umgang mit ihrem Kind bekommt, werfen ihr ­andere vor, auf den Showeffekt aus zu sein. Anfang vergangenen Jahres hatte das australische Parlament eine Regelung gekippt, die es Müttern verbot, im Sitzungssaal zu stillen. ­Waters war an dieser Änderung der Hausordnung beteiligt.

Im Oktober 2016 hatte ein ­Video von einer Rede der isländischen Politikerin Unnur Bra Konradsdottir im Parlament für Aufsehen gesorgt: Auch die ­Abgeordnete der Unabhängigkeitspartei hatte ihrer kleinen Tochter während ihres Beitrags kurzerhand die Brust gegeben, weil diese partout gerade dann Hunger hatte. (dpa)

von Anna Ntemiris
und unserer Agentur

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Von Redakteur Anna Ntemiris