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Wohin die Reise noch geht

OP-Serie Baby-Glück Wohin die Reise noch geht

Sommer, Sonne, Strand: In ihrer Schwangerschaft verzichten viele Frauen auf Abenteuerurlaub und lange Fernreisen. Reisen in kleinere Städte sind ­eine Alternative.

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Schwimmen ist in der Schwangerschaft empfehlenswert. Doch die Reise bis zum Meer kann beschwerlich sein.

Quelle: Pixabay

Marburg. Frische Nordseeluft statt heißes Mittelmeerklima: Sylt als Ort für den Urlaub in der Spätschwangerschaft ist – je nach Einstellung – nur auf den ersten Blick eine wirklich gute Idee. Frauen von dort werden gebeten, bereits Wochen vor der Geburt aufs Festland zu gehen. Eine Geburtshilfe gibt es auf  der beliebten deutschen Ferieninsel nicht.

Der Gedanke an diese Tatsache allein reicht bei vielen Schwangeren bereits aus, um ihre Sylt-Pläne zu streichen. Im Hochsommer ans Mittelmeer nach Südeuropa? Oder doch einfach zu Hause bleiben und Hessen  einfach aus einer anderen Perspektive neu zu erkunden? Es gibt nicht „die“ Empfehlung für Reisen während der Schwangerschaft, aber Ratschläge.

Ferienparadies ohne Geburtshilfe

Die Elterninitiative Mother Hood e.V. spricht zum Start der Sommerferien eine Reisewarnung für werdende Familien aus. Deutschlandweit seien die Geburtsstationen regelmäßig überlastet. In Großstädten wie Berlin oder München nehmen viele Kliniken Geburten ohne­ vorherige Anmeldung nicht mehr an. Frauen werden unter Wehen vor den Kreißsälen abgewiesen und müssen zum nächsten Kreißsaal fahren, sagt Katharina Desery von ­Mother Hood. „Wer hochschwanger nach Sylt fährt, riskiert, sein Kind im ­Autozug aufs Festland zu bekommen“, so Desery.
Die Lage in den Kliniken ist also ohnehin schon angespannt. In den Sommerferien kommt hinzu, dass viele Hebammen, die oft selbst Familie haben, im Urlaub sind. Andernorts sind die Kreißsäle nicht überfüllt, sondern schlicht nicht mehr vorhanden. So haben beispielsweise zahlreiche Kreißsäle im bayerischen Alpenvorland geschlossen.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind Reisen im fünften und sechsten Schwangerschaftsmonat am besten. Dann sind die ­Unpässlichkeiten und Umstellungsprobleme der ersten Zeit weitgehend vorbei. Auch ist der Bauch noch nicht so dick, dass es unangenehm ist. Denn im letzten Schwangerschaftsdrittel wird das Reisen beschwerlicher.

„Reisen sind für werdende­ Mütter durchaus machbar, aber die Auswahl der Zielgebiete ist schon eingeschränkt. Von exotischen Zielen oder Fernreisen ist abzusehen, auch Kreuzfahrten sind nicht unbedingt geeignet, da es doch teilweise­ sehr stressig ist, an den täglichen Ausflugsprogrammen teilzunehmen“, erklärt Rainer ­Engel vom Ahrens Reisebüro.

In letzten Monaten vor der Geburt möglichst wenig selbst Auto fahren

Reisen in der Schwangerschaft werden von den großen Reiseveranstaltern nicht speziell angeboten. Daher sollte sich jede Frau vor der Auswahl des Reiseziels überlegen und darüber informieren, wie schnell man im Notfall ärztliche Unterstützung bekommen könne. Bei Flugreisen empfehle­ sich ein nahe gelegenes Ziel, zum Beispiel Mallorca mit einer hohen Hotelqualität und kurzen Flugzeiten, sagt Rainer Engel. In Deutschland böten sich Reisen zum Beispiel auf die Insel Rügen an, gesunde Seeluft und die Möglichkeit, kurze oder lange Spaziergänge zu unternehmen. Auf Rügen gibt es eine Geburtshilfe.

Sehr erholsam sei die Bodenseeregion. Mit der Bodenseeflotte könne man eine Vielzahl von Ortschaften erreichen, sagt Engel. „Auch Wellness-Hotels sind geeignet, auch hier sollte man wieder auf die Lage des Hotels und auf das entsprechende Freizeitprogramm achten. Städtereisen sind ebenfalls möglich. Man sollte eher an kleinere Städte mit vielen kulturellen Möglichkeiten denken, da geht es insgesamt ruhiger zu, da gibt es keine Rush-Hour-Zeiten oder Gedränge in U-Bahnschächten.“

Straßburg und das Elsass bieten sich seiner Meinung nach auch an, oder auch Kulturstädte wie Brügge, Gent oder Breslau seien entspanntere Ziele als die großen Metropolen.
Der ADAC weist darauf hin, dass Schwangere in den letzten Monaten vor der Geburt, möglichst wenig selbst Auto fahren sollten. Wichtig sei, den Gurt anzuschnallen. Der Gurt muss straff anliegen. Der übers Becken verlaufende Teil muss so tief wie möglich unterhalb des Bauches geführt werden. Bei langen Autoreisen sollten mehrere Pausen eingelegt werden.

von Anna Ntemiris

Unbeschwertes Fliegen in der Schwangerschaft

Bis zu vier Wochen vor Geburtstermin ist das Fliegen in der Regel kein Problem. Die Fluggesellschaften ­haben jedoch das Recht, den Mutterpass oder ein Attest zu verlangen.
Für Frauen mit einem unkomplizierten Schwangerschaftsverlauf ist Fliegen unproblematisch, die Strahlenbelastung ist – sofern nicht regelmäßig geflogen wird – unbedenklich. Die Fluggesellschaften empfehlen dennoch schwangeren Frauen, vorab mit ihrem Gynäkologen über die bevorstehende Reise zu sprechen. Die Fluggesellschaft Lufthansa hat zudem Richtlinien für schwangere Kundinnen, die sie auf ihrer Homepage sehr ausführlich darstellt. Bis zum Ende der 36. Schwangerschaftswoche, beziehungsweise bis vier Wochen vor dem voraussichtlichen Geburtstermin, können werdende Mütter mit einem unkomplizierten Schwangerschaftsverlauf ohne gynäkologisches Attest mit Lufthansa fliegen.

Ab der 28. Schwangerschaftswoche wird jedoch empfohlen, ein aktuelles Attest mit sich zu führen, in dem – zusätzlich zum Mutterpass – Folgendes ausgewiesen ist: Die Bestätigung, dass die Schwangerschaft unkompliziert verläuft, der erwartete Geburtstermin und der Gynäkologe sollte ausdrücklich erwähnen, dass die Schwangerschaft die Patientin nicht an Flugreisen hindert. Bei Zwillings- und Mehrlingsschwangerschaften ist das Fliegen nur bis zum Ende der 28. Schwangerschaftswoche möglich. Wegen des erhöhten Thromboserisikos während der Schwangerschaft wird empfohlen, im Flugzeug Stützstrümpfe zu tragen.

Unabhängig von den gesundheitlichen Voraussetzungen gelten in einigen Ländern davon abweichende Bestimmungen. „Für den Fall, dass aufgrund der länderspezifischen Gesetzeslage keine Flugerlaubnis erteilt werden sollte, übernimmt Lufthansa keine Haftung“, betont das Unternehmen. Gleiches gelte in Fällen, in denen aufgrund der lokalen Gesetzeslage im Reisezielland eine Einreise aufgrund der Schwangerschaft verweigert werden sollte. Frauen sollten sich daher vorher bei den zuständigen Behörden über die länderspezifischen Gesetzmäßigkeiten bezüglich der Flugerlaubnis für werdende Mütter informieren.

Die Fluggesellschaft Air Berlin erklärt, dass einer Beförderung bis zur vierten Woche vor dem errechneten Geburtstermin nichts im Wege stehe. „Uns liegt das Wohlbefinden unserer Gäste sehr am Herzen, sodass wir bei einer Unsicherheit darüber, ob die 36. Schwangerschaftswoche noch nicht überschritten ist, immer um die Vorlage des Mutterpasses bitten können“, erklärt Air Berlin.  

Der Körperscanner beim ­Sicherheitscheck am Flughafen ist übrigens unbedenklich. „Die am Flughafen Frankfurt am Main verwendete Kontrolltechnik ist für Schwangere zugelassen. Sollte dennoch eine Kontrolle mittels elektronischer Technik von der Schwangeren im Einzelfall nicht gewünscht werden, erfolge eine manuelle Kontrolle, erklärt Reza Ahmari, Pressesprecher der Bundespolizei am Flughafen Frankfurt, auf Anfrage der OP.

  • Einen Flug mit einem Ungeborenen buchen: Wer eine Reise mit einem ungeborenen Kind plant, kann die Buchung  bei mehreren Gesellschaften wie zum Beispiel Air Berlin vornehmen, ohne Angaben über das Kind zu machen. Nach der Geburt, müsse man sich aber telefonisch mit der Buchungsnummer an das Service Center wenden.  
  • Tipps für Fliegen mit einem Baby: Nachtflüge eignen sich besonders gut für Reisen mit Baby, da es seinen Schlafrhythmus beibehält und dadurch am besten zur Ruhe kommen können, erklären mehrere Fluggesellschaften. Fluggesellschaften­ empfehlen, das Baby beim Steig- und Sinkflug mit einem Fläschchen zu füttern oder ihm einen Schnuller zu geben. Das beruhige das Kind und helfe beim Druckausgleich der Ohren.
  • Je nach Abflug- und Zielort herrschen meist ­unterschiedliche Klimabedingungen. Auch an Bord können die Temperaturen unterschiedlich sein. Das Baby sollte daher mehrere Schichten an Kleidung übereinander tragen, die dann je nach Bedarf aus- oder wieder angezogen werden können. Ein Paar dicke Söckchen sollten ebenfalls dabei sein.  

Wasser für die Babyflasche gibt es laut Fluggesellschaften an Bord. Wickeltische befänden sich in den meisten Waschräumen an Bord.
Aus Sicherheitsgründen ist nur ein Baby pro Erwachsenem an Bord gestattet. Man könne aber bei Lufthansa für das zweite mitreisende Kind unter zwei Jahren einen Sitzplatz buchen und eine Babyschale oder einen Kindersitz mitführen. Babys unter einer Größe von 100 Zentimetern müssen nicht durch den Körperscanner am Flughafen-Sicherheitscheck, sondern werden manuell kontrolliert, erklärt die Bundespolizei.

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