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Yoga in seiner heißesten Form

Abenteuer Sport Yoga in seiner heißesten Form

90 Minuten, 38 Grad, 40 Prozent Luftfeuchtigkeit – das ist Hot Yoga. Fernab der Metropolen wird die Trendsportart seit über ­einem Jahr auch im kleinen Marburg angeboten. OP-Volontärin Ruth Korte hat es ausprobiert.

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„Streck deine Finger zum Himmel. Mach dich ganz lang und stolz“: Yoga-Lehrerin Bettina Graumann (rechts) leitet die Besucher des Hot-Yoga-Kurses an.

Quelle: Ricarda Schick

Marburg. Ich stehe kopfüber auf meiner Yoga-Matte. Meine Fersen sind auf den Boden gestemmt, der Po zeigt zur Decke, Arme und Beine sind durchgestreckt. Neben mir bläst ein Raumbefeuchter beständig Wasserdampf in den auf 38 Grad erwärmten Raum. Mir ist heiß. Auf meiner Haut haben sich kleine Schweißperlen gebildet, die nach und nach auf die Yoga-Matte tropfen. Ich schaue zu den anderen Kursteilnehmern herüber, die, wie ich, den „herabschauenden Hund“ machen. ‚Ich hätte ein größeres Handtuch mitnehmen sollen‘, fällt mir auf. ‚Nein, Halt! Nicht denken. Fallen lassen‘, diszipliniere ich mich und schließe die Augen. „Lasst den Atem tief fließen“, sagt Bettina Graumann, unsere Yoga-Lehrerin, die alle nur „Tina“ nennen. Sie geht durch die Reihen und korrigiert hier einen krummen Rücken und legt dort ihre Hand auf einen angespannten Hals. „Locker baumeln lassen“, flüstert sie.

Hot Yoga ist derzeit die angesagteste Variante

Laut einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) rollen 2,6 Millionen Deutsche regelmäßig ihre Yoga-Matte aus. Dabei ist Hot Yoga die derzeit angesagteste Form der fernöstlichen Sportart. Der Trend kommt aus den USA. Stars wie Lady Gaga, Madonna und George Clooney schwören darauf, 90 Minuten lang in einem 38 Grad warmen Raum bei 40 bis 50 Prozent Luftfeuchtigkeit Yoga zu machen.
Zurückzuführen ist Hot Yoga auf den indischen Yoga-Meister Bikram Choudhury, weshalb es auch „Bikram-Yoga“ genannt wird. Dieser Name ist jedoch markengeschützt.  Hierzulande ist es meist unter dem Begriff „Hot Yoga“ bekannt.

„In Deutschland sind es vor allem die großen Städte, in denen Hot Yoga angeboten wird. Hier in Marburg ist es noch etwas Außergewöhnliches“, weiß Tina. Zusammen mit Katrin Turza hat sie vor über einem Jahr das kleine Studio in der ­Johann-Konrad-Schäfer-Straße eröffnet. „Es wird ganz gut angenommen“, resümieren sie. „Viele assoziieren mit Yoga aber noch, dass es körperlich nicht herausfordernd ist.“ Diese Worte gehen mir durch den Kopf, während ich schwitzend auf der Matte stehe, den Körper immer noch zu einem „V“ geformt.

Der Körper bleibt ständig in Bewegung

Ich spüre die Dehnung in meiner Wade und das Gewicht auf meinen Armen. Auf meinem Handtuch hat sich inzwischen ein großer Schweißfleck gebildet. Gleich wird Tina den nächsten „Flow“ einleiten. Dabei werden die Yoga-Übungen, die sogenannten „Asanas“, nicht über längere Zeit gehalten, sondern schnell und „im Fluss“ hintereinander ausgeführt. Man ist also mehr oder weniger die ganze Zeit in Bewegung. Bei fast 40 Grad ist das körperlich sehr wohl herausfordernd.  

Ich atme noch einmal tief ein und aus. Dann wandert der rechte Fuß nach vorn zu den Händen und die Arme werden zur Decke gestreckt. Und schon wird aus dem herabschauenden Hund ein „Krieger“. „Streck deine Finger zum Himmel. Mach dich ganz lang und stolz. Lass den Atem tief ein-“, Pause, „und ausströmen.“

Beim nächsten Einatmen sollen wir unsere Hände auf den Knien ablegen und beim Ausatmen die Brust zur Matte führen, um den Oberkörper dann beim Einatmen weit nach oben zu schieben. Die „Kobra“. Beim Ausatmen landen wir im Vierfüßlerstand und werden schließlich wieder zum herabschauenden Hund. Flow-Ende.

Elegant sah das nicht aus. Immer wieder schaue ich mich um, um zu überprüfen, ob ich alles richtiggemacht habe und muss meine Asanas korrigieren. „Das dauert so drei, vier Monate, bis man die drin hat“, weiß Lina (41), die seit fast einem Jahr ins Hot-Yoga-Studio geht. Dort könne sie sich „super entspannen“ und eine Stunde „mal an nichts anderes denken, als an meinem Atem“. Markus (51) macht schon seit mehreren Jahren Yoga und hat eine neue Herausforderung gesucht, „da war Hot Yoga genau das Richtige“.

Schwitzen soll den Körper entgiften

Was ist daran so anders als Yoga bei Raumtemperatur? „Die Wärme regt den Kreislauf an und durch das Schwitzen wird der Körper entgiftet“, erklärt ­Tina, die sich bei „Yoga Vidya“, Europas größtem Seminar­anbieter, zur Yoga-Lehrerin hat ausbilden lassen. Zudem wärmt sich die Muskulatur schneller auf. Das merke auch ich. Mein Körper wird von Flow zu Flow elastischer. Schon nach kurzer Zeit kann ich aus dem Stand den Boden mit beiden Handflächen berühren. Das schaffe ich sonst nicht.

Zum Schluss liegen wir bewegungslos auf dem Rücken. Der Nacken ist lang, die Handflächen zeigen nach oben, die Füße locker nach außen. Die „Leichenstellung“. Herzschlag und Atem kommen zur Ruhe, aufbauende, regenerative Prozesse des Körpers werden eingeleitet. Ich spüre, wie sich mein Körper langsam abkühlt. Trotzdem ist mir angenehm warm. Ich fühle mich sportlich ausgelastet und dennoch entspannt. Den Rest des Tages habe ich das wohlige Gefühl, das man nach einem Saunabesuch hat. Wie lange wir hier so liegen, weiß ich nicht. Es gibt keine Uhr. Nur die Entspannungsmusik und das tiefe Atmen der Kursteilnehmer.

von Ruth Korte

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